Mission Wickeltasche

Hier werde ich euch mein größtes Nähprojekt vorstellen, das ich bis jetzt verwirklicht habe – mein Größtes, aber auch mein Schönstes und vielleicht mein Praktischstes:

Schon vor Monaten setzte ich mich mit dem Thema „Wickeltasche“ auseinander. Online gibt es eine riesige Auswahl die vom Design „Moderne 1000€-Frauentasche“ bis hin zum „Rosa-Rüschen-Albtraum“ alles abdeckt. Manche sind klein und als Taschen-Tasche konzipiert (nur für Windel, Feuchttücher und Creme), andere riesig und beinhalten Fächer für jedes nur erdenkliche Accessoire von Baby und Care-Mensch. Beides hat Vor- und Nachteile die sich jede*r von euch schnell selbst zusammenreihmen kann. Wir entschieden uns dafür, nach einer großen Variante zu suchen, weil wir die Idee praktisch fanden für einen Ausflug mit dem Hummelchen einfach die ständig gepackte Wickeltasche zu greifen und so Wickelutensilien, Wechselklamotten, etc. immer griffbereit zu haben. Nuns sind das Hannibaellchen und ich eher die Rücksack-Trägerinnen*. Auch ich, die femininere von uns beiden, besitze keine einzige Handtasche und so erschien uns die Anschaffung eines Wickelrucksacks passend. Leider gibt das WWW bei Wickelrucksäcken nicht viel her. Es gibt schon welche, die sind aber entweder super-teuer oder super-unpraktisch, oder beides. Rucksäcke sind tiefer als Taschen. Das heißt, dass der Inhalt des Rucksacks gestapelt werden muss und somit nicht alles auf einen Griff zu erreichen ist. Die Vorstellung den halben Rucksack ausräumen zu müssen, nur um an ein Moltontuch zu gelangen, schreckte uns schnell ab. Außerdem entwickelte sich in meinem Hinterkopf langsam der Gedanke, dass ich die Wickeltasche für unser Hummelchen auch selbst nähen könnte. Ich habe noch nie aufwändigere Taschen genäht, aber ich hatte Lust auf die Herausfoderung und der Gedanke an eine richtige Hummel-Tasche genau nach unseren Vorstellungen gefiel mir. Leider musste ich nach kurzer Recherche feststellen, dass es fast keine Schnittmuster für Wickelrucksäcke gibt und die wenigen, welche ich fand eher so solala waren. Schnittmuster für Wickeltaschen gibt es hingegen wie Sand am Meer.

Schnell stieß ich auf den Alleskönner von Farbenmix, der nicht nur mich sofort begeisterte, sondern auch sonst sehr viele Fans in der Näh-Blogger*innen-Welt zu haben schien. Die Tasche ist nach dem Baukastenprinzip konzipiert. Es gibt ein Grundmodell, welches in unterschiedliche Richtungen beliebig erweiterbar ist. Der Alleskönner ist dabei keine ausschließliche Wickeltasche, sondern kann auch als ganz normale Tasche für unterschiedliche Anlässe genutzt und so auch über den Einsatz als Wickeltasche hinaus Verwendung finden. Die Tasche versprach viel Platz, Ordnung und sinnvolle Erweiterungen, wie eine anknöpfbare Wickelunterlage. So gut wie jeder Blogeintrag zum Alleskönner ging jedoch darauf ein, wie zeitaufwändig das Nähen der Tasche sei. Mensch benötigt sehr viele Materialen (Ösen, Ringe, Stoffe, etc.) und muss diese anschließend Teil für Teil zusammensetzen. Ich studierte die online verfügbaren PDF-Nähanleitungen und verstand kein Wort. Dennoch merkte ich, wie meine Lust auf dieses Mammutprojekt wuchs. Irgendwann stand der Entschluss fest: Ich werde den Alleskönner nähen!

Sogleich stürzte ich mich in die Stoffauswahl. Einige der Beispieltaschen hatten als Außenstoff einen wunderschönen grauen gesteppten Stoff. Der „Taschenstoff Moskau“ ist direkt von Farbenmix, außerdem ist er nicht teuer und lässt sich mit so gut wie allen Farben kombinieren. Schon vor einem halben Jahr bestellte ich davon zwei Meter, zusammen mit jede Menge Karabinerhaken, D-Ringen, Schnallen, Druckerband, Stylefix, etc. Schwerer gestaltete sich die Suche nach einem geeigneten Kontraststoff. Das Thema der Tasche war schon von Anfang an klar – Hummeln. Hummelstoffe gibt es nicht, aber zumindest einige mit Bienen. Leider wurden wir nicht fündig. Die meisten Bienenstoffe waren entweder zu realistisch (und wir wollten dicke, pummelige Bienen), hatten die falsche Grundfarbe, oder waren aus Jersey. Eher unzufrieden bestellte ich irgendwann einen grob gewebten Leinenstoff in Naturfarben, bei welchem uns zumindest die abgebildeten Bienen gefielen. Leider finde ich den Stoff online nicht mehr und kann ihn euch deshalb nicht verlinken. Wenige Tage später kamen die Materialien an – und verschwanden im Schrank. Ich traute mich nicht mit einer Tasche für ein Menschlein zu beginnen, welches noch nicht einmal in meinem Bauch existierte. So vergingen also einige Monate…

Kurz nach dem Hausbesuch durch den Pflegekinderdienst kramte ich das Schnittmuster erneut hervor. Nun da klar war, dass irgendwann bald eine kleine Hummel hier einziehen würde, wollte ich endlich mit meinem Großprojekt beginnen. Ich studierte erneut die Anleitung und stellte fest, dass noch einige Materialien für die Tasche fehlten. Kurzerhand bestellte ich Webbänder, Gurtband und Wachtuch in gelb mit weißen Punkten. Nach und nach trudelten die Pakete ein und ich konnte endlich mit meinem Herzensprojekt beginnen:

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Wie bereits erwähnt, wird die Tasche im Baukastenprinzip genäht. Das Grundmodell ist schlicht und hat keinerlei zusätzliche Taschen. Sie kann kombiniert werden mit einem Gummizugfach auf der einen und einem Wickelunterlagenfach auf der anderen Seite, mit Trennwänden innen und mit zwei unterschiedlichen Seitentaschen (z.B.: für Flaschen). Ich entschied mich dazu alle möglichen Erweiterungen zu nähen – mensch gönnt sich ja sonst nix ^^. Ich startete mit dem Gummizugfach. Das fertige Fach ist schlussendlich eine der beiden Außenseiten der Taschen. Die Klappe besitzt noch ein eigenes Reißverschlussfach, in welches z.B.: das U-Heft perfekt Platz findet.

Ich muss gestehen, dass ich vom Ergebnis ziemlich begeistert war. Ich hatte nicht nur die Anleitung recht gut verstanden, das Ergebnis sah auch noch richtig schön aus. Das Nähen mit meiner neuen BERNINA-Nähmaschine machte sehr viel Spaß. Vor allem das Einfassen der Webbänder mit einem Zierstich der Maschine gelang sehr gut.

Derart motiviert machte ich mich an das Wickelunterlagenfach. Mir war schon von IMG_20180819_134501Anfang an klar, dass es sich dabei um den schwersten Teil der Tasche handeln würde. Das Fach besitzt einen Reißverschluss, der es möglich macht die Tasche an drei Seiten zu öffnen. Wenn die Tasche auf dem Boden steht lässt sie sich also wie ein L aufklappen. Anschließend kann unten ( _ ) eine Wickelunterlage angeknöpft werden und oben ( l ) ist ein Fach für Windeln, Feuchttücher, etc.

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Auch diese Seite der Tasche gefällt mir gut. Sie ist nicht zu verspielt (meine Frau* bestand darauf, dass ich keine Spitze verwende), die Farbkombination aus grau und honiggelb finde ich nach wie vor wunderschön. Außerdem habe ich das Schnittmuster ein wenig abgewandelt und im _-Bereich des Faches noch ein Reißverschlussfach angebracht, in welchem die Wickelauflage verschwinden kann, wenn sie nicht gebraucht wird. Der Reißverschluss brachte mich allerdings fast zur Verzweiflung. Die Ecken sind wirkliche Fleißarbeit. Als ich dann endlich fertig war, kam schnell die Ernüchterung – die Tasche ließ sich nicht öffnen. Ich hatte den Reißverschluss ausversehen an einigen Stellen mit eingenäht. Teilweise Auftrennen – neu nähen. Der Reißverschluss ist an manchen Stellen noch immer hakelig. Ich hoffe, das gibt sich mit der Zeit, denn diese Schei*-Arbeit mach ich nicht nochmal!

Im nächsten Schritt nähte ich die Wickelunterlage, von der ich leider gerade kein Bild parat habe. Sie ist rechteckig, gefüttert und auf der einen Seite durch das Wachstuch abwischbar. Ich nähte das erste Mal mit Wachstuch und leider wirft dieses an der ein oder anderen Stelle kleine Falten. Est wollte ich die gesamte Unterlage neu nähen, dann erhielten wir jedoch den Anruf, dass wir schon sehr bald Eltern werden würden und so beeilte ich mich erst einmal die Tasche gesamt fertig zu nähen und beschloss die Wickelunterlage irgendwann noch einmal zu nähen. Das war die richtige Entscheidung, wie ich ein paar Tage später feststellen musste, denn das Wachstuch, welches ich noch an anderer Stelle benötigte, hätte nicht mehr für eine zweite Unterlage gereicht.

Als nächstes nähte ich also in Windeseile die beiden Seitentaschen. Ich hatte mich für zwei Flaschentaschen entschieden, da wir unser Hummelchen mit der Flasche ernähren müssen und hierzu immer eine Thermoskanne, Flaschen und Pulver dabei haben müssen. Die Seitentaschen bereiteten mir keine großen Probleme. Auch die Taschenunterteilungen für innen ließen sich recht leicht nähen und so konnte ich die Tasche am Abend bevor wir das Hummelchen aus dem Krankenhaus holten tatsächlich zusammensetzen. Vor diesem Schritt hatte ich schon recht lange Respekt. Ich wusste schließlich, wie viele Lagen Stoff ich bereits vernäht hatte. Allein das Seitenteil hatte ich neun Mal aus unterschiedlichen Stoffen ausgeschnitten. Mit meiner alten Nähmaschine wäre das Nähen auch wirklich unmöglich gewesen. Tiff (meine BERNINA-Maschine) meisterte die Nähte mit Auch und Krach und mehr schief als gerade (was aber eher an mir als an der Maschine lag). Zum Glück sah mensch all die unschönen Ecken beim Wenden nicht mehr und so kann ich heute eine meiner Meinung nach wirklich wunderschöne Wickeltasche mit allen Extras präsentieren. Noch kam sie wenig zum Einsatz, das wird sich aber bestimmt bald ändern!

Hier seht ihr noch einmal die Seitenansicht des Wickelfaches:

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So sehen die Taschenunterteilungen innen aus. Diese können jeder Zeit entfernt, bzw. an anderer Stelle in der Tasche angeklippt werden:

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IMG_20180828_210946Und hier nochmal ein (unscharfes) Tragebild von der Seite mit dem Gummizugfach. Hier kann mensch auch die beiden Flaschentaschen an den Seiten in Bienenstoff gut erkennen.

 

 

 

 

Ich freue mich wirklich, dass ich die Tasche tatsächlich noch vor dem Einzug unseres Hummelchens beenden konnte und sie doch ziemlich genau meinen Vorstellungen entspricht. Sie ist praktisch und schön geworden und wir sind beide sehr glücklich mit ihr.

Stoffe:
Taschenstoff Moskau von Farbenmix
Leinenstoff Natur mit Bienen (wohl nicht mehr verfügbar)
Wachstuch in gelb mit weißen Punkten

Schnittmuster:
Alleskönner von Farbenmix

Linked:
Menschen(s)kinder

 

 

4 Kommentare zu „Mission Wickeltasche

  1. Mensch, die Tasche ist wirklich toll. Ich habe für Taschen so wenig Geduld, weil sie ungenaue Nahtzugaben nicht verzeihen und ich dann oft frustriert vor kleinen Falten und großem Versatz sitze. Schön, dass sich die Arbeit bei dir so gelohnt hat!
    Viele Grüße, Meike

    Gefällt 1 Person

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