Der Anders-als-geplant-Strampler

Eigentlich hätte ich euch in den letzten Tagen schon längst einige neue Nähprojekte zeigen können, wenn nicht bei jedem Einzelen davon etwas schief gegangen wäre. Da Fehler aber zum Besser-werden dazu gehören, habe ich beschlossen euch dennoch an einem der verpfuschten Kleidungsstücke teilhaben zu lassen:

Ich habe vor ein paar Tagen bereits das zweite Mal den Kleiderschrank des Hummelchens aussortiert. Nun wächst unsere Tochter* zwar nicht ganz so rasend schnell, wie andere Kinder in ihrem Alter, aber die Kamotten in Größe 50 und sogar manche Teile in 56 mussten nun doch weichen. Leider sind damit auch sämtliche von mir so geliebten Strampler in den Keller gewandert. Kurzentschlossen setzte ich mich also an die Nähmaschine, um diesen Misstand zu beheben.

Besonders beliebt sind bei uns die Strampler mit Windelöffnung und Füßchen und genau so einer sollte nun in der Größe 62 entstehen. Dazu orientierte ich mich am „Superheld – Strampler mit Fuß“ aus dem Buch „Babyleicht – Nähen mit Jersey“ von Klimperklein (Pauline Dohmen). Dieser sieht leider keine Knopfleiste vor, weshalb ich noch ein wenig im Internet recherchierte, um das Schnittmusster dementsprechend abändern zu können. Auch das Vorderteil wollte ich anders als im Buch gestalten (ich finde es erlich gesagt immer komisch, wenn Bücher so genau vorgeben, welche Muster, Farben und Motive für die Kleidungsstücke verwendet werden sollen). Ich habe euch ja vor Kurzem das Nashorn-Shirt vom Hannibaellchen gezeigt. Von besagtem Stoff ist noch recht viel übrig und so entstand die Idee für ein Partner*innen-Kleidungsstück aus den gleichen Stoffen. Das T-Shirt des Hannibaellchens ist vorne auf Brusthöhe geteilt (oben Nashornstoff, unten Unifarben grau) und diese Aufteilung stellte ich mir auch für den neuen Strampler vor. Glücklicherweise fand ich in meiner Stoffrestekiste noch einen grauen Jerseystoff mit pfirsichfarbenen Punkten, welcher perfekt zu besagtem Nashornstoff passte. Leider reichte dieses Stückchen nur noch für den Unterteil der Vorderseite. Die Rückseite und die Inntenteile musste ich aus dem grauem Uni-Jersey nähen, welcher auch beim Hannibaellchen im Einsatz war, auch wenn ich diesen für ein Babykleidungsstück eigentlich zu dunkel finde. Als Akzentfarbe nutzte ich einen Jersey in Smaragd von Lillestoffe. Dieser Ton findet sich beim Nashornstoff bei den kleinen Blumen. Er kam in Form einer Paspel zwischen oberem und unterem Vorderteil, für die Belege der Knopfleiste zum Einsatz, als auch für die Beinbündchen zum Einsatz:

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Beinbündchen? Wollte ich nicht einen Strampler mit Fuß nähen? Tja, wollte/hätte/könnte… Nachdem ich das Vorderteil fertig genäht und mich über die wunderschön gelungene Paspel aus dem Jersey-Stoff gefreut hatte, machte ich mich an die Knopfleiste. Hierzu schnitt ich zwei gleich lange Streifen aus dem smaragdfarbenen Uni-Jersey (das gelingt mir mit dem Rollschneider und der Schneidmatte die ich eigentlich für meine Patworkprojekte gekauft habe immer sehr gut) und nähte diese anschließend mit dem Blindstichfuß Nr. 5 an die Beinöffnung von Vorder- und Rückseite. Durch das leichte Versetzen der Nadel nach links entsteht so eine perfekte Naht ganz nah an der Kante des Belegs. Am Vorderteil gelang mir das Ganze auch sehr gut, aber beim Hinterteil musste ich feststellen, dass am Ende des Belegs noch ganz viel Bein übrig blieb – der Beleg war zu kurz. Ich hatte die benötigte Beleglänge am Vorderteil ausgemessen und nicht bedacht, dass die Beine des Rückteils wegen der Füßchen ein gutes Stück länger sind. Damit begann meine Näh-Odyssee. Ich trennte also den gesammten Beleg wieder auf, verlängerte das Jerseystück (ich wollte es nicht wegwerfen und ganz neu machen) und nähte es erneut an. Anschließend wollte ich die Füßchen annähen. Normalerweise legt mensch die beiden Belege übereinander und näht nach Anleitung weiter als ob sie eins wären. Das war hier aber aufgrund der unterschiedlich langen Belege nicht möglich. Mehrmals versuchte ich eine saubere Lösung für mein Problem zu finden und genauso oft scheiterte ich. Von außen sah das Ergebnis jedes Mal wülstig und unschön aus und von innen war es zu dick und starr. Völlig frustriert legte ich den Strampler zur Seite.

Noch beim Einschlafen brütete ich über einer schönen Lösung für mein Problem. Einfach Hinschmeißen wollte ich nicht. Dafür sind mir die Stoffe zu schade und ich kenne mich. Wenn ich das einmal mache, mach ichs beim nächsten Mal wieder. Schweren Herzens fasste ich den Entschluss auf die Füßchen am Strampler zu verzichten. Am nächsten Abend schnitt ich die beiden unförmigen Klumpen am unteren Ende des Stramplers ab und nähte stattdessen zwei einfache Bündchen aus dem smaragfarbenen Jersey an, verband Innen- und Außenfutter, steppte das Ganze nochmal ab und brachte die Druckknöpfe an.

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Schlussendlich ist also tatsächlich noch ein tragbarer Strampler entstanden und ich habe viel gelernt. Selbst gemachte Jersey-Paspeln werde ich bestimmt noch öfter einsetzen und auch die Knopfleiste ist für einen ersten Versuch recht gut gelungen. Auch wenn ich einige Tage sehr unzufrieden mit der Nähaktion war, konnte mich das Ergebnis schlussendlich doch versöhnen.

Schnittmuster: „Superheld – Strampler mit Fuß“ aus dem Buch „Babyleicht – Nähen mit Jersey“ von Klimperklein (Pauline Dohmen)
Stoffe: Jerseystoff Nashorn (Herkunft unbekannt), smaragfarbener Uni-Jersey von Lillestoffe, grauer Jersey mit pfirsichfarbenen Punkten (Reststück geschenkt bekommen), graußer Uni-Jersey (Herkunft unbekannt)
Verlinkt in: Menschen(s)Kinder, SewMini, Kiddikram, NähzeitAmWochenende

Ein Kommentar zu „Der Anders-als-geplant-Strampler

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