Hallo ihr Lieben,

Ja. Es ist tatsächlich unser siebter Versuch in dem wir gerade stecken und es gibt auch immernoch Neuigkeiten bzw. Themen (insgesamt 3), von denen wir hier berichten können:

Thema 1: Die biochemische Schwangerschaft

Nachdem mein hCG-Wert nach der Blutung so schnell von 70 auf 20 fiel, trauten wir uns sofort in den nächsten Kryozyklus zu starten. Dennoch wollte mein Gynäkologe* vor Ort den Fall des hCGs weiter (bis unter die Nachweisgrenze) überwachen, weshalb ich eine Woche später noch einmal zur Blutentnahme kommen sollte. Das war letzten Mittwoch. Am Freitag rief ich dann in der Praxis an, um den aktuellen Wert zu erfahren. Dabei rechnete ich fest damit, dass dieser unter besagter Nachweisgrenze liegt. Die Arzthelferin* meinte der Wert sei noch nicht im System eingetragen, liege aber vor und da mein Arzt* derzeit nicht im Haus sei, würde sie diesen einem anderen Arzt* der Gemeinschaftspraxis zur Kontrolle vorlegen. Ich solle doch kurz in der Leitung bleiben. Gesagt – getan und wenige Minuten später erfuhr ich, dass der Wert in Ordnung sei und ich in einer Woche noch einmal zur Kontrolle kommen sollte. Das kam mir dann doch etwas komisch vor. Warum sollte ich nochmal zur Kontrolle kommen, wenn das hCG vollständig abgebaut wäre. Ich fragte also nach dem konkreten Wert und erfuhr, dass dieser 70 sei. Da rutschte mir das Herz doch ganz schön in die Hose. Ich fragte dann sicherheitshalber nach, ob sie den Wert nicht mit dem Vorletzten verwechselt hätte, sie guckte im System nach und… natürlich -.- Der Wert vom Mittwoch sei doch noch nicht eingetroffen und ich soll am Montag nochmal anrufen. Tja, am Montag erfuhr ich dann das, was ich schon die ganze Zeit hören wollte, nämlich dass der Wert bei 0 liegt.

Mal erlich? Ok, die Arzthelferin* hat das Datum nicht gelesen. Das kann mal passieren. ABER wie kann ein Arzt einen angeblichen Verlauf des hCG von 42 – 70 – 20 – 70 mit den Worten „in Ordnung“ abtun? Dieser Verlauf wäre in keinem Vall in Ordnung! Ich bin inzwischen richtig unzufrieden mit der Praxis. Damals hatte ich sie nur ausgesucht, weil sie aufgrund ihrer Größe sehr gute Ultraschallgeräte hat, was bei den regelmäßigen Follikelkontrollen für die Kappeninseminationen wichtig war. Seit wir die Klinik gewechselt haben und die Neue das alles selbst macht, ist das kein Kriterium mehr für uns und so werde ich wohl baldmöglichst erneut den Frauenarzt* wechseln. Das wäre dann der fünfte Versuch -.-

Thema 2: Kryozyklus 2

Ich sitze gerade im Zug auf dem Weg nach Hause. Gerade war ich zum ersten Kontrollultraschall in Würzburg und es passt soweit alles. Meine Schleimhaut ist bereits dreischichtig (wobei die Schichten noch ein bisschen abgregrenzter sein könnten) und die Höhe ist auch schon gerade so ausreichend. Ich gehe davon aus, dass ich noch ein paar Tage weiter Progynova zum besseren Aufbau der Schleimhaut nehmen und dann so gegen Freitag das Progestan dazu nehmen soll. Das würde also bedeuten, dass der Transfer voraussichtlich am Sonntag (Zyklustag 3) oder Dienstag (Zyklustag 5) stattfindet. Vielleicht auc heinen Tag später.

