Hallo ihr Lieben,

jetzt habe ich gerade ziemlich lang am Titel rumgebastelt. Eigentlich gefällt er mir immernoch nicht. Deshalb stelle ich hier gleich zu Anfang klar: Homeopathie ist NICHT gemeint. Um was es stattdessen geht, erfahrt ihr hier:

Wie euch das Hannibaellchen ja vor einiger Zeit geschrieben hatte, war auch unser letzter Versuch negativ. Wirklich gewundert hat es mich nicht. Die Embryonenqualität war nicht besonders gut und passend dazu sah auch meine Schleimhaut nicht so perfekt aus, wie sonst. Die Gewissheit zerrte dennoch sehr an meinen Nerven. Mir wurde dabei auch bewusst, dass ich noch etwas an dem kurz positiven Versuch vom letzten Mal zu knabbern hatte. Alles in allem war ich einige Tage sehr desillusioniert. Bei diesem Versuch hatte unsere Kinderwunschklinik auf einen Bluttest zur (Nicht-)Feststellung der Schwangerschaft bestanden. Angeblich würde das Progynova (Östrogene zur Kontrolle des künstlichen Zyklus) Schwangerschaftstests verfälschen. Das ist meiner Meinung nach Schwachsinn. Östrogene sind kein hCG und ich habe auch nirgends irgendetwas in diese Richtung gelesen. Abbringen konnte ich sie dennoch nicht davon.

Der Bluttest fand am 04.05. statt. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich bereits seit über einer Woche, dass ich nicht schwanger war. Aus diesem Grund reduzierte ich bereits einige Tage vorher eigenmächtig Progynova und Orgalutran, um durch den niedrigeren Spiegel nach Absetzen schneller meine Regel zu bekommen und um Medikamentenkosten zu sparen. Den Besuch in der Klinik nutzte ich, um noch einmal mit der Ärztin* zu sprechen (es war die Junge und sehr Sympatische, die eigentlich die Station gewechselt hatte und an diesem Tag aushalf). Ich fragte gezielt nach weiteren Diagnostikmöglichkeiten. Sie bestätigte, dass die Klinik bereits ihr gesammtes Standardrepertoire bei mir durchgeführt hätte. Dennoch nannte sie die „Killerzellendiagnostik“ als weitere Möglichkeit, wobei sie sofort darauf verwies, dass es noch keine klinischen Studien und somit auch keine nachgewiesenen Erfolgswahrscheinlichkeiten gäbe. Aus eigener Erfahrung kenne sie hier in der Klinik nur eine Frau*, welche nach der Behandlung schwanger geworden sei und ob das nun daran gelegen habe, oder ob die Frau* einfach ‚dran‘ war, sei mehr als ungewiss. Dennoch fragte ich nach dem regulären Ablauf der Diagnostik und erfuhr, dass am Zyklustag 24 (also in der zweiten Zyklushälfte) eine Probe aus der Gebärmutterschleimhaut entnommen und in ein Labor zur Untersuchung eingeschickt wird. Sollten sich die „Killerzellen“ als erhöht erweisen, bekäme man im Versuchszyklus alle zwei Wochen eine Intralipidinfussion. Parallel zur Entnahme der Schleimhaut würde ein Scratching durchgeführt werden. Sollten wir uns für diese Behandlung entscheiden, müssten wir somit einen Zyklus aussetzen für die Diagnostik. Wir entschieden, dass ich beim regulären Anruf am ersten Zyklustag Bescheid geben würde, ob wir in den nächsten Kryozyklus starten, oder die Diagnostik durchführen wollen. Noch am selben Tag erhielt ich wie erwartet das telefonische „Nicht Schwanger“ und bereits am nächsten Mittag traf meine Blutung ein. Zum Glück ist unsere Klinik am Wochenende geschlossen, denn so blieben dem Hannibaellchen und mir zumindest noch das Wochenende zur Entscheidungsfindung. Die war nämlich garnicht so leicht…

Da saßen wir also und mussten innerhalb von zwei Tagen die Pros und Kontras abwägen. Ich verfolge in der Blogszene viele Kinderwunschpaare und auch auf Instagram liest man so einiges. In diesem Zusammenhang fallen die Begriffe Killerzellendiagnostik und Intralipid oft. Häufig auch in Zusammenhang den Worten: Granocyte, Frau Dr. Reichels-Fenz, Kortison, Scratching, KIR-Gene, Heparin, etc. All das empfand ich schon früher als extrem undurchsichtig. Das schreckte mich bereits damals ab mich damit zu beschäftigen, als die Themen noch unheimlich weit weg erschienen. Eigentlich bin ich ein Mensch, der gerne weiß um was es geht und so hab ich mich auch bezüglich Kinderwunsch/Schwangerschaft/Elternschaft bereits mit Dingen beschäftigt die mich nie, oder zumindest nur in weiter ferne, betreffen werden. Hier war das anders. Ich bemerkte in mir eine richtige Abneigung gegenüber diesem Thema. Das Netz ist voll mit Halbwahrheiten und Meinungen und in Bezug auf „Killerzellen“ und bestimmte Ärzt*innen scheint das noch mehr der Fall zu sein. Nachdem ich mich nun ernsthaft mit all diesen Themen beschäftigen musste, weil sie plötzlich und irgendwie unerwartet relevant für mich geworden waren, stand ich erst einmal vor vielen Fragezeichen. Was sind denn nun diese Killergene? Was ist Intralipid und Granocyte und wie sollen sie helfen? Wie teuer ist das Ganze? Gibt es Nebenwirkungen? Wie sind die Erfolgsaussichten und warum gab es noch keine größeren klinischen Studien? Wer ist diese Frau Dr. Rechel-Fenz und kommt man wirklich nicht um sie herum, wenn es um weiterführende