Fünf Monate Hummelchen

Ist es nicht einfach krass wie die Zeit verrennt? Haben wir nicht erst gestern dieses winzige Bündel aus dem Krankenhaus abgeholt? Nein, seitdem hat sich zu viel getan. Sie ist nicht mehr das Bündel von damals.

Erst hatte ich den Impuls diesen Blog mit einer Aufzählung darüber zu beginnen, wie die Hummel so ist. Das habe ich allerdings schnell wieder verworfen, denn es würde sich nur um ein Blitzlicht handeln, eine Momentaufnahme die morgen schon nicht mehr stimmen könnte. Philosophisch gesprochen können wir festhalten ‚die Hummel ist nicht, sie wird‘. Das trifft selbstverständlich erst einmal auf jeden Menschen zu, aber beim Hummelchen sind die Veränderungen gerade sehr viel rasanter. Ist ja irgendwie klar…

Beginnen wir also vielleicht einfach bei den Fakten. Die Hummel ist für ihr Alter noch sehr klein. Ich weiß im Moment weder ihre genaue Größe noch ihr Gewicht, aber nächsten Mittwoch ist die U5 und da werden wir alles schwarz auf weiß erfahren. Wir selbst messen oder wiegen nicht. An der Größe können wir eh nicht ändern und solange sie speckig aussieht dürfte das Gewicht ja ganz gut passen, denke und. Fakt ist aber, dass ihr viele Klamotten in 56 noch passen und die 62 teilweise noch zu groß ist, während bei andern Babys in ihrem Alter die 68 schon aussortiert werden muss. Dennoch kommt sie uns im Vergleich zur Anfangszeit einfach riesig vor…

Trinken klappt inzwischen wieder sehr gut. Wir hatten zwischenzeitlich eine Phase, in der die Hummel sofort anfing zu schreien wenn sie hungrig wurde. Leider dauert die Zubereitung einer Flasche im Gegensatz zum Stillen ein paar Minuten. Innerhalb dieser Zeit steigerte sie sich so in die Situation hinein, dass sie die Flasche nicht mehr annahm, wenn diese dann endlich fertig war. Stattdessen schrie sie noch lauter und wenn sie dann endlich anfing zu trinken, war sie zu gierig und verschluckte sich, was einen erneuten Weinkrampf auslöste. Das war für und alle nicht leicht. Inzwischen hat sich die Situation zum Glück wieder entspannt. Die Hummel meldet sich wieder rechtzeitig vorher, wenn sie durst bekommt und trinkt dann sehr gut und ruhig meist bis die Flasche leert ist. Pro Mahlzeit vertilgt sie so 160 – 170ml und das etwa sechs Mal am Tag. Laut Verpackung ist das für ihr Alter zu wenig, aber das sind ja Durchschnittswerte und die Hummel ist und bleibt kleiner als der Durchschnitt, deshalb machen wir uns auch da keine Gedanken.

