Der Fluch des Erdgeschosses

Was muss mensch eigentlich tun, um eine offizielle Postannahmestelle zu werden?

Diese Frage spukt mir zwar nicht erst seit wir das Hummelchen haben im Kopf herum, aber seit ich nun mit ihr* größtenteils zuhause bin, wird sie wieder präsenter.

Es ist nämlich so: Wir leben im Erdgeschoss. Im Erdgeschoss eines 12-Parteien Mietshauses mitten in der Stadt. Das bedeutet, dass an einem durchschnittlichen Wochentag in etwa fünf bis zehn mal bei uns geklingelt wird (ich habe in den letzten Wochen Strichlisten geführt…).

Klar, es gibt hier allein vier verschiedene Paketdienste plus die normale Post, die auch gelegentlich Sendungen hat, die nicht in den Briefkasten passen. In der Regel haben auch alle diese Dienste mindestens zweimal die Woche Post für irgendwen hier im Haus (und diese Glücklichen müssen zum abholen ihrer Post dann natürlich auch wieder klingeln). Dazu kommen dann noch der Kartoffelbauer (einmal alle zwei Wochen), der Eierbauer (einmal die Woche), gelegentlich Handwerker, Vertreter, Mobilfunkverkäufer, der ein oder andere Zeuge Jehovas oder Mormone und ausgesperrte Nachbarn.

Der früheste Klingelzeitpunkt ist halb acht uhr morgens und der späteste ca. Zehn uhr Abends. Dazwischen ist alles möglich.  Und alle klingeln bei uns.

Klar, wir sind im Erdgeschoss und fast immer da, was will ein Paketzusteller denn eigentlich mehr? Normalerweise stört mich das auch nicht. Im Gegenteil, mit unserer Postbotin und einem der Paketlieferanten sind wir per Du. Die bekommen Plätzchen zu Weihnachten und wir bekommen von ihnen Neujahrskarten.

Wenn, tja wenn… Da nicht noch die gefühlten hundert anderen Leute wären, die uns als Bequemlichkeit empfinden. Es gibt leider einige Lieferanten, die ganz genau wissen, dass sie bei uns Pakete los werden, ohne sie in den vierten Stock schleppen zu müssen. Die klingeln dann erst gar nicht bei den eigentlichen Empfänger*innen. Sondern nur bei uns.

Wenn ich jedesmal einen Euro bekommen hätte, wenn mir ein(e) verzweifelte(r) Nachbar*in sagt „ich war doch aber zuhause, bei mir hat niemand geklingelt!“, dann könnte ich mir inzwischen wohl eine neue Waschmaschine leisten…

Das regt mich ganz besonders auf, aus einem einzigen Grund: Wie ihr euch vorstellen könnt, zerschießen diese nicht kalkulierbaren Klingelstreiche jedweden Versuch, das Hummelchen an eine Mittagsschlafzeit zu gewöhnen. Wenn ich dann hinterher noch erfahre, dass der Schreikrampf heute um halb eins komplett vermeidbar gewesen wäre, wenn jemand auch wirklich das getan hätte, was eigentlich so ziemlich der Einzige Grundpfeiler seines/ihres Jobs ist (Pakete an den RICHTIGEN Empfänger zu liefern), dann platzt mir innerlich schon mal die Hutschnur.

Leider war es mir bis dato allerdings noch nicht möglich, die betreffenden Zusteller innen dazu zu bewegen, mir auch etwas von ihrem Gehalt abzugeben, wenn ich ihnen schon die Hälfte ihrer arbeit abnehme. Schade, wäre ein netter Nebenerwerb. Aber ich schätze mal, dass die Leute ohnehin viel zu wenig verdienen, für den Job den sie da machen. Vielleicht bitte ich den nächsten Elektriker, der bei uns klingelt ja stattdessen einfach darum, das Klingelkabel bei uns fachmenschlich zu kappen. Dann ist auch Ruhe.

4 Kommentare zu „Der Fluch des Erdgeschosses

  1. Das Problem hatten wir auch, als unsere Tochter klein war (inzwischen sind wir umgezogen). Die Klingel in der Wohnung ließ sich gar nicht abstellen, so dass das auch keine Lösung sein konnte. Ich habe irgendwann ein Bild von einer Wiege mit Baby gezeichnet und mit der Bitte, zwischen 12 und 15 Uhr sowie nach 18:30 bei uns bitte nicht zu klingeln, an die Haustür geklebt (vorher laminiert, damit es auch hält). Das hat sehr gut geklappt; fast alle haben sich daran gehalten, und die Einschlafsituation hat sich wieder deutlich entspannt.
    Vielleicht wäre das bei Euch auch eine Option?!
    Liebe Grüße
    Victoria

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