Einmal alles neu bitte

Die kleine Hummel lebt nun sage und schreibe schon fast einen ganzen Monat fünf Wochen bei uns. Durch sie hat sich einfach alles verändert.

Wir sind Eltern. So ganz kam das bei uns noch nicht an. Klar, alles ist anders und wir meistern dieses >anders< bis jetzt auch sehr gut, aber dass das nun so bleiben wird, dass unsere Hummel gelandet ist und jetzt einfach da bleibt, haben wir noch nicht so ganz auf dem Schirm.

Das hängt (zumindest bei mir) sehr stark mit der unklaren Situation zusammen. Die hat sich nämlich leider noch nicht aufgelöst. Vorletzte Woche gab es einen Gerichtstermin, auf welchen wir ganz schön hingefiebert hatten. Wir selbst waren nicht geladen und saßen an diesem Tag somit auf heißen Kohlen, bis uns der Anruf unseres zuständigen ASD-Sachbearbeiters erlöste. Leider kam es jedoch zu keinem abschließenden Urteil. Die leibliche Mutter des Hummelchens möchte von ihrem Recht einen Anwalt/eine Anwältin zu beauftragen, gebrauch machen. Aus diesem Grund wird es nun eine Hauptverhandlung zu unserem Fall geben, welche in ca. eineinhalb Monaten stattfinden soll. Für uns heißt das leider weiter hoffen und bangen. Die leibliche Mutter möchte um die Hummel kämpfen. Das hat sie mit diesem Schritt deutlich gemacht. Auch wenn die Chancen weiterhin sehr gut für einen Verbleib bei uns stehen, fühlt es sich doch ziemlich doof an, weiterhin so in der Schwebe zu hängen. Jegliche Planungen in die Zukunft (aktuell: Buchen eines Babymassage-Kurses ab November) fühlen sich irgendwie seltsam an. Darauf verzichten kann und möchte ich aber auch nicht, denn die Angst sollte unser Leben nicht bestimmen. Das Hannibaellchen kann da viel entspannter mit der Situation umgehen. Vielleicht sollte ich mir eine Scheibe bei ihr Abschneiden…

Nun aber zum eigentlichen Thema:
Unser Leben hat sich verändert. Würde mich heute jemand Fragen, woran ich diese Veränderung am Deutlichsten merke, so würde ich antworten: „Das Leben findet nacheinander und weniger gemeinsam statt.“ Erst isst das Hannibaellchen und ich habe die Kleine, dann übergebe ich sie und esse selbst, oder: erst koche ich für uns und anschließend macht das Hannibaellchen die Wäsche. Gemeinsame Aufräum-Zeit, Essens-Zeit, Paar-Zeit, etc. ist selten.

Auch unser Abendritual hat sich selbstverständlich drastisch verändert. Früher mussten wir vor dem Zubett-Gehen lediglich unsere Tiere versorgen, uns Bettfertig machen und dann gab es eine Gute-Nacht-Geschichte für mich (diesen Teil des Rituals vermisse ich am meisten). Nun dreht sich alles um die Hummel. Sie wird bettfertig gemacht, die Fläschchen müssen für die Nacht vorbereitet und sie in den Schlaf begleitet werden. Leider wird unsere Kleine derzeit von den typischen 3-Monats-Koliken geplagt. Obwohl wir spätestens um 21:00 Uhr als Famlie im Bett liegen, ist an Schlafen vor Mitternacht kaum zu denken. Immer wieder schreckt unsere Hummel unvermittelt auf und schreit sich die Seele aus dem Leib bis der Bauchkrampf sich löst. Beruhigen lässt sie sich dabei ausschließlich auf dem Arm. Die Phasen zwischen den Weinattacken können dabei fünf Minuten, oder aber eine halbe Stunde dauern. Sämtliche Mittelchen (Bauchmassagen, SabSimplex, Kümmelzäpfchen, etc.) wirken leider nur bedingt. Irgendwann schläft die Kleine erschöpft ein und lässt sich dann auch in ihr Beistellbett legen. Meist wacht sie bereits eine Stunde später hungrig wieder auf, wobei nach kurzer Falschengabe schnell weitergeschlafen werden kann. Selbiges noch einmal um 05:00 Uhr.

PRO-TIPP FÜR FLASCHENELTERN:
Abends ein paar Fläschchen (in unserem Fall drei) mit kaltem, abgekochtem Wasser füllen und neben das Bett stellen; Pulver für drei Flaschen vorportionieren; Flaschenwärmer auf den Nachttisch stellen –> sollte Baby in der Nacht hunger haben, kann mensch das Wasserfläschen im Flaschenwärmer auf Themperatur bringen und dann mit dem Pulver mischen (geht alles im Dunkeln);
sehr sinnvoll ist auch die Anschaffung eines Wasserkochers, welcher neben 100 Grad auch auf andere Themperaturen erhitzbar ist, so kann am Abend 1l Wasser aufgekocht und am nächsten Morgen das abgekühlte Wasser erneut auf 40 Grad erhitzt werden

Das Hannibaellchen und ich teilen uns die Nächte. Wir werden sowieso beide wach und so beruhigt das Hannibaellchen die Hummel, wärend ich die Flasche vorbereite. Füttern übernimmt wiederum das Hannibaellchen. Ich versuche dann so schnell als möglich weiterzuschlafen. Dafür mache ich die Hummel am Morgen tagfertig und verbringe die erste Zeit mit ihr alleine, wodurch ich dem Hannibaellchen noch eine oder zwei Stunden erholsamen Schlaf gönne.

Tagsüber ist unsere Hummel übrigens ein richtiger Sonnenschein. Vor allem wenn Besuch da ist oder wir unterwegs sind, zeigt sie sich von ihrer besten Seite. Wir haben von Anfang an versucht aktiv zu bleiben und sind fast jeden Tag mit ihr unterwegs. Leztes Wochenende waren wir beispielsweise auf einer Hochzeit eingelasen und obwohl wir bereits nach dem Essen gingen, waren wir mit Fahrt ca. neun Stunden unterwegs. Durch MaxiCosi und Trage war das aber überhaupt kein Problem. Auch das Füttern und Wickeln außerhalb der eigenen vier Wände klappte von Anfang an sehr gut. Die von mir selbst genähte Wickeltasche besitzt eine ausklappbare Wickelunterlage, welche schon sehr oft im Einsatz war und wirklich Gold wert ist. Als etwas lästig empfinde ich das Vorbereiten der Pulvernahrung, da wir immer darauf achten müssen eine Thermosflasche mit abgekochtem Wasser und vorportioniertes Pulver dabei zu haben. Da stelle ich mir Stillen doch sehr viel praktischer vor…

Gesundheitlich geht es der Hummel soweit wir das beurteilen können sehr gut. Die Hebamme ist jedes Mal hellauf begeistert, wenn sie die Kleine sieht. Sie hatte an der Vulva bereits im Krankenhaus einen kleinen Pilzfleck, den wir gut bekämpft haben und auch die wunden Stellen am Hals sind komplett abgeheilt. Vor Kurzem entwickelte sich ein Nabel-Granulom bei ihr (eine gutartige Wucherung am Bauchnabel), welche die Hebamme verätzte. Auch das haben wir gut überstanden. Dennoch ist die Hummel immernoch ein eher schmächtiges Kind, wobei wir sie schon gut ins Futter gebracht haben. Inzwischen dürfte sie die 4000g-Grenze geknackt und damit über 1kg zugenommen haben. Schon früh konnte die Hummel ihren Kopf heben und vor zwei Wochen zeigte sie das erste Lachen. Seither bekommen wir das immer häufiger zu sehen. Der selbstgebaute Spielebogen (den ich euch bestimmt auch noch irgendwann zeige) ist manchmal auch schon ganz interessant und ab und zu hebt sie auch schon das Ärmchen um die Spielzeughummel die dort hängt anzustubsen. Gezielt Greifen tut sie zwar noch nicht, aber die Faust passt schon wunderbar in den Mund und wird dann von der Zunge vollständig begutachtet. Besonders interesant sind vor allem unsere beiden Katzen und natürlich wie beide. Mit Kuscheltieren kann sie noch nicht besonders viel anfangen. Ich bin jeden Tag aufs neue fasziniert davon, wie wach sie inzwischen ist und wie viel sie vom Geschehen um sie herum bereits wahrnimmt. Morgen steht endlich die U3 an und so sind wir natürlich sehr gespannt, wie unsere Kinderärztin ihre Fähigkeiten bewertet.

Eine große Erleichterung bescherte uns übrigens der TrippTrapp-Hochstuhl von Stokke, den wir uns zusammen mit dem NewBorn-Aufsatz gönnten. So können wir die Hummel nun un der Wohnung überall hin mitnehmen und sie kann uns beim Kochen (oder mir beim Nähen) zusehen. Einen Kinderwagen haben wir hingegen noch immer nicht und vermissen ihn auch (noch) nicht. Vielleicht ändert sich das, wenn die Hummel schwerer wird. Im Moment ist es allerdings so, dass ich jedes Mal, wenn ich mir denke, dass es praktisch wäre jetzt einen Kinderwagen dabei zu haben, darüber nachdenke, wie beschwerlich es gewesen wäre ihn überhaupt dahin zu bekommen (Treppen, Menschenmengen, etc.) und dann doch immer erleichtert bin, dass wir sie in der Trage dabei haben. Vor zwei Tagen habe ich den Kleiderschrank der Hummel das erste Mal aussortiert, denn die meisten Kleidungsstücke in Größe 50 passen inzwischen nicht mehr. Die 56 sitzt inzwischen perfekt, was mich sehr freut, denn wir haben einige wunderschöne Kleidungsstücke in dieser Größe.

Besonders schön ist gerade die Vorstellung, dass wir die nächsten 31 Tage als Familie gemeinsam verbringen können, denn der Oktober ist mein Elternzeit-Monat. Die letzten zwei Wochen war ich wieder arbeiten und das hat schon sehr an meinen Kräften gezerrt. Außerdem vermisste ich meine kleine Familie sehr wenn ich nicht zuhause war. Wir haben schon viel vor in den nächsten Wochen und ich freue mich auf jeden einzelnen Tag davon.

Ganz ungewohnt ist es für mich Blogeinträge als Entwurf zu speichern und länger als einen Tag zu benötigen ihn zu schreiben. Tja, mit Kind sucht mensch sich eben nicht mehr selbst aus, wann die Zeit gekommen ist den Laptop zur Seite zu legen 😉 Ich hoffe ihr verzeiht mir die kleine Verspätung mit welcher dieser Artikel also Online kam.

Ein Kommentar zu „Einmal alles neu bitte

  1. Stimmt, beim Stillen muss nicht viel vorbereitet werden. Aber auch die Zubereitung der Flaschennahrung geht ja recht zügig. Wir haben das noch etwas anders gemacht, nämlich das Pulver in die Flaschen gefüllt und abgekochtes, warmes Wasser und gegebenenfalls noch abgekochtes, kaltes Wasser in (Thermos-)Flaschen bereitgestellt. Dann einfach aufgießen und fertig.
    Viele Grüße! Tina

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