Unsere Nächte sind nach wie vor traumhaft. Hier gab es allerdings mit dem neuen Jahr trotzdem eine riesige Veränderung. Die Hummel schläft nun in ihrem eigenen Zimmer und das klappt einfach prima. Schon seit über zwei Monaten bringen wir sie gegen 19:00 Uhr ins Bett. Das hat schon fast von Anfang an gut funktioniert und da sind wir sehr dankbar darum. Gegen 21:00-22:30 Uhr gehen dann auch schlafen. Leider wurde die Hummel davon wach, als sie noch im Beistellbett schlief. Alles flüstern und ruhig verhalten half nichts. Nun sind das Hannibaellchen und ich es eigentlich gewohnt im Bett noch ein wenig zu kuscheln, den Tag Revue passieren zu lassen und zu lesen. All das war nicht mehr möglich. Aus diesem Grund wagten wir das Experiment ‚eigenes Zimmer‘ und es klappte von Anfang an super. Die Hummel hat sich inzwischen so an ihren Schlafrythmus gewöhnt, dass sie spätestens um 18:30 Uhr damit beginnt ihre Augen zu reiben. Um 18:45 Uhr wird sie bettfertig gemacht und nach ein wenig singen und kuscheln schläft sie meist schon kurz nach 19:00 Uhr tief und fest, egal ob im eigenen oder im Beistellbett. Wir haben ein Babyphone im Zimmer und hören somit sofort, wenn dir Hummel ihre Flasche möchte. Wären das Hannibaellchen zu ihr ins Zimmer geht und sie beruhigt, bereite ich diese Flasche schnell zu und bringe sie den beiden, dann geh ich wieder ins Bett. Das Hannibaellchen kommt wenige Minuten später nach, denn die Hummel schläft dann sofort weiter. Im Moment verschiebt sich die Zeit für die erste Flasche sogar etwas nach hinten. Heute wurde sie erst gegen 04:00 Uhr wach. Da kann eltern doch schon fast von durchschlafen sprechen! Die zweite Schlafphase ist dafür sehr viel kürzer. Gegen 06:00 Uhr ist die Nacht für eine von uns vorbei. Wir versuchen uns mit der Morgenroutine abzuwechseln. Heute bin ich beispielsweise mit der Hummel aufgestanden und das Hannibaellchen konnte noch ein wenig liegen bleiben und dösen. An freien Tagen versuchen wir auch uns gegenseitig mal richtig ausschlafen zu lassen. Die Morgenroutine mit der Hummel besteht übrigens aus waschen, anziehen und anschließendem Spielen unter dem Spielebogen. Nach ca. einer Stunde wird sie dann schon wider müde. Leider lässt sie sich tagsüber zum Schlafen kaum ablegen, weshalb wir uns dann mit ihr aufs Sofa legen. Für diese Zeilen habe ich beispielsweise gerade Zeit, weil die Hummel bei mir auf dem Bauch schläft. Das nächtliche Aufwachen und frühe Aufstehen geht nicht ganz spurlos an uns vorbei, was mensch an unseren Augenringen gut sehen kann. Im Vergleich zu Erzählungen anderer Eltern gleichaltriger Kinder haben wir aber den Checkpott und das ist uns durchaus bewusst. Derzeit schläft sie übrigens generell mehr als früher. Gefühlt ist sie den ganzen Tag müde. Da wird wohl gerade viel verarbeitet in ihrem kleinen Kopf…


Es ist nun etwa drei Stunden später. Das Hannibaellchen ist mit der Hummel zur Babymassage. Da ist schon der letzte Termin heute. Ab nächster Woche gibt es also nur noch einen Wochentermin – den Pekipkurs, den wir nochmal verlängert haben. Irgendwann möchte ich mit der Hummel noch zum Babyschwimmen. Mal sehen wann wir das schaffen. Normalerweise arbeite ich um diese Zeit. Heute habe ich mir allerdings überstundenfrei genommen, denn heute von 14:00-19:00 Uhr und morgen ist wieder der erste Block meiner einmal im Semester stattfindende Lehrveranstaltung. Dafür muss ich noch einiges vorbereiten, z. B. werde ich noch ein paar Reserveversionen der heute benötigten Texte ausdrucken… Mensch kann schließlich nicht erwarten, dass erwachsene Menschen vorbereitet zu ihren Lehrveranstaltungen gehen und im Vorfeld die in einer Mail geschickten Dateien ausdruckt… Naja, ich glaube ich war nicht anders als Studentin, deshalb bin ich lieber leise an der Stelle ^^

Weiter im Hummel-Text:

Wir warten noch immer darauf, dass unser Hummelchen sich das erste Mal dreht. Sie versucht es öfter, hat aber den letzten Kniff noch nicht raus und plumst dann wieder zurück. Wir üben spielerisch mit ihr, aber machen uns keinen Druck. Sie wird es irgendwann von alleine machen. Nach wir vor ist sie nämlich eher ein auditiver Typ. Sie plappert was das Zeug hält und macht schon viele unterschiedliche Töne. In den Kursen redet sie mit Abstand am meisten und auch zuhause geht es in einer Tour.