Das Hannibaellchen und ich haben uns noch einmal Gedanken zur Anzahl der einzusetzenden Embyronen gemacht. Bei unserer ersten ICSI riet uns der (doofe) Arzt* auf jeden Fall dazu, beide einsetzen zu lassen. Zwei sei Standard. Das nahmen wir so hin und unser anfängliche Wunsch, nur eines zurück zu nehmen, um die Zwillingswahrscheinlichkeit zu minimieren, wra damit hinfällig. Vor dem ersten Kryoversuch stellte ein neuer Arzt* nun jedoch die Frage, ob wir eines oder zwei zurück wollten und meinte, dass der Trend auch immer mehr dazu ginge, nur eines zurück zu nehmen. Die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit bei einem transferierten Embryo ist nur ein bisschen geringer, als bei Zweien und nicht wie man meinen sollte nur halb so groß. Das wussten wir ja bereits vorher. Wir hatten uns nur von der resoluten Meinung des ersten Arztes* einschüchtern lassen. Die plötzliche Offenheit gegenüber dem Transfer von einem Embryo kam sehr überraschend (hatten wir uns doch inzwischen an den Gedanken gewöhnt, dass immer zwei zurückkommen) und da ich an diesem Tag auch alleine in Würzburg war und so eine Entscheidung ungerne ohne das Hannibaellchen treffen wollte, ließen wir im ersten Kryozyklus wie gehabt zwei Embryonen einsetzen.

Seitdem ist etwas Zeit vergangen und das Hannibaellchen und ich hatten die Möglichkeit die Für und Widers von einem bzw. zwei Embryonen zu überdenken. Diese sahen so aus:

Pro Singletransfer:
– insgesamt mehr Versuche
– minimierte Zwillingswahrscheinlichkeit
– Schwangerschaftsrate nicht sehr viel geringer

Kontra Singletransfer:
– höhere Auftauzahlen
(sollen zwei Embryonen eingesetzt werden, werden vier aufgetaut – soll es einen Singletransfer geben, werden drei aufgetaut – die Wahrscheinlichkeit ist somit beim Singletransfer höher, dass Embryonen übrigbleiben und erneut eingefroren werden müssen, wodurch ein erneuts Auftaurisiko entsteht)
– Kosten pro Versuch sind fast gleich, egal ob eines oder zwei eigesetzt werden
– zwei Zweiertransfere haben bis jetzt nicht funktioniert, was auf eine Einschränkung hindeutet

Das Hannibaellchen und ich kamen so zu keiner abschließenden Lösung und wollten diesbezüglich noch einmal mit dem Arzt* in der Klinik Rücksprache halten. Das habe ich gerade getan. Eine Angst konnte er uns sofort nehmen und zwar ist es wohl so, dass nur diejenigen Embryonen das Auftauen nicht überleben, die auch ohne Einfrieren nicht lebensfähig gewesen wären. Beim Auftauen von bereits zur Blastozyste kultivierten Embryonen gibt es somit fast nie Probleme und sollte es eine doch nicht schaffen, war sie höchstwahrscheinlich nicht vollständig gesund. Dennoch würde der Arzt* aufgrund meiner Vorgeschichte (zwei Transfere mit zwei Embryonen ohne intakte Schwangerschaft) ein kleines bisschen mehr zum Einsetzen von zwei Embryonen raten. Schlussendlich konnten wir uns meiner Meinung nach auf einen sehr guten Mittelweg einigen. Wir sind nun so verblieben, dass wie die letzten Male auch vier Embryonen aufgetaut werden. Am Transfertag erhalte ich dann nicht die beiden besten, sondern den besten und den schlechtesten zurück. So ist die Zwillingswahrscheinlichkeit geringer und wir geben auch dem Schlechten eine Chance, denn dieses hätte das erneute Auftauen vermutlich sowieso nicht überlebt. Sollten wir dieses Mal Blastozysten zurück bekommen, würden wir die Entscheidung auch von deren Qualität abhängig machen. Ich bin sehr zufrieden mit der Lösung und bin gespannt, wohin die Reise schlussendlich geht…

UPDATE: Habe gerade eben (wärend ich den Artikel noch fertig geschrieben habe) den Anruf von meiner Klinik bekommen. Ich soll doch bereits morgen auf Progynova und Progestan umsteigen. Der Transfer findet also entweder am Freitag, oder am Sonntag statt. Das sind beides Tage, an denen sowohl ich als auch das Hannibaellchen gut können. Welch ein Glück. Ich hoffe nur, das passt dann wirklich alles soweit und die Schleimhaut ist nicht doch ein bisschen zu schlecht… Naja, da hilft nur vertrauen in die Klinik.

Thema 3: Steuererklärung und Rückerstattung

Am 05.10.2017 traf der Bundesfinanzhof eine Entscheidung, welche große Auswirkungen auf unsere Kinderwunschgeschichte haben könnte.

Wie viele von euch wissen, können heterosexuelle Paare die selbst getragenen Kosten für eine Kinderwunschbehandlung von ihrer Steuer absetzen (unabhängig vom Familienstand und Alter). Dies galt nicht für Frauenpaare, was das Finanzgericht Münster 2015 noch einmal bestätigte. Hier hieß es, dass selbst bei einer medizinisch bestätigten Empfängnisunfähigkeit die Kinderlosigkeit zuerst in den biologischen Faktoren (kein Mann) verortet ist und deshalb auch in diesem Fall kein Absetzen der Kosten von der Steuer möglich ist.

Am 05.10.2018 entschied der Bundesfinanzhof als nächsthöhere Instanz anders und hob damit das Urteil des Finanzgerechts Münster auf. Hier heißt es im Leitsatz:


1. Aufwendungen einer empfängnisunfähigen (unfruchtbaren) Frau für eine heterologe künstliche Befruchtung durch In-vitro-Fertilisation (IVF) sind als außergewöhnliche Belastung (Krankheitskosten) auch dann zu berücksichtigen, wenn die Frau in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft lebt.

2. Da die Aufwendungen dazu dienen, die Fertilitätsstörung der Steuerpflichtigen auszugleichen, sind sie als insgesamt —einschließlich der auf die Bereitstellung und Aufbereitung des Spendersamens entfallenden Kosten— auf dieses Krankheitsbild abgestimmte Heilbehandlung darauf gerichtet, die Störung zu überwinden. Eine Aufteilung der Krankheitskosten kommt insoweit nicht in Betracht.


Die aktuelle Rechtsprechung sieht somit die Absetzungsfähigkeit der Kinderwunschbehandlung auch blei Frauenpaaren vor, wenn eine Unfruchtbarkeit gegeben ist. Mit diesen neuen Informationen gingen das Hannibaellchen und ich letzte Woche zu unserem zuständigen Finanzamt und ließen uns beraten. Leider wusste dieses noch nicht einmal etwas davon, dass Kinderwunschbehandlungen bei gleichgeschlechtlichen Paaren früher nicht absetzbar waren und somit erst recht nichts von der Änderung der Rechtsprechung. Der zuständige Sachbearbeiter* meinte jedoch, dass eine Feststellung der Unfruchtbarkeit bzw. die Notwendigkeit einer künstlichen Befruchtung aus medizinischen (nicht biologischen) Gründen durch Ärzt*innen festgelegt werden müssen und wir somit ein ärztliches Schreiben benötigen, welches dies belegt.

Wie ihr ja alle wisst, hatten das Hannibaellchen und ich bereits in 2016 vier erfolglose Kappeninseminationsversuche. Unter den Kinderwunschkliniken besteht allgemeiner Konsenz, dass nach drei erfolglosen IUIs zu einer künstlichen Befruchtung geraten wird, weil von einer Fruchtbarkeitseinschränkung ausgegangen werden kann. Bei mir wurde zwar nie eine eindeutige Unfruchtbarkeit festgestellt, aber die vier negativen Versuche können durchaus so gewertet werden. Das sieht unsere Klinik genauso und verfasste deshalb für uns ein Schreiben mit folgendem Inhalt:

„2016 erfogten bei der Patientin insgesamt vier frustrane Versuche einer heterologen intrauterinen Insemination. Leider konnten wir mit dieser Methode bei Frau… keine Schwangerschaft erreichen, sodass wir der Patientin die Umstellung auf eine ART-Methode (künstliche Befruchtung) empfahlen.“

So ganz stimmt das geschiebene nicht. Wir hatten ja weder vier IUIs, noch waren die in der Klinik in der wir jetzt die Behandlung machen lassen, aber das sollte ja dem Finanzamt egal sein. Nun hoffen wir also, dass die Aussage ausreicht, dass die Künstliche Befruchtung empfohlen wurde. Wir werden unsere Steuer voraussichtlich nächste Woche einreichen und halten euch selbstverständlich auf dem Laufenden. Wir reden hier schließlich von fast 6000 Euro die wir in 2017 für den Kinderwunsch ausgegeben haben, weshalb eine (teilweise) Erstattung natürlich mehr als wünschenswert wäre…

Drückt uns die Daumen, in jeder Hinsicht…

Liebe Grüße und bis bald!

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