Von B wie Babymassage bis W wie Weihnachten

Hallo ihr Lieben,

unser Leben 1.0 hält mich gerade ziemlich in Beschlag und wisst ihr was? Es fühlt sich echt gut an – meistens zumindest. Themen über die ich schreiben möchte habe ich aber eigentlich viele und nun ergibt sich doch einmal die Gelegenheit dazu:

Unser Hummelchen ist inzwischen Sage und Schreibe drei Monate und eine Woche alt. Die Zeit fliegt einfach so an uns vorbei. Jeden Tag steht irgendetwas anderes an und selbst unser Alltag ist vollgepackt. Manchmal ist es ziemlich stressig, meistens aber eher produktiv und irgendwie angenehm. Es läuft, würde ich mal sagen 🙂

Letzten Freitag war ich beispielsweise das erste mal mit der Hummel zur Babymassage. Wir haben ein kleines Familienzentrum nicht weit von uns und haben dort einen Pekip- (den macht das Hannibaellchen) und eben diesen Babymassagekurs gebucht. Beides hat letzte Woche gestartet. Während das Hannibaellchen fast jeden Tag einige Stunden mit der Hummel alleine ist, war das für mich das erste Mal, dass ich alleine mit ihr die Wohnung verlassen habe. Das hat sich erlich gesagt ganz schön komisch für mich angefühlt und ich habe zum ersten Mal ein bisschen erahnt, wie es sich anfülen muss stundenlang mit einem Baby alleine zu sein. Durch meinen Halbtagsjob bin ich sehr oft zuhause und so ist das Hannibaellchen häufig nur am Vormittag auf sich allein gestellt, dennoch schätze ich ihre Care-Arbeit sehr und bin froh darüber, dass sie es mir dadurch ermöglicht arbeiten zu gehen und an meiner Dissertation zu schreiben, aber zurück zum Thema. Die Babymassage war wirklich angenehm. Es fühlt sich gut an einfach als Mutter des Hummelchens wahrgenommen zu werden. In der Vorstellungsrunde habe ich dennoch mitgeteilt, dass sie ein Pflegekind ist. Mir ist es einfach wichtig über diesen Kanal zu informieren und an den vielen Nachfragen habe ich auch einmal wieder gemerkt, wie notwendig Aufklärung da ist. Die Babys im Kurs sind übrigens alle ziemlich genauso alt wie die Hummel, nur ein Baby ist erst zwei Monate. Im Vergleich zu diesem wurde mir bewusst wie viele alleine im letzten Monat passiert ist und wie schnell das Hummelchen sich entwickelt. Die Babymassage selbst fand sie übrigens ganz ok, interessanter waren aber all die anderen Babys, welche sie ganz aufgeregt angesehen hat. Die gesamte dreiviertel Stunde hat sie vor sich hin geplappert und damit alle Blicke auf sich gezogen. Mehr als einmal musste ich mir von den anderen Müttern diesbezüglich anhören, dass „Frauen eben viel reden“. Das Stereotypeding lauert eben überall…

Am Wochenende waren außerdem die Großeltern des Hummelchens, also meine Eltern zu Besuch. Vor allem mein Vater konnte es die letzten Tage kaum noch abwarten sein Enkelchen wieder zu sehen. Die beiden sind unendlich verliebt in sie und so müssen wir fast schon aufpassen, dass sie sie mit ihrer Liebe nicht überfordern. Das besondere an diesem Besuch war übrigens, dass wir am Abend gemeinsam ins Kino gegangen sind und zwar ohne unsere Hummel. Diese haben wir in guten Händen (bei einem eng befreundeten Pärchen) bei uns zuhause gelassen. Dieser erste babyfreie Abend hat noch besser funktioniert, als wir gedacht hätten. Die Hummel hat noch früher als sonst seelenruhig in ihrem Beistellbett geschlafen. Es tut gut zu wissen, dass es diese Option nun gibt und das Hannibaellchen und ich so auch ab und zu einen Abend zu zweit genießen können.