Neujahr haben wir bei meinen Eltern verbracht. Hier in der Stadt klingt Silvester fast wie Krieg (immer her mit der Re-Traumatisierung von Kriegsgeflüchteten -.-) und das wollten wir der Hummel an ihrem ersten Silvester nicht antun. Auf dem Land war es ruhig und so hat sie den Jahreswechsel super verschlafen. Insgesamt waren wir fast eine ganze Woche dort und im Nachhinein war es einfach zu lang. Wir kamen gestresster wider nach Hause, als wir losgefahren sind und eigentlich wollten wir das Gegenteil erreichen. Die vielen neuen Menschen und die andere Umgebung hat die Hummel eben doch mehr angestrengt als gedacht. Das merken wir uns auf jeden Fall für die Zukunft.

Zuhause angekommen war vor allem ich sehr erschöpft. Das Verhältnis zwischen meinen Eltern und mir ist besser als es je war (wir haben schon ganz andere Zeiten durch), aber die lange Zeit bei ihnen war doch eine Zerreißprobe. Auch heute fühle ich mich noch nicht wieder fit. Ich habe leider derzeit das Gefühl alle meine Aufgaben wachsen mir über den Kopf (Dissertation, Erwerbsarbeit, Lehrveranstaltung, Hummelchen, Paarzeit, etc.). Da muss ich in den nächsten Wochen wieder eine Routine bekommen, sonst nimmt das kein gutes Ende. Das Hannibaellchen unterstützt mich selbstverständlich so sie nur kann. Irgendwie wird es weitergehen…

Der Hummel geht es zum Glück gerade wieder sehr gut. Wir hatten einige Wochen (um den Urlaub bei meinen Eltern herum) in denen irgendwie alles doof war. Vielleicht einer der berüchtigten Schübe – keine Ahnung. Jetzt ist es aber vorbei und seit einer Woche werden wir morgens wieder angelacht. Dann kann der Tag doch nur gut werden 🙂 Auch alleine spielen klappt nun immer besser. Sie hat angefangen sich gezielt für Spielsachen zu interessieren die sie nun von allen Seiten betrachtet und anfasst. Alles muss in den Mund, dort angekommen schmeckt es dann aber doch nicht ^^

Apropos schmecken: ein paar erste Versuche in Richtung Beikost haben wir auch schon unternommen. Dafür haben wir gebraucht einen Breizubereiter gekauft und um ihn auszuprobieren Karottenbrei hergestellt. Die Hummel hat den Löffel auch bereitwillig in den Mund genommen, fand den Inhalt aber wohl so eklig, dass sie erst das Gesicht verzog und dann losschrie wie am Spieß. Der Anblick war so lustig (typischer Kind-bekommt-Karotte-Blick), dass ich Loslachen musste und mich garnicht mehr beruhigen konnte. Ende vom Lied war, dass das Hannibaellchen zu uns eilen und die Hummel trösten musste, während ich mich von meinem Lachanfall beruhigte. Die nächsten Versuche z. B. mit Apfelschnitzen zum dran Lutschen waren da schon besser und gestern hat sie zwei Löffelchen Banane gegessen. Das fand sie ganz ok. Wir wollen sie nicht drängen und probieren es einfach nur alle paar Tage, um ihre Neugier ein wenig zu wecken. Wenn sie in vier Monaten immernoch lieber ihre Milch trinkt, ist und das auch egal. Ihr soll es schmecken, der Rest ist nicht wichtig.

Bezüglich der leiblichen Mutter gibt es übrigens nichts Neues – keine Umgangskontakte, keine Nachfragen. Nächste Woche kommt die zuständige Sozialpädagogin von der Pflegekinderstelle wieder vorbei. Da freuen wir uns drauf, auch wenn es nichts Aktuelles zu berichten gibt.

So, und nun beende ich an dieser Stelle den Text, auch wenn ich noch jede Menge mehr erzählen könnte. Ich muss aber endlich besagte Blätter ausrucken und außerdem könnte ich noch die Küche aufräumen bevor die beiden wieder heim kommen…

Also in diesem Sinne euch auch noch einen schönen Tag 🙂

Liebe Grüße!

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