Frau freut sich – Wie aus einem Stoffladengutschein eine neue Nähmaschine wurde

Hallo ihr Lieben,

dieser Blogeintrag ist für mich in mehrerlei Hinsicht etwas Besonderes für mich:

Zum einen, weil er zur Abwechslung nicht mit unserem Kinderwunsch und den damit verbundenen aktuellen Rückschlägen in Zusammenhang steht, sondern einen Teil meines Lebens abdeckt, der mich zur Zeit sehr erfüllt; Zum Anderen, weil ich zum ersten Mal in meiner Bloggerinnen-Karriere (und die feierte vor Kurzem still und heimlich ein trauriges, zweites Jubiläum) an einer Link-Party teilnehmen kann. Bei der Link-Party Frau-freut-sich können zwischen dem 15. und dem 20. jeden Monats selbst gemachte Frauen*kleidungsstücke präsentiert werden. Einzige Einschränkung: Die Klamotten dürfen nicht in kommerziellem Rahmen entstanden sein (sei es z.B. für ein Probenähen, oder für einen eigenen Shop, etc.). Ins Leben gerufen wurde diese tolle Link-Party von der Autorin des wundervollen Blogs Grüner Nähen – Bunter Leben. Dieser hat mich schon in vielerei Hinsicht inspiriert und zum Nachdenken gebracht. Dafür (und für die tolle Link-Party) hier ein großes Dankeschön von meiner Seite!

Die Geschichte dieses Blogeintrags beginnt genau genommen bereits im Mai und ist auch etwas länger, als das bei anderen Näh-Blogeinträgen der Fall ist. Ende Mai feierte ich nämlich meinen 26. Geburtstag. In meinem Team ist es üblich, dass die Geburtstagskinder etwas Leckeres in die nächste Teamsitzung mitbringen, ein Lied gesungen wird und ein individuelles Geschenk bekommen. Aufgrund einiger Terminschwierigkeiten erfüllte ich erst einen Monat später meines „Essens-Sold“ und erhielt so vor ca drei Wochen noch ein verspätetes Geburtstagsgeschenk. Es handelte sich (selbstverständlich vooooollkoooommen unerwartet) um einen Gutschein für ein Stoffgeschäft – 40€ zu meiner eigenen freien Verfügung. Schon wenige Tage später stand ich in besagtem Laden und schwelgte zwischen Jersey, Jeans und Baumwolle. In den letzten Wochen hatte ich hauptsächlich an Patchwork-Projekten gearbeitet, weshalb ich schon im Vorfeld beschlossen hatte dieses Mal Stoff für ein Kleidungsstück zu kaufen. Ich schlenderte also durch die Reihen mit Meterware und ließ mich inspirieren. Im Laden lag auch ein Katalog mit Schnittmustern von McCall aus. Ich habe bis jetzt noch nicht besonders viele Kleidungsstücke genäht und kenne mich mit Schnittmustern kaum aus. Dennoch beschloss ich spontan mir jetzt und sofort aus diesem Katalog ein Schnittmuster auszusuchen, dieses mitsamt eines passenden Stoffs zu kaufen und anschließend besagtes Kleidungsstück zu nähen – und zwar für mich. Ich wusste, dass dieses Unterfangen bei meinem Vorwissen eine Herausforderung darstellen würde, aber genau auf die hatte ich Lust. Entschieden habe ich mich dann aus dem Bauch heraus (und ohne Rücksicht auf den Schweregrad des Schnittmusters) für den Schnitt M7599, mit der Beschreibung „Misses‘ Lined Fit-and Flare Dresses with Petticoat“. Auch ein Wunschstoff war schnell gefunden – ein Jeans-Stoff in Schwarz mit buntem Paisley-Muster. Schon im Laden kamen mir Bedenken bezüglich der Dicke und Festigkeit des Stoffes, aber die Ladeninhaberin* zerstreute meine Gedenken und so löste ich an einem Freitagnachmittag meinen Geburtstagsgutschein für Stoff und Schnittmuster ein, zahlte noch 20€ drauf, besorgte in einem anderen Stoffladen für weitere 20 € einen dazupassenden, einfarbigen Jeansstoff, fuhr nachhause und begann völlig euphorisch mit dem Nähen.

Das klappte erstaunlich gut. Ich verstand von Anfang an fast alles, was das Schnittmuster von mir wollte und so entstand bereits am Freitagabend das gesamte Coursagen-Oberteil. Am nächsten Tag machte ich mich an den Rock und auch das gelang zuerst noch recht gut. Für den Petticoat wollte ich recht billigen Stoff mit großem Elastan-Anteil nutzen, welchen ich mal geschenkt bekommen hatte. Das hatte ich mir vorher so überlegt, um die Kosten nicht ins Unermessliche zu steigern. Die Praxis sieht aber bekanntlich ganz anders aus, denn meine alte Nähmaschine HASSTE den Stoff. Sie schaffte keine zwei Stiche ohne großes Gemurre und Fadengewirr. Mit viel gutem Zureden, aufbügeln von Fließ und vielen Handstichen schaffte ich es dann doch den doofen Stoff zu verarbeiten, aber die Probleme gingen leider weiter. Zwischenzeitlich nähte meine Maschine nämlich auch den Jeans-Stoff nicht mehr ordentlich. Nach wenigen Stichen gab es immer Probleme, entweder bildeten sich Fadennester oder der Oberfaden riss. Ich änderte die Fadenspannung, tauschte die Nadlen aus, säuberte die Maschine – nichts half. Samstagnachmittag saß ich also mit einem fast fertigen Petticoat-Kleid und einer völlig unbrauchbaren Nähmaschine im Wohnzimmer und war traurig. Ich hatte mich so darauf gefräut, das Kleid zu tragen, war so stolz auf mich gewesen, weil ich das Schnittmuster ohne größere Probleme umsetzen konnte und nun scheiterte es an meiner Nähmaschine. Diese ist übrigens an die 25 Jahre alt und hat damals bei Aldi gute 100 DM gekostet. Eigentlich war es Okai, dass sie nicht mehr wollte. Ich hatte ja auch sehr viel von ihr verlangt. Trotzdem war es für mich ziemlich schlimm.

So wuchs in mir der Wunsch nach einer neuen Nähmaschine – einem Fortgeschrittenenmodell mit Zubehör und einer größeren Stichauswahl. Mit dem Gedanken hatte ich auch früher schon geliebäugelt, aber immre als unnötig abgetan. Nun gab es plötzlich einen konkreten Anlass sich erneut mit dem Thema zu beschäftigen. Eine kurze Internetrecherche brachte jedoch schnell Ernüchterung. Ich war mir sicher, dass ich keine Einstiegsmaschine mehr wollte – wenn neu, dann mit Inch-Nähfuß, Overlock-Stich und verstellbarer Nadel. Leider ist der Preissprung zwischen Einstiegs- und Fortgeschrittenenmaschinen extrem. Erstere bekommt man unter 200€, zweitere nicht unter 800€. Außerdem erinnerte ich mich in diesem Zusammenhang an diesen Blogpost von Grüner Nähen – Bunter Leben, in welchem sie* ihre* Erfahrungen mit dem Thema nachhaltiger Nähmaschinenproduktion auseinandersetzt. Die Nähmaschinenmarke BERNINA aus der Schweiz schneidet bei Rankings zu unterschiedlichen Themen regelmäßig sehr gut ab, so auch bei der Nachhaltigkeitsfrage. Berninamaschinen gelten außerdem als sehr hochwertig und langlebig. Der Nachteil der Maschinen ist – wie sollte es anders sein – ihr horrender Preis. Die günstigste BERNINA ist für knapp 1000€ zu haben, die teuersten Modelle können bis zu 10.000€ kosten (Nein, kein Scherz!). Eine ausführliche Recherche ergab, dass für mich nur eine BERNINA der 3er Serie in Frage käme. Diese kosten zwischen 1200 – 1500€ und werden als „Einstiegsmaschinen“ verkauft, wobei es sich meiner Meinung nach eindeutig um Fortgeschrittenenmodelle handelt.

All diese Überlegungen brachten mich in eine große Zwickmühle. Einerseits ist Nähen mein großes Hobby. Ich sitze mindestens jeden zweiten Tag vor der Maschine, was mich (meistens) sehr entspannt und ein toller Ausgleich für mich ist. Die Vorstellung nun längere Zeit ohne eine Nähmaschine leben zu müssen, war nicht sehr angenehm. Andererseits sind wir wegen der Kinderwunschgeschichte eigendlich dauer-klamm und schaffen es gerade so jeden Monat nicht endgültig in die Mießen abzurutschen. Dennoch war der Kauf einer billigen Nähmaschine für mich keine Option. Ich merkte ja bereits seit längerer Zeit, dass meine Nähprojekte meine günstige Maschine an ihre Grenzen brachte, und die heutigen Eistiegsmodelle sind eher noch schlechter. Der Schritt von einer 800€-Fortgeschrittenen-Maschine zu einer BERNINA 3er ist nicht mehr besonders groß und so war mir auch recht schnell klar, dass ich mir eine BERNINA gönnen würde, sollte ich tatsächlich eine neue Nähmaschine kaufen.

Schlussendlich halfen mir meine Eltern bei der schweren Entscheidung. Als ich ihnen mein Petticoat-Drama nämlich erzählte, erklärten sie sofort von sich aus, dass sie mir finanziell bei einer neuen Maschine unter die Arme greifen und einen kleinen Teil beisteuern würden. Außerdem gab mir mein Vater den Tipp, ich solle mich einmal in einem Fachgeschäft beraten und mir einen Preis vor Ort geben lassen. Da das Hannibaellchen und ich am Montag noch frei hatten, fuhren wir gleich zu besagtem Fachgeschäft W.Lange, dem Einzigen Nähmaschinenladen in der Gegend, der auch BERNINA-Maschinen anbietet. Die Nennung des Geschäfts ist mir an diesr Stelle unheimlich wichtig, denn was ich dort erlebte, passiert nicht jeden Tag. Die Verkäuferin* nahm sich über eine Stunde Zeit, um mit mir meine Wünsche und Bedürfnisse bezüglich der neuen Nähmaschine durchzusprechen und führte mir die BERNINA 3er in ALLEN Einzelheiten vor. Ich habe mich selten so gut beraten und dabei nicht zum Kaufen gedrängt gefühlt. Die BERNINA 3er Serie gibt es in mehreren Ausführungen. In meinem Fall war es recht schnell klar, dass die Patchwork-Edition wohl am sinnvollsten währe, da diese standardmäßig mit Obertransportfuß geliefert wird, welcher zum Quilten unerlässlich ist. Die BERNINA 350 PE ist preislich leider nochmal etwas teurer als die anderen Modelle. Ich erhielt jedoch im Laden ein wirklich unschlagbares Angebot. Noch an diesem Abend telefonierte ich erneut mit einem Eltern. Diese bekräftigten mich die Maschine zu kaufen und das tat ich anschließend auch. Bereits am Mittwoch wurde meine neue Nähmaschine in den Laden gelierfert. Ich fuhr hin und erhielt nochmal eine einstündige Einführung – dieses Mal an meiner eigenen Maschine. Ich war (und bin es immernoch) hellauf begeistert.

Nun steht sie also hier – meine neue BERNINA 350 PE. Ich habe sie Tiffany getauft und zum Kauf einen Gutschein zur Gestaltung einer eigenen Designfolie für die Nähmaschine erhalten. So sieht sie aus:

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Noch am gleichen Tag vollendete ich mein Kleid. Mit der neuen Maschine gelang mir das ohne einen weiteren Zwischenfall. Ich habe es bereits mehrere Male getragen und zwischenzeitlich auch in der Waschmaschine gewaschen, was es gut überstanden hat:

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Vom Egebnis bin ich nach wie vor sehr begeistert. Ich hätte nicht gedacht, dass ich ein so schönes und gut sitzendes Kleid tatsächlich nähen kann. Dieser Versuch hat mich darin bekräftigt, noch viele weitere Kleidungsstücke für mich und andere zu nähen, auch wenn die Stoffe dafür teurer als zwei neue Kleider von der Stange sind.

Nach dieser sehr langen Vorrede seht ihr hier also nun meinen Beitrag zur Link-Party und ich bin mir sicher, dass in den nächsten Monaten noch einge folgen werden.

Es hat mir gerade sehr gut getan, zu einem anderen Thema als dem Kinderwunsch zu bloggen und deshalb werde ich das in nächster Zeit wieder etwas häufiger tun (vor allem, weil wir ab heute zwei Wochen Urlaub haben 😉 ).

 

In diesem Sinne wünsche ich euch nun einen wunderschönen Abend und bis bald… der nächste Blogeintrag beschäftigt sich dann auch wieder mit dem Hauptthema dieses Blogs, denn auch da gibt es bald neue Infos…

Liebe Grüße euch allen!

 

Ein Kommentar zu „Frau freut sich – Wie aus einem Stoffladengutschein eine neue Nähmaschine wurde

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