Leider beschäftigt mich das Pflegeeltern-Ding zur Zeit wieder mehr. Es gibt neue Informationen bezüglich der leiblichen Mutter. Von einem erneuten Gerichtstermin wurde nun zu Gunsten eines Erziehungsfähigkeitsgutachten abgesehen. Das heißt für uns also wieder Ungewissheit, wieder warten und irgendwann nächstes Jahr wohl auch Umgangskontakte. Schließlich  muss der*die Gutachter*in Erziehungsmomente sehen, um diese anschließend bewerten zu können. Mitte nächster Woche besucht uns außerdem die für uns zuständige Sozialpädagogin* vom Pflegekinderdienst mit ihrer derzeitigen Praktikantin*. Auf den Termin freue ich mich erlich gesagt schon. Die offiziellen Termine helfen mir immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück zu finden und mich nicht im Dschungel der Zweifel und Ängste zu verlieren. Von all diesen Stellen bekommen wir nämlich immer wieder das Feedback, dass es die Hummel sehr gut bei uns hat und es fast außer Frage steht, dass sie für immer bei uns bleiben wird. Bei der Terminvereinbarung wurden wir übrigens gefragt, ob besagte Praktikant* uns als Beispielfall für ihren Praktikumsbericht nutzten darf. Da stimmten wir gerne zu. Das Hannibaellchen und ich haben vor wenigen Jahren noch an der selben Hochschule im selben Studiengang studiert und nun stehen wir sozusagen auf der anderen Seite und sind Nutzerinnen* von Sozialer Arbeit. Das ist schon ein irgendwie komisches Gefühl, aber nicht unbedingt negativ.

Wir hatten bis jetzt fast im Zweiwochentakt Besuchstermine bezüglich der Pflege des Hummelchens. Die Vormündin, der ASD und die Pflegekindstelle gaben sich fast die Klinke in die Hand. Jeder dieser Termine ist für uns mit einigem Aufwand verbunden. Wir geben nämlich offen zu, dass wir vor jedem dieser Termine die Wohnung aufräumen. Nein, bei uns ist es bestimmt nicht unordentlicher als in vielen anderen Haushalten mit Baby, aber wir sind auf den guten Eindruck angewiesen und da ist es uns lieber einmal zu viel, als zu wenig geputzt zu haben. Wir haben als Pflegefamilie kein Recht auf den Verbleib des Hummelchens bei uns. Die Entscheidung darüber treffen andere und diese Anderen (namentlich das Familiengericht) entscheidet auf Grundlage von Empfehlungen und Gutachten. Unsere einzige Möglichkeit hierauf Einfluss zu nehmen, ist aufgrund von Sympathie und (nennen wir es einmal) guter Arbeit. In diesem Sinne wird das Wohnung-Putzen also zu etwas sehr Wichtigem für uns… und außerdem führt es dazu, dass es hier seit Wochen ordentlicher aussieht als je zuvor. Das hat ja auch was für sich.

Unser Familienalltag könnte übrigens besser nicht sein. Wir haben uns als Eltern-Team sehr gut eingespielt und bis jetzt kann ich weder über extreme Müdigkeit, noch über viel fehlende Freizeit klagen. Hier kommt selbstverständlich erneut unsere priveligierte Situation (3/4 des Tages sind wir zu zweit zu Hause) zu Tragen. Gegen 7:00 Uhr wacht unsere Hummel auf und das Hannibaellchen oder ich machen sie Tagfertig. Gegen 9:30 Uhr gehe ich zur Arbeit und das Hannibaellchen kümmert sich um die Hummel. Sollte es möglich sein, macht sie Erledigungen, arbeitet im Haushalt, geht Einkaufen oder Kocht für uns. Zwischen 13:00 – 15:00 Uhr komme ich aus der Arbeit nachhause. Wir kochen/essen gemeinsam, ich spiele/kuschel ein wenig mit der Hummel und setzte mich anschließend für ca. zwei Stunden an meine Dissertation. Bis 19:00 Uhr ist erneut Hummel-Zeit, dann wird sie bettfertig gemacht und eine von uns beiden legt sich mit ihr ins Bett bis sie eingeschlafen ist. Spätestens um 21:00 Uhr schläft sie tief und fest und das Hannibaellchen und ich haben noch ca. zwei Stunden für uns in denen ich beispielsweise im Moment sehr viel nähe, bevor auch wir schlafen gehen. Nachts wacht unsere Hummel durchschnittlich zwei Mal auf, dann bereite ich schnell eine Flasche vor und das Hannibaellchen füttert sie. Wir haben also im Moment sehr viele Rituale und gleiche Abläufe. Das tut uns allen aber sehr gut denke ich (und ich habe noch nie so ausdauernd und kontinuierlich an meiner Dissertation gearbeitet wie gerade im Moment).

