Eine Rose-Revolution-Story ohne Geburtserfahrung

Hallo ihr Lieben ,

heute lassen wir es eher ruhig angehen und so habe ich nun ein bisschen Zeit, von den ersten 24 Stunden mit dem Hummelchen zu berichten:

Am Mittwoch, den 29. August lernten wir sie im Krankenhaus kennen. Das Hannibaellchen und ich waren, trotz langer Autofahrt und unzähligen Umleitungen und Baustellen zu früh und mussten denn noch eine Zeit lang auf die Vormündin und den zuständigen ASD-Sachbearbeiter warten. Als diese dann um ca. 13:30 Uhr eintrafen, gab es erst einmal ein kurzes Update zum derzeitigen Stand. Anschließend suchten wir im recht großen Kinderkrankenhaus die richtige Station und traten ein. Wir wurden gleich von einer Pflegerin* in das Zimmer des Hummelchens geführt und dann standen wir da zu fünft oder zu sechst in einem relativ großen Raum, der fast komplett leer wirkte. An einer Wand gab es eine Arbeitsplatte mit Wickelunterlage und großem Waschbecken, auf der anderen einen großen Schrank und jede Menge Geräte (es erinnerte fast an eine Intensivstation) und mitten im Raum stand ein Liegestuhl und… ja und ein winzigkleines Beistellbett (vielleicht 30x50cm) mit einem Baby darin. Die Situation war komisch. Ich blickte dieses kleine Wesen an und fühlte mich überfordert. Ich weiß erlich gesagt nicht mehr, was ich genau in diesem Moment dachte. Ich glaube, ich war einfach nur sehr aufgeregt. Die Pflegerin* fragte dann, ob wir sie auf den Arm nehmen wollten. Das Hannibaellchen ließ mir den Vortritt und kurze Zeit später saß ich auf besagtem Liegestuhl und mir wurde dieses kleine Bündel auf die Brust gelegt. Sie regte sich kurz und schlief gleich weiter. Was anschließend besprochen wurde, weiß ich auch nicht mehr so genau. Ich erinnere mich nur noch daran, dass die Vormündin und der ASD-Mitarbeiter tacktvoll behaupteten, sie müssten noch etwas klären und für ca. eine halbe Stunde aus dem Zimmer verschwanden. Das Hannibaellchen setzte sich auf einem Stuhl (der kurz zuvor noch gebracht worden war) ganz nah zu uns und wir verarbeiteten all die Eindrücke. Die Hummel war winzig (sie hatte zu diesem Zeitpunkt knappe 3000g) und viele viele Haare. Ich traute mich kaum sie zu berühren aus Angst, sie könnte aufwachen. Nach einiger Zeit kamen die Vormündin und der ASDler zurück. Die Vormündin sprach nun da wir ungestört von Ärzt*inne und Pfleger*innen ein Thema an, das auch mich getroffen hatte. Der Anblick eines einzelnen kleinen Babys in diesem großen Raum, lediglich mit einer Diode am Fuß, welche ausschlug, wenn die Hummel zuckte, war für mich nicht leicht zu ertragen gewesen. Sie wirkte auf mich so einsam und ungeliebt. Auch die Vormündin hatte diesen Eindruck. Sie war sehr schockiert von den Zuständen, schließlich wartete die Hummel zu diesem Zeitpunkt bereits seit zwei Wochen darauf abgeholt zu werden. Immer wieder erzählte die Vormündin, dass sie bereits einige ähnliche Fälle mitbetreut hätte und die Babys immer zumindest im Pfleger*innenzimmer geschlafen hätten, um etwas Action um sich herum zu haben. Man konnte der Vormündin deutlich anmerken wie froh sie war, dass die Kleine* nun zu uns konnte, weshalb sie uns immer wieder ermahte, dass wir nun sehr viele Kuscheleinheiten aufzuholen hätten. Anschließend folgte ein Gespräch mit dem Oberarzt und die Übergabe aller für uns wichtigen Dokumente (z.B.: Geburtsurkunde und Pflegevollmacht). Anschließend fand noch ein sehr langes Gespräch mit einem etwas übereifrigen Assistenzarzt statt (er wollte immer wieder sichergehen, dass die Situation rechtens ist, so als hätte er Angst, gerade Zeuge einer Kindesentführung zu werden ^^).

Um ca. 15:00 Uhr verabschiedeten sich Vormündin und ASDler mit den Worten: „Dann lassen wir Sie und ihre Tochter* mal alleine!“, und dann waren wir auch alleine und zwar leider mehr als uns lieb war. Uns wurde ja im Vorfeld von der Klinik angeboten, dass wir eine Nacht im Krankenhaus verbringen könnten, um das Hummelchen kennenzulernen und den Umgang mit ihr zu üben. Das Angebot nahmen wir gerne an, aber im Nachhinein hatten wir uns darunter leider etwas anderes vorgestellt. Es wirkte fast so, als hätten sämtliche Pfleger*innen und Ärzt*innen mit dem Verlassen des ASD-Sachbearbeiters jegliches Interesse an uns verloren. Wir saßen also in Hummelchens Raum. Nach wie vor gab es dort nur dieses winzige Beistellbett und (inzwischen zumindest zwei) Stühle – kein Bett, kein Nachttisch. Irgendwann hieß es, dass es Zeit wäre der Hummel das Fläschchen zu geben. Dieses wurde uns in die Hand gedrückt, kurz gezeigt wie wir sie beim füttern zu halten hätten, und dann waren wir wieder alleine. Ich fühlte mich unwohl, wollte raus aus dem Zimmer, aber wusste nicht wie. Wenn wir uns unsicher waren, was das Handling der Hummel anging, oder eine Frage hatten, klingelten wir. Die Pfleger*innen kamen und gaben knappe, unfreundliche Antworten. So gegen 17:00 Uhr saßen wir immernoch in diesem Raum und bekamen langsam Hunger. Ich wagte es also das Zimmer zu verlassen und in der Pfleger*innenstation nachzufragen, ob wir etwas zum Abendessen bekommen würden (ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt aus lauter Nervosität noch nichts gegessen). Sehr unwirsch wurden wir darauf hingewiesen, dass es einen Essensraum um die Ecke gäbe und dort vermutlich auch etwas auf den Namen des Hummelchens reserviert sei. Wir könnten es uns einfach nehmen. Wir gingen also mit der Kleinen zusammen in besagten Raum, nur um festzustellen, dass es selbstverständlich nur Graubrot mit Wurst und einer Essiggurke gab. Mein Magen blieb also nach wie vor leer (vegetarisch und so). Zumindest wurde uns erlaubt mit dem Hummelchen nach draußen zu gehen, wofür uns auch ein (extrem bescheidener) Kinderwagen zur Verfügung gestellt wurde. (Die Pflegerin* wirkte sehr negativ irritiert, als wir ihr mitteilten, dass wir keinen Kinderwagen, sondern nur einen MaxiCosi dabei hätten).

Wir flüchteten also regelrecht aus dem Zimmer und gingen draußen ein wenig spazieren. Zu dieser Zeit erhielten wir auch Besuch von meinen Eltern. Eigentlich war es ein doofer Zeitpunkt, schließlich kannten wir die Kleine selbst erst seit ein paar Stunden, aber da meine Eltern nicht weit entfernt wohnten und am nächsten Tag in den Urlaub fuhren, ließen wir uns auf den Besuch ein. Meine Mutter brachte der Hummel eine Schnullerkette, selbstverständlich ebenfalls mit Hummel, mit. Diese könnt ihr auf dem Foto zwei Beiträge früher bewundern. Der stolze Opa konnte den Blick kaum von unserem kleinen Wunder lösen und so verbrachten wir zwei schöne Stunden erst draußen und dann in der Klinik-Pizzaria (hier gab es endlich etwas zu Essen – Pizza mit Ruccula und Parmesan – für mich). Dann verabschiedeten sich meine Eltern auch schon wieder und wir gingen zurück auf die Station. Dort wurde uns mitgeteilt, dass wir inzwischen umquartiert wurden. Unsere gesamten Sachen standen nun in einem anderen Raum, zusammen mit einem Bett. Auf Nachfrage hin, erfuhren wir, dass es sich bei dem großen Schrank an einer Wände um ein Klappbett handelte, welches wir anschließend selbst aufklappen und beziehen mussten. Zu dieser Gelegenheit wurde uns auch das Wickeln einmal gezeigt, bevor wir wieder mit der Hummel alleine waren.

Die Stunden vergingen zwischen Füttern und Kuscheln, aber die Kleine fand nicht in den Schlaf. Uns wurde bis zu diesem Zeitpunkt noch kein einziges Mal etwas zu unserem Baby erzählt – nicht wie viel sie normalerweise trank, nicht wann oder wie lang sie schlief, nicht ob sie häufiger Bauchschmerzen hat. Wir trauten uns aber auch nicht ständig zu klingeln und nachzufragen, hatten wir bis jetzt doch immer sehr kurz angebundene und unfreundliche Antworten erhalten. Um ca. 23:30 Uhr wussten wir einfach nicht mehr weiter und wir klingelten doch. Die Nachtpflegerin*, die wir bisher noch nicht kennengelernt hatten, kam und erzählte uns ENDLICH ein bisschen über unsere Hummel. Die Kleine sei sehr anhänglich und genieße jeden Körperkontakt, sie weine häufig, wenn man sie ablege und wir sollten uns überlegen, ob wir sie nicht tragen wollen (was wir selbstverständlich sowieso vorhatten). Uns wurde gezeigt, wie wir sie pucken können und welche Beruhigungsmethoden bei ihr immer gut funktionierten. Innerhalb weniger Minuten schlief die Maus. Diese Pflegerin* war die erste, die auf unsere spezielle Situation einging. Zum ersten Mal fühlten wir uns gut aufgehoben.

In der Nacht wachte die Hummel dann um 01:00 Uhr und um 04:00 Uhr auf (Zeiten, zu denen sie auch jetzt noch regelmäßig aufwacht). Beide Male trank sie jedoch sehr schlecht und wir machten uns Sorgen. Eine Nachfrage in diese Richtung am nächsten Morgen wurde leider erneut abgeschmettert. Wir erhielten lediglich ein neues Fläschchen und wurden noch nicht einmal danach gefragt, wie die letzte Nacht für uns gewesen sei. Ernüchtert und in der Hoffnung bald nach Hause fahren zu dürfen, gingen wir zusammen mit der Hummel ins Frühstückszimmer. Leider entsprach das Frühstück wieder nicht meinen Ess-Bedürfnissen und so blieb der Magen leer. Das Hannibaellchen ging dann los um uns zwei Tassen Tee aus der Teeküche zu holen. In diesem Moment kam eine Pflegerin zu mir in den Frühstücksraum und erklärte, Babys dürften hier aus hygienischen Gründen nicht hinein. Ohne zu fragen, ob mir das Recht sei, nahm sie die Kleine mit und meinte noch, dass wir sie wieder abholen könnten, wenn wir in Ruhe gefrühstückt hätten. Ich fühlte mich in diesem Moment komplett überfahren. Auch wenn ich die ein oder andere Vorschrift in Krankenhäusern nicht verstehe, bin ich gewillt sie einzuhalten und hätte den Raum selbstverständlich mit der Hummel verlassen. Diese Selbstsicherheit und Rigorosität mit welcher besagte Pflegerin* jedoch die Hummel – unsere Tochter – einfach mitnahm, machte mir in diesem Moment sehr zu schaffen. Schnell beendeten wir gemeinsam unser „Früchstück“ und holten das Hummelchen wieder ab, um die nächsten Stunden wieder gemeinsam auf dem Zimmer zu verbringen. Hier wurde uns dann auch in einer 10-Minuten-Aktion gezeigt, wie man Babys badet (das Hummelchen schrie dabei fast die ganze Zeit) und wir füllten noch einige Formulare aus, welche ich anschließend an der Rezeption abgeben wollte. Hier wurde ich dann danach gefragt, wer denn die Bezugspflegerin* für das Hummelchen sei. Eine Frage, die ich nicht beantworten konnte, denn besagte „Bezugspflegerin“ hatte sich uns weder so vorgestellt noch in irgendeiner Weise gezeigt, dass sie sich für das Hummelchen verantwortlich fühlte.

Ihr glaubt garnicht wie froh wir waren, als gegen 11:00 Uhr der Oberarzt* zur letzten Untersuchung in das Zimmer kam und wir sie dann für die Abfahrt fertigmachen durften. Bei der Gelegenheit wurde uns dann auch mitgeteilt, dass wir unsere Betten selbst abzuziehen hätten (wir sind übrigens Selbstzahler*innen und haben 40€ pro Nacht pro Person für das Zimmer gezahlt ^^). Leider mussten wir dann doch noch relativ lange auf den Assistenzarzt* warten, welcher und abschließende Instruktionen gab. Gegen Mittag verließen wir erleichtert das Krankenhaus. Wir werden die Zeit dort bestimmt nicht vermissen. Zwar war es schon sinnvoll gezeigt zu bekommen, wie grundlegende Pflegeaktivitäten wie Wickeln und Fläschen-geben funktionieren, aber im Endeffekt gingen wir verunsicherter, als wir kamen. Uns wurde permanent das Gefühl vermittelt zu „doof“ für alles zu sein und auch die Bevormundung von der einige Frauen* während ihrer Entbindungssituationen berichteten, haben wir (selbstverständlich in weitaus kleinerem Rahmen) erlebt. Ich möchte mir nicht ausmalen wie viel schrecklicher die Klinikerlebnisse bei und nach einer Geburt sein können, wenn frau* selbst psychisch und physisch angeschlagen ist und nicht wie wir vollkommen fit und gesund. Es ist wirklich traurig, dass gerade an vermeintlich sicheren Orten (wie Kliniken) und von vermeintlich hilfsbereiten Menschen (Ärzt*innen, Hebammen/Geburtshelfer, Pfleger*innen) solche Äußerungen und Handlungen getätigt werden. Es ist schade, dass es so etwas wie den Roses-Revolution-Day geben muss…

Die dreistündige Heimfahrt verlief übrigens vollsätndig ohne Zwischenfall. Ich hatte mir im Vorfeld bereits die Horrorszenarien ausgemalt (mit mindestens dreimal an der Autobahn halten – Fläschchengeben, Wickeln und Dauerschreien). Tatsächlich hat die Hummel einfach geschlafen und zwar vom Verlassen der Klinik bis zum Ortsschild hier. Seit Donnerstagnachmittag sind wir nun Zuhause. Ja, es ist anstrengend, aber es ist auch entspannt und schön und kuschelig. Wir fühlen uns sicher und geborgen… nicht so wie in der Klinik.

3 Kommentare zu „Eine Rose-Revolution-Story ohne Geburtserfahrung

  1. Sooo schön zu lesen auch wenn ich das mit der klinik voll nachvollziehen kann. Am 29. Kam.ja unsere kleine maus zur welt und wir haben auch am 30. auf eigenen wunsch die klinik verlassen, weil alles andere einfach nur anstrengend für uns war – trotz nettem pflegepersonal.

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