Guten Morgen,

der Titel sagt bereits alles. Gestern hat, nach Absetzen der Medikamente, die Blutung eingesetzt. Mein hCG-Wert war vor zwei Tagen bei 70. Heute morgen wurde erneut Blut abgenommen, um das (hoffentlich schnelle) Sinken zu überwachen. Die letzten eineinhalb Wochen waren sehr aufwühlend und traurig. Nicht nur unsere eigenen Emotionen (Freude – Angst – Hoffnung – Trauer) machte diese Zeit sehr schwer für uns, sondern leider auch einige Einflüsse von außen. Davon würde ich euch gerne hier erzählen:

Am Sonntag, den 18.03.2018 fand der Transfer von zwei 8-Zellern in A-Qualität statt. Drei Tage später hatte ich über mehrere Stunden ein recht unangenehmens Ziehen im Unterleib, welches ich bis dahin nicht kannte und das mich ein klein wenig hoffen ließ. Bereits am nächsten Sonntag (die Embryonen waren an diesem Tag neun Tage alt) hielt ich einen Test mit hauchzartem Strich in den Händen. An diesem Tag hatte ich mit einem gewaltigen Blähbauch zu kämpfen, was eine vollständig neue Erfahrung für mich war. Am nächsten Morgen wurde der Strich deutlicher, da es sich jedoch um billige Schwangerschaftstests aus dem Internet handelte, traute ich dem Braten noch nicht. Erst als ich mittags mit einem Presense-Test aus dem Drogeriemarkt sehr deutlich positiv testete, wurde mir klar, dass es geklappt hatte – wir waren schwanger. Wir erzählten es einigen engen Freund*innen und meinen Eltern (insgesamt fünf Personen), die bereits seit Tagen mit uns fieberten. Alle freuten sich und versicherten, dass sie bereits ein gutes Gefühl gehabt hätten. Da mir die billigen Schwangerschaftstests ausgegangen waren, machte ich auch am nächsten morgen einen Presense-Test. Ich hatte mir insgesamt vier von diesen und zwei Clearblue-Tests mit Wochenbestimmung gekauft. Diese wollte ich jedoch erst später nutzen. Auch an diesem Morgen zeigte sich ein zweiter Strich, stärker als letzten Nachmittag und ich war erleichtert. Richtig wahrhaben konnten das Hannibaellchen und ich es noch nicht und so gab es im Tagesablauf keine Veränderung. Heimlich guckte ich mir im Internet ein paar Schwangerschaftskalender an, mehr aber nicht.

Am Mittwoch, den 28.03.2018 wachte ich früh am Morgen auf. Ich war neugierig auf den heutigen Test und so beschloss ich, schnell ins Bad zu huschen und dann beruhigt weiterzudösen. Daraus wurde leider nichts, denn der Presense von diesem Morgen war deutlich schwächer als der Test zuvor. Angsterfüllt versuchte ich noch für diesen Tag einen Termin bei meinem Frauenarzt für einen Bluttest zu erhalten. Das klappte leider nicht, aber ich durfte am nächsten Morgen gleich in der früh kommen. Zu meinem Frauenarzt war ich erst kurz vor dem ersten Termin in der Würzburger Kinderwunschklinik gewechselt und da seitdem alle Behandlungen dort gemacht wurden, hatte ich ihn erst einmal gesehen. Am nächsten Morgen zeigte mein letzter Presense-Test wieder eine deutlichere Linie (jedoch nicht stärker als die von vor zwei Tagen). Ich ging also mit dem positiven Test in der Tasche zur Praxis und dort ereignete sich in etwa folgendes:

Am Empfang
Ich:
Ich hatte einen positiven Schwangerschaftstest und hab deshalb heute einen Termin.
Arzthelferin:  Ok, dann müssen Sie einen Urintest machen.
Ich: Ich war gerade auf Toilette, aber ich habe den Test dabei.
Arzthelferin: Aha, dann trag ich das so ein. Nehmen Sie bitte noch im Wartezimmer platz.

Beim Arzt
Ich: Wir sind schon länger in einer Kinderwunschklinik in Behandlung. Das steht ja bei Ihnen vermutlich auch im System und nun hat es das erste Mal geklappt. Ich hab vor drei Tagen positiv getestet, aber die Tests werden schwächer und nun hab ich angst vor einem Frühabort. Deshalb hätte ich gerne einen Bluttest.
Arzt: Na, dann brauchen Sie mich ja garnicht. Dann reicht Ihnen ja einfach ein Labor.
Ich: Wie meinen Sie das?
Arzt: Na, wenn Sie alles schon so genau wissen. Wissen Sie, Sie sie kommen hier rein und erzählen etwas von Frühabort und Bluttest, dann guck ich in mein System und da steht nur drin, Sie haben hier den Urintest verweigert. Wer ist denn hier der Arzt – Sie oder ich?
Ich: Was? Nein! Ich habe den Urintest nicht verweigert. Ich hab der Arzthelferin gesagt, dass ich gerade nicht auf Toilette kann, aber einen positiven Test dabei hab. Sie meinte, das trägt sie so ein. Wenn ich gewusst hätte, dass das Pflicht ist, hätte ich einen gemacht. (zeige ihm den positiven Test)
Arzt: Natürlich trägt die das so ein, wenn Sie ihr das so sagen. Die Arzthelferinnen wissen das ja dann auch nicht so genau. Der Test ist mir egal. Ohne Urintest von uns gelten Sie hier erstmal nicht als schwanger.
Ich: Achso, ok. Kein Problem. Ich kann ja noch einen machen… Wissen Sie, wenn man schon so lange in der ganzen Thematik drin ist, weiß man eben das ein oder andere…
Arzt: Ja, und zwar meistens das Falsche. Solche Tests können nicht „schwach“ oder „stark“ positiv sein. Die sind entweder positiv, oder negativ. Unsere Tests hier sind auch sehr sensibel – 20er – die zeigen immer richtig an… Aber wenn Sie schon mal hier sind, können wir ja mal im Ultraschall gucken.
Ich: Können wir machen, aber da würde man jetzt ja noch garnichts sehen. Dafür ist es doch noch viel zu früh.
Arzt: Trotzdem.
(ich mache mich frei und setzte mich auf den Stuhl, Arzt schallt)
Arzt: Die Schleimhaut ist sehr gut aufgebaut und gut durchblutet, das könnte und ich sage nochmal könnte, für eine Schwangerschaft sprechen. Sonst sieht man nichts. Tja und jetzt? Eigentlich müsste ich Ihnen jetzt die Diagnose: Verdacht auf Eileiterschwangerschaft geben.
Ich: Hä, warum? Das ist doch klar, dass man da jetzt noch nichts sieht. Da kann man doch jetzt noch nicht auf ne Eileiterschwangerschaft schließen. Deshalb hab ich ja um nen Bluttest gebeten.
Arzt: Aha, und was würden Sie dann mit dem Ergebnis anfangen? Sagen wir mal, ihr ß-hCG-Wert betrüge 70. Was würden Sie mit dem Wert anfangen?
Ich: Naja, dann wüsste ich, dass der Wert für den heutigen Tag im Rahmen liegt und hätten einen ersten Referenzwert. Natürlich bräuchte man da dann noch nen zweiten Wert, aber irgendwo muss man ja immer anfangen.
Arzt: (keine Antwort) …Na dann, jetzt brauchen wir aber dann doch einen Urintest von Ihnen.
(gehe zur Toilette, Urintest wird gemacht, ich warte kurz und werde dann wieder zum Doktor gerufen)
Arzt: Dieser Test ist negativ. (zeigt mir den Test der noch am durchlaufen ist, Linie schon zu erkennen)
Ich: Naja, also da sieht man doch eine schwache Linie…
Arzt: Sehen Sie. Das ist der Unterschied zwischen Ihnen und mir. Ich habe schon so viele dieser Tests gesehen und der müsste richtig deutlich positiv sein. Das hier ist nichts.
(eine halbe Minute vergeht) Naja, jetzt kommt da langsam doch ne Linie. Die ist aber sehr schwach. Das spricht für einen niedrigen ß-hCG-Wert (Seitenkommentar: Aha, vorher meinte er noch, die Stirchstärke hätte nix zu sagen -.-). Jetzt, wo wir den positiven Test hier haben, ist es natürlich ganz normale Routine, dass wir jetzt einen Bluttest machen.
(Blut wird abgenommen)
Ich: Wäre es irgendwie möglich, dass ich den Wert heute noch erfahre. Es sind ja dann die Feiertage.
Arzt: Nein, das ist nicht möglich.
Arzthelferin: Naja, wir könnten es doch auf eilig schicken.
Arzt: Nagut, können wir machen. (sichtlich genervt) Aber jetzt freuen Sie sich doch endlich mal, Sie sind schwanger! (Ende)

Naja, am Abend erfuhr ich dann den Wert. Er lab bei 42 und war damit für den Zeitpunkt zu niedrig. In der Hoffnung es könnte sich doch noch alles zum Guten hin wenden, besorgte ich weitere Schwangerschaftstests in der Drogerie. Meine Internetbestellung würde leider erst nach den Feiertagen geliefert werden. Außerdem informierte ich an diesem Tag  noch meine Kinderwunschklinik und vereinbarte einen Termin zum Bluttest für den nächsten Mittwoch. Über die freien Tage wurden die Tests nicht stärker. Wir lenkten uns so gut es ging ab und werkelten viel in unserem kleinen Garten (eine Baumpazelle vor unserer Wohnung, aber immerhin an die 10qm). Unsere Hoffnung wurde mit jedem Tag kleiner. Inzwischen hätten die Tests ein sehr deutliches Positiv anzeigen müssen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir vermutlich fast 50 Euro für Schwangerschaftstests ausgegeben. Um das Ganze nicht länger hinaus zu zögern als nötig setzte ich ohne ärztliche Zustimmung das Progestan und das Progynova ab. Die Medikamente verhindern das eintreten einer Blutung, was bei einer Fehlgeburt eher kontraproduktiv ist…

Am Dienstag nach den Feiertagen vereinbarte ich sofort einen erneuten Termin bei meinem Frauenarzt. Eigentlich wollte ich diesen nicht noch einmal sehen, aber da wir inzwischen wussten, dass es keine intakte Schwangerschaft sein konnte, wollte ich nicht extra nach Würzburg fahren. Den Termin dort sagte ich ab und informierte darüber, dass der hCG zu niedrig sei und nicht weiter steige. Ich verabschiedete mich mit den Worten, dass ich mich melden würde, wenn die Blutung einsetze für den nächsten Kryoversuch. Leider konnte mich das Hannibaellchen wieder nicht begleiten, aber eine gute Freundin erklärte sich spontan bereit mit mir zu gehen. An diesem Tag war der Arzt wie ausgewechselt. Er war nett, kompetent und nahm mich ernst. Er räumte ein, dass der Wert zu niedrig gewesen sei und dass man jetzt einen Vergleichswert bräuchte. Außerdem schallte er erneut. Man so wieder nur eine gut aufgebaute Schleimhaut und die gute Durchblutung – keine Fruchthöle oder Ähnliches, was auch bei 4+4 (da wäre ich gewesen) noch normal sein kann. Interessiert frage der Arzt danach, der wievielte Versuch das nun bei uns gewesen sei und glänzte mit sehr viel Fachwissen zum Thema Reproduktionsmedizin. All das war letzte Woche ganz anders gewesen, wie ihr ja oben lesen konntet. Anschließend wurde noch Blut abgenommen. Der Arzt vereinbarte mit mir ein Telefongespräch für 15:00 Uhr am nächsten Tag und verabschiedete sich.

Tja, obwohl ich wusste, dass der Wert zu niedrig ist (Tests waren weiterhin mal stärker, mal schwächer aber nie stark genug) wartete ich am nächsten Tag voller Spannung auf den Anruf. Gegen Mittag setzte bei mir eine leichte Blutung ein. Das verunsicherte mich ein wenig, obwohl sie sehr pünktlich und ja auch erwartet (drei Tage nach Weglassen der Medikamente) kam. Als bis 15:20 Uhr mein Telefon noch nicht geklingelt hatte, rief ich in der Praxis an, nur um zu erfahren, dass mein Arzt bereits gegangen und der Wert zwar im System vermerkt sei, sie ihn jedoch nicht ohne Ärztliche Erlaubnis rausgeben dürfte. Ich erklärte ihr meine Situation und sie versprach den Arzt zu kontaktieren. Das gelang ihr auch, denn eine viertel Stunde später rief sie zurück und teilte mir mit, dass der hCG-Wert bei 70 lag und damit nicht ausreichend gestiegen sei. Die Schwangerschaft sei nicht intakt und ich solle am nächsten Tag erneut zum Bluttest kommen, da der weitere Verlauf drigend überwacht werden müsse.

Tja, und nun sitze ich also hier. Heute morgen war ich beim dritten Bluttest. Wann ich die Ergebnisse erhalte ist mir im Moment relativ egal. Die Blutung wurde gestern noch stärker und ist inzwischen wie eine ganz normale Regelblutung, vielleicht mit etwas mehr Gewebe. Ich werde mich noch heute in Würzburg melden und hoffe, dass wir gleich weitermachen können und nicht wieder einen Zyklus aussetzen müssen. Inzwischen bin ich emotional wieder relativ gefasst. Das Hannibaellchen und ich haben gemeinsam viel getrauert, aber auch schöne Dinge unternommen. Die letzte Zeit war schlimm, aber wir sind froh darüber, dass es so früh passiert ist… Gewünscht hätten wir uns nur, dass wir auch von ärztlicher Seite ernst genommen werden, denn schlussendlich hat sich doch alles genau so bewahrheitet, wie von mir angenommen.

Dennoch können wir nun mit gutem Gefühl in den nächsten Versuch starten. Es warten noch 11 Embryonen auf uns…
Auf Bald!

Advertisements