Auch wenn ich mich selbst als absolute Atheisten bezeichnen würde, mag ich Weihnachten übrigens sehr. Ich mag die Stimmung, das Dekorieren, die Plätzchen, den Durft, das Einkuscheln und das Familiending. Seit dem Beginn unseres Kinderwunschweges freue ich mich auf das erste Weihnachten zu dritt und nun steht es kurz vor der Tür. Unsere Wohnung ist schon dekoriert und die erste Plätzchensorte gebacken. Seit bereits einigen Jahren feiern das Hannibaellchen und ich Weihnachten bei uns zuhause, bis jetzt meistens mit Freund*innen. Dieses Jahr kommen uns zum ersten Mal meine Eltern besuchen. Darauf freue ich mich schon sehr. Wir haben uns als Familie einen Fahrradanhänger gewünscht, damit wir nächstes Jahr mit dem Hummelchen Fahrradausflüge machen können und auch sonst einfach mobiler sind. Vor allem für das Hannibaellchen, das kein Auto fährt, wird das eine große Erleichterung sein in den Zeiten in denen ich arbeiten bin.

Wie ihr als treue Blogleser*innen ja bereits merkt, gehe ich derzeit außerdem ganz arg im Nähen von Babykleidung auf. Es macht mir riesigen Spaß so kleine Dinge zu nähen und sie der Hummel anschließend anzuziehen. Damit schlagen wir übrigens auch zwei Fliegen mit einer Klappe, denn einerseits ist es mein Hobby und macht mir dementsprechend einfach ganz viel Spaß und andererseits ist es uns so möglich dem Hummelchen einfach schöne und kindgerechte Babykleidung anzuziehen, ohne ständig nach genderneutralen Kleidungsstücken ausschau halten zu müssen. Hier stapeln sich die neuen Stampler und Oberteile, die ich euch gerne einmal hier zeigen würde, aber die Zeit fehlt mir einfach hinten und vorne. Als ich dem Hannibaellchen gesagt habe, dass ich den Abend nutzen werde, um etwas auf dem Blog zu schreiben, meinte sie aber, ich sollte lieber einen Alltagsbericht und keinen Nähbericht verfassen, schließlich wollen wir unseren Blog ja auch als Tagebuch nutzen.

An dieser Stelle mache ich aber einmal wieder Schluss. Es gäbe noch viel zu erzählen, aber das muss auf ein anderes Mal warten. Nun möchte ich noch ein paar Minuten der Zweisamkeit mit dem Hannibaellchen genießen, bevor wir unserer Tochter* im Schlafzimmer Gesellschaft leisten.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Nacht und liebe Grüße!

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2 Kommentare zu „Von B wie Babymassage bis W wie Weihnachten

  1. Hallo, ich möchte Euch nur mal gerne sagen, wieviel Freude mir Eure Geschichte bereitet. Ich bin hier nicht angemeldet, lese aber trotzdem mit 🙂 Als Ihr immer von den Kinderwunschbehandlungen berichtet habt, habe ich dermaßen mitgefiebert. Und ich habe mich unendlich gefreut, als Ihr dann endlich Eltern geworden seid!
    Ich bin auch Mama eines 1,5 Jahre alten Sohnes und weiß, was für ein Glück es ist, ein Kind haben zu dürfen.
    Alles, alles Liebe und Gute für Euch!

    Gefällt 1 Person

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