Fragen, die das Gericht nicht stellen sollte: Wissen Sie etwas vom Verbleib des Gutachtens?

Im Sinne des Blog-Herbstputzes den ich hier gerade betreibe, wird es auch Zeit für ein Update zwei Updates in Sachen Pflege. In diesem Eintrag erfahrt ihr den derzeitigen Stand der Dinge und in einem gesonderten Post möchte ich noch von einer Begegnung der dritten Art am letzten Wochenende berichten. Nun aber zu den aktuellen Entwicklungen:

Mensch lese und wundere sich nicht mehr – das Erziehungsfähigkeitsgutachten von Frau* S. (der leiblichen Mutter des Hummelchens) ist noch immer nicht fertig. Ja genau, ich spreche von jenem Gutachten, welches im November letzten Jahres anberaumt wurde. Weiterhin spreche ich von jenem Gutachten, dessen Fertigstellung unbedingt bis zur Haftentlassung von Frau* S. im April diesen Jahres abgeschlossen sein muss, weshalb wir einmal quer durch das Bundesland zu einem begutachteten Umgangskontakt anreisen mussten und auch das Gutachten meine ich, für welches wir Umgangskontakte im Zweiwochenrythmus zum „Bindungsaufbau“ zwischen Frau* S. und der Hummel begleiten mussten.

Im Juli diesen Jahres fanden diese besagten Vorbereitungs- Umgänge statt. Von den vier terminierten Kontakte (der letzte hiervon sollte erneut unter Begutachtung stattfinden), kam es zu dreien. Ein erstes Aufeinandertreffen war während der Taufe von Hummelchens zweiter Schwester* geplant, doch Frau* H. (zuständige Sozialpädagogin vom Pflegekinderdienst) wartete am Bahnhof vergeblich (an einem Sonntag!). Frau* S. hatte verschlafen. Wir feierten dennoch einen wunderschönen Tag mit vielen tollen Menschen und noch mehr Kindern im Gemeinschaftsgarten der Pflegeeltern der Schwester*. Die nächsten beiden Umgangskontakte fanden in den Räumlichkeiten des Pflegekinderdienstes statt. Frau* S. erschien beide Male pünktlich. Den ersten der beiden Termine begleitete das Hannibaellchen, beim zweiten waren wir beide dabei. Auch wenn ich an dieser Stelle wie immer nicht zu sehr in die Details gehen möchte, kann ich euch beruhigen und mitteilen, dass die Defizite von Frau* S. einfach sehr deutlich sind. Sie freut sich zwar jedes Mal sehr die Hummel zu sehen, aber mit der Versorgung und Beschäftigung eines Kindes (egal welchen Alters) ist sie vollständig überfordert.

Ende Juli fand der zweite begutachtete Umgangskontakt statt. Auf Anraten von Frau* H. begleitete nur das Hannibaellchen die Hummel zu diesem Termin. Frau* H. hatte bereits die Erfahrung gemacht, dass manche Gutachter*innen eine zu deutliche Präsenz der Pflegeeltern bei solchen Terminen negativ bewerten (a la: „Das Kind konnte sich deshalb nicht richtig auf die leiblichen Eltern einlassen!“) Die Gutachterin* (dieselbe, die schon den Umgang in der JVA im Februar begutachtet hatte) nahm den gesamten Termin, wie auch schon den letzten, auf Video auf. Aus dem so gewonnenen Material würde sie einen Bericht für den eigentlichen Gutachter* anfertigen, mit welchen wir bis jetzt insgesamt lediglich fünf Minuten Telefonkontakt hatten. Von diesem wurde sie auch angehalten Frau* S. einige Fragen zu stellen. Auch hier gehe ich nicht weiter ins Detail, aber das Bild der Erziehungsfähigkeit von Frau* S. wurde hierdurch in meinen Augen kein Besseres. Es gibt einfach nach wie vor sehr triftige Gründe, warum keines ihrer Kinder bei Frau* S. lebt und so mitfühlend ich ihre wirklich nicht schöne Lebensgeschichte und -situation auch betrachte, diese muss nicht auf dem Rücken ihrer Kinder weitergetragen werden. Danach herrschte erneute Funkstille von Seiten des Gutachters*/der Gutachterin*. Vor Kurztem fragte sogar das Gericht beim Pflegekinderdienst an, ob diese etwas vom Verbleib des Gutachtens wüssten, denn dieses läge immernoch nicht vor. Tja, nicht unser Problem.

Den August diesen Jahres verbrachten wir zur Abwechslung ohne Jugendamts-/Pflegekinderdienst-/Gutachter*innen-Kontakt. Dafür erfuhren wir, dass für den nächsten Gerichtstermin ein Verfahrensbeistand für die Hummel benannt wurde. Dieser wird vom Familiengericht bestellt und soll vor Gericht die Interessen Minderjähriger in deren Sinne vertreten. Es handelt sich also um eine weitere Person, die die Hummel nie (oder nur sehr sehr vereinzelt) zu Gesicht bekommen wird, dabei jedoch weitaus mehr Macht über sie hat, als wir sie je haben werden. Besagter Verfahrensbeistand versuchte uns auch schon kurz darauf telefonisch zu erreichen. Er bat auf dem Anrufbeantworter um einen Rückruf unter Nennung seines Namens. Dieser Moment war für mich zur Abwechslung einmal ein sehr Schöner, denn ich kenne besagte Person bereits. Er (ich kenne seine eigene Geschlechtseinordnung, deshalb hier ohne *) ist Anwalt, er ist schwul, er arbeitet ehrenamtlich für die Einrichtung in der ich hauptamtlich tätig bin, er hat einen Pflegesohn* – muss ich mehr dazu sagen? Die nächsten Wochen versuchten wir uns regelmäßig  gegenseitig telefonisch zu erreichen und irgendwann gelang uns dies dann auch. Das Hannibaellchen führte ein sehr lustiges Gespräch mit Herr B. in welchen die beiden feststellten, dass auch sie sich persönlich kennen, da Herr B. einige der früheren Klient*innen des Hannibaellchens aus ihrer Zeit als Asyl- und Geflüchtetenberaterin* vertritt. Herr B. fand gegeüber Frau* S. sehr deutliche Worte. Unter Anbetracht der Tatsache, dass inzwischen sechs Personen (Richterin*, Gutachter*, Gutachterin*, Vormündin*, ASD-Mitarbeiterin* und Verfahrensbeistand) Entscheidungsmacht über unsere Familie haben, tut es doch sehr gut zu wissen, dass zumindest drei davon deutlich positioniert auf unserer Seite stehen.

Bezüglich weiterer regulärer Umgangskontakte sollte Frau* S. sich zur Terminfindung an den Pflegekinderdienst wenden. Nicht nur der gesamte August, sondern auch die Hälfte des Septembers tat sich jedoch nichts. Gestern, beim Sommerfest des Pflegekinderdienstes (ein wunderschöner Tag!) erfuhren wir dann, dass sie sich letzte Woche gemeldet hatte. Die kurzen Rückfragen von Frau* H. (Pflegekinderdienst) ergaben, dass sich die Lebenssituation von Frau* S. nach wie vor nicht stabilisiert hat. Dennoch werden wir diese Woche neue Umgangstermine vereinbaren. Frau* S. hat die Hummel bis jetzt fünf Mal gesehen – trauriger Rekord: So häufig wie kein anderes ihrer Kinder in Pflegefamilien.

Ihr seht, irgendwie passiert schon was, aber es geht trotzdem nicht voran. Genrell hat sich die Situation seit Ende letzten Jahres kaum geändert. Wir warten weiter… und halten euch auf dem Laufenden.

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