Hallo ihr Lieben,

das Hannibaellchen und ich haben gerade Urlaub. Das ist auch nötig, denn ich wüsste nicht, wie wir den heutigen Termin in der Kinderwunschklinik sonst geschafft hätten. Über drei Stunden waren wir dort und es wurde sehr viel gemacht:

Wie ihr ja wisst, haben wir uns für die Killerzellendiagnostik und gleichzeitige, sozusagen vorsorgliche Intralipid-Behandlung entschieden. Das klingt erst einmal harmlos, aber das war es nicht. Die Strapatzen haben nämlich bereits vor eineinhalb Wochen begonnen. Die Klinik hatte uns nämlich bereits am 19.05. postalisch ein Rezept für 10 x 100ml Intralipid geschickt. Dieses ließ aber ganz schön auf sich warten. Wir wollten die Infusionen eigentlich aus Kostengründen wieder im Ausland kaufen, aber wir gingen davon aus, dass die Zeit hierzu nicht mehr reichen würde. Als es am 24.05. noch immer nicht angekommen war, ließen wir also eine Kopie des Rezepts von der Klinik direkt in unsere Apotheke faxen, nur um dort zu erfahren, dass die reguläre Lieferzeit für Intralipid 8 – 10 Tage entspricht – bis zum Kliniktermin waren es zu diesem Zeitpunkt noch fünf Tage. Ich holte die Rezeptkopie also in der Apotheke ab und informierte mich im Internet über Beschaffungsmöglichkeiten. Dabei erfuhr ich, dass Intralipid regulär nur in Österreich (und Tschechien?) vertrieben wird und somit auch nur dort ganz normal in der Apotheke gekauft werden kann. Ein Anruf bei einem österreichichschen Medikamentenversandhandel brachte jedoch einen erneuten Rückschlag. In Österreich ist nämlich der Versand rezeptpflichtiger Medikamente verboten. Die Onlineapotheke bestätigte mir zwar, dass sie das Mittel innerhalb von vier Stunden beschaffen könnte, anschließend müsste es jedoch persönlich von mir abgeholt werden. Das Hannibaellchen und ich hatten vor am nächsten Tag zu meinen Eltern nach Oberbayern zu fahren, um dort bis zu meinem Geburtstag zu bleiben und so malten wir uns bereits aus, wie wir weitere vier Stunden im Auto verbringen würden, um von dort eben schnell an die österreichische Grenze zu einer Apotheke zu fahren. Ihr könnt euch vorstellen, dass uns diese Aussichten nicht besonders gefallen haben. An diesem Moment kam uns jedoch der Zufall zur Hilfe. Dieser wollte nämlich, dass wir gerade auf die beiden Katzen eines befreundeten Pärchen aufpassten, da dieses Urlaub machte und zwar – dreimal dürft ihr raten – in Österreich. Die Lösung war so naheliegend, dass ich wirklich einige Zeit brauchte, bis ich aus meiner Panik herausfand und auf die Idee kam die Beiden darum zu bitten das Medikament für uns zu besorgen. Wir überwiesen ihnen den Medikamentenbetrag (immerhin 206,00€) und klärten mit einer Salzburger Apotheke die Einzelheiten. Alles verlief reibungslos und als die beiden am Sonntag aus ihrem Urlaub heimkehrten, hatten sie das Intralipid im Gepäck. An dieser Stelle nochmal ein RIIIIEEESSSSIIIIGES DANKE dafür! Ihr habt uns so den Arsch gerettet!!!

Am Montag feierten wir also bei schönstem Wetter im Garten meiner Eltern meinem 26. Geburtstag und noch am Abend ging es wieder heim zu uns, denn am nächsten Tag stand der Kliniktermin für das Scratching und die erste Intralipidinfussion an. Außerdem ist in Würzburg gerade eine Landesgartenshow und so wollten wir das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden und uns nach dem Kliniktermin ein Picknick auf deren Gelände schmecken lassen. (Wir haben nämlich einen neuen Picknickkorb, so einen kitschigen mit Besteck, Weingläsern und Porzelantellern ^^).

Bis auf einen kleinen Stau wegen eines Unfalls verlief die Autofahrt flüssig und wir kamen pünktlich um 10:30 Uhr in der Klinik an. Leider sah ich jedoch bereits auf den ersten Blick, dass uns eine längere Wartezeit bevorstand. Sämtliche Warteplätze waren nämlich belegt. Mein Einfall die Wartezeit für die erste Intralipidinfussion zu nutzen, wurde leider ausgeschlagen, denn der Arzt* würde vorher mit mir sprechen wollen. So warteten wir also über eine Stunde, bis der sehr nette, junge Arzt* der mich schon häufig untersucht hatte, kurz Zeit dafür hatte, mir die Infussion zu verabreichen. Das Intralipid (eine Flasche mit 100ml) wird mit 150ml Kochsalzlösung vermischt und dann intravenös gegeben, was ca. eine Stunde dauert. Der Anblick ist etwas seltsam, denn die Mischung sieht aus wie Milch, die man gerade gespritzt bekommt.

Kurze Zeit später durfte ich dann mit Infussionsständer und Nadel in der Ellenbeuge in das Arztzimmer und das Scratsching sollte gemacht werden. Der junge Arzt* bemerkte jedoch schnell, dass mein Muttermund extrem fest verschlossen ist. Er versuchte zweimal den etwas starren Katheder einzuführen, scheiterte jedoch kläglich. Er erklärte uns, dass weitere Versuche nicht sinnvoll seien, da er sonst den Muttermund weiter zurück schieben und diesen dadurch noch schlechter erreichen würde.  Stattdessen wurde der Oberarzt* geholt, welche mit einer „Löffelzange“ die Gebärmutter griff und nach vorne zog. Und ja, dieses Vorgehen ist genauso schmerzhaft und rabiat wie es klingt… Leider war es damit nicht getan, denn die Gebärmutter wurde anschließend (mit der Zange fixiert) gewaltvoll geöffnet. Die Schmerzen waren kaum auszuhalten. Anschließend folgte das eigentliche Scratching. Auch dieses war schmerzhaft, aber sie wären deutlich besser aushaltbar gewesen, wenn ich nicht den permanenten Schmerz durch die Zange gespürt hätte. Zum Glück war das Hannibaellchen beim Termin dabei und tätschelte mir während der gesamten Behandlung die Schultern. Es wurde zweimal durch Unterdruck im Katheder Schleimhautgewebe „eingesaugt“ und anschließend in ein Röhrchen gegeben, bis genug Material für die Biopsie vorhanden war. Als die Zangen anschließend endlich entfernt wurden, ließ der Schmerz zum Glück relativ schnell nach. Bei der ambulaten Eileiterdurchlässigkeitsprüfung vor über einem Jahr war das anders gewesen. Damals hatte ich noch Stunden später deutliche Schmerzen zwischen den Beinen. So konnte ich mich kurz darauf wieder ohne Probleme anziehen und auch Gehen. Die Infussion war inzwischen auch vollständig durchgelaufen.

Spontan fragte ich den Arzt* noch bezüglich Untersuchungsmöglichkeiten zur Blutgerinnung an. Ich habe bereits öfter gelesen, dass man auch in diese Richtung weiter untersuchen kann, habe das bis jetzt jedoch noch nicht ernsthaft in Erwägung gezogen. Ein sehr sehr lieber Kommentar unter meinem letzten Blogeintrag (Danke an dieser Stelle an honigshrimp 🙂 )rief das Thema jedoch wieder in Erinnerung. Wider Erwarten stimmte der Arzt* sofort zu und gab sofort eine Blutentnahme bei den Arzthelfer*innen für eine mulekulargenetische Untersuchung in Auftrag. Getestet wird auf „Faktor-V-Leiden-Mutation“ und „Prothrombin-Mutation“. Beide Mutationen führen zu einem erhöhten Tromboserisiko. Frühe Fehlgeburten und Einnistungsschwierigkeiten können nämlich auch an einer art „Mini-Trombosen“ in der Gebährmutter liegen. Die Blutentnahme verlief erneut problemlos und so konnten wir die Klinik um 14:00 Uhr mit vier Haken (Intralipid-Infussion, Scratching, Biopsie, Gerinnungsuntersuchung) hinter drei geplanten Punkten (die Gerinnungsuntersuchung war ja spontan) verlassen. Anschließend ging es endlich auf das Gelände der Gartenshow, wo wir noch einen schönen Tag verbrachten:

Nun heißt es also erneut Warten auf die Regelblutung. Da heute bereits mein 24ster Zyklustag ist, dürfte diese jedoch nicht mehr allzu fern sein und dann starten wir in den nächsten Kryozyklus – dieses Mal mit Intralipid, Gerinnungsuntersuchung und Killerzellendiagnostik. Ob es etwas bewirkt, werden wir bald sehen… Drückt uns also wieder einmal die Daumen!

Liebe Grüße!

PS: An meine beste Freundin und Auch-Bloggerin Owl`s moving Carstle: Ich denke ganz ganz fest an dich und bin sehr sehr froh, dass deine OP gut verlaufen ist! Zögere nicht uns zu nerven, wenn du was brauchst 🙂

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