Kuschelig warm im Blümchen-Anzug

Ich kann es nicht anders sagen: Ich bin stolz. Ja, ich habe schon kompliziertere Schnitte als diesen genäht, aber die Ergebnisse sahen auch dementsprechend unsauber aus. Ich stoße eben doch noch ziemlich häufig an die Grenzen meines Könnens. Nicht so hier:

Die Hummel braucht einmal wieder einen neuen Anzug zum drüberziehen für draußen – den Vierten um genau zu sein. Von den bis jetzt Getragenen habe ich nur den Ersten selbst genäht. Die beiden Anderen waren in einem großen Paket gebrauchter Kleidung. Nachdem nun der aktuelle Anzug zu klein wurde stand ich vor der Entscheidung: Kaufen oder Nähen? Ich hatte einmal wieder Lust auf ein größeres Projekt und so fiel die Entscheidung recht schnell, auch wenn mein Terminplan das wohl anders gesehen hätte… (Wir haben schon seit mindestens drei Monaten keine Kleidung für die Hummel mehr gekauft. Auch da bin ich irgendwie Stolz drauf.)

anzug forderansicht

Das favorisierte Material hatte ich bereits in Kopf. Ich wollte einen dieser richtig warmen Wollwalk-Anzüge nähen, schließlich ist der Winter immer noch arg am wüten. Komplizierter gestaltete sich da die Suche nach dem geeigneten Schnittmuster. Im Buch ‚Babyleicht – Nähen mit Jersey‘ von Pauline Dohmen (Klimperklein) findet sich ein Schnitt für einen Outdooranzug mit Umschlagbündchen. Die finde ich ja ziemlich praktisch. Anzug Nummer zwei (einer der gebraucht gekauften) hatte die auch. Wir haben sie lange benutzt und als die Hummel zu groß für sie wurde, konnten wir den Anzug mit zurückgeschlagenen Bündchen noch eine ganze Weile länger tragen. Leider sieht besagtes Schnittmuster kein Futter vor. Ich wollte den Anzug aber unbedingt füttern – ich finde Wollwalk nämlich schon etwas kratzig auf der Haut. Zum Glück blätterte ich ein wenig auf Nähblogs zum Thema, denn sonst hätte ich ihn vermutlich einfach ohne Anleitung mit Futter genäht und wäre kläglich gescheitert, denn wegen der speziellen Bündchenlösung ist das mit dem Innenfutter leider nicht so leicht.

Also suchte ich weiter nach einem passenden Schnittmuster. Anzug Nummer eins (der Selbstgenähte) war eine JollyJumper von Lybstes. Der Schnitt kann gefüttert werden und wird außerdem mit Reißverschluss geschlossen, sieht aber nur normale Bündchenabschlüsse an Armen und Beinen vor und müsste demnach mit Schuhen oder dicken Socken kombiniert werden. Auch damit war ich nicht glücklich. Ich schwänkte zurück zum Outdooranzug und durchwühlte das Internet erneut. Schließlich stieß ich auf dieses Youtube-Video in welchem erklärt wird, wie der Anzug ohne sichtbare Innennähte gefüttert und mit einem Reißverschluss versehen werden kann. Die Produzentin* weißt aber bereits in der ersten Minute darauf hin, dass die Schnittmusterabänderung nur für fortgeschrittene Näher*innen machbar ist und schon kamen die Zweifel. Bin ich fortgeschrittenen? Der Stoff ist zu teuer um es zu versauen. Vielleicht doch lieber das Altbekannte?

Nach mehrmaligen Videogucken traute ich mich dann aber doch an das Abenteuer und bestellte einen Meter senfgelben Wollwalkstoff bei Tigerlilly. Eigentlich wollte ich den ‚kiwifarbenen‘, aber der war leider nicht lieferbar, also senfgelb. Für das Futter wählte ich den Jersey „Spring“ von Stoffonkel. Den wollte ich schon lange einmal vernähen. Auch da bestellte ich einen Meter. Während die Stoffe wuschen und trockneten, erstellte ich das Schnittmuster und dann ging es auch schon los. In Anlehnung an das Innenfutter applizierte ich Blumen auf die Anzugbeine. Als Blumenstängel verwendete ich dabei übrigens einfach dünnens Stoffgeschenkband. Die Blumen selbst zeichnete ich Freihand und wählte Stoffe aus meiuner Restekiste. Ich habe ja schon häufiger Applikationen erstellt und so gelang das schon einmal ohne Probleme. Auch der erste Arm incl. Umklappbündchen wurde direkt richtig gut und so wuchs meine Zuversicht bis ich dann den zweiten Arm versaute. Ich brauchte recht lange, bis ich bemerkte, dass ich das Umklappbündchen in die falsche Richtung geklappt hatte – also trennen und neu nähen… Nachdem ich diese Fehlerquelle aber gebannt hatte, gelangen die beiden Beine wieder ohne Probleme. Auch die nächsten Arbeitsschritte waren zwar fummelig, aber machbar. Irgendwann fehlte dann nur noch mein Angstgegner – der Reißverschluss. Dieser sollte mit Untertritt genäht werden. Das hatte ich noch nie gemacht und die Videoanleitung wurde gefühlt immer sparsamer mit den Erklärungen. Nach mehrmaligen Versuchen diese vielen Lagen Stoff mit der Maschine anzunähern gab ich auf und nähte sie mit der Hand. Ich HASSE es, aber ich wollte mir den Anzug auf den letzten Metern nicht durch so etwas banales wie unsaubere Nähte ruinieren. Insgesamt trennte ich den Reißverschluss beidseitig etwa fünf Mal wider komplett auf, bis er einigermaßen gut saß. Der dicke Walkstoff verzog nämlich den dünnen Futterstoff immer wider, egal wie gut ich steckte. Irgendwann war ich dann aber doch so weit zufrieden, dass ich die Beinnaht schließen, den Anzug wenden und die Wendeöfnung vernähen konnte. Der Anzug war fertig.

Ja, es gibt ein paar minimal unsaubere Stellen, aber was bedeuten die schon bei diesen Ergebnis? Ich kann es immernoch garnicht so richtig glauben, dass den wirklich genäht habe. Ich bin rundum zufrieden freue mich schon auf den ersten Spaziergang in neuen Anzug. Noch ist er der Hummel allerdings etwas zu groß, also müssen wir noch warten…

Schnitt: Outdooranzug aus dem Buch ‚Babyleicht – Nähen mit Jersey‘ von Pauline Dohlmen (Klimperklein), abgewandelt mach der Anleitung von Laura Koni (Youtube)

Stoff: Bio-Wollwalk in Senfgelb von Tigerlilly, Jersey „Spring“ von Stoffonkel

Verlinkt in: Menschen(s)Kinder, NähzeitAmWochenende, SelbstmachenMachtGlücklich, Kiddikram

Es handelt sich bei obigen Blogbeitrag um einen redaktionellen Text. Ich stehe mit den genannten Firmen in keinerlei kommerzieller Verbindung. Die Nennung der Namen/Marken erfolgt lediglich zur Information meiner Leser*innen, da ich dies selbst als wertvoll für den kreativen Prozess empfinde.

7 Kommentare zu „Kuschelig warm im Blümchen-Anzug

  1. Der Anzug ist wirklich super geworden, besonders die Blumen auf der Außenseite. Schön, dass du dich mit dem Stück aus der Komfortzone getraut hast!
    Die Frau hinter Klimperklein heißt nicht Josefine Uhlmen, sondern Pauline Dohmen. Das sollte vielleicht der Fairness halber im Kleingedruckten richtig stehen…
    Viele Grüße, Meike

    Gefällt 1 Person

  2. Wow, was für ein tolles Werk! Ich habe endlich mal wieder bei euch reingeschaut (eure Hummel ist so alt wie unser kleinster Prinz) und dann erblicken meine Äuglein das. Der Minimann braucht auch einen neuen Anzug und ich war kurz davor gebraucht zu kaufen und zu kneifen aber nun bin ich sehr motiviert dank dir und werde heute Abend gleich den Schnitt raussuchen ☺️ Liebe Grüße aus Elbflorenz und alles Liebe euch! Antje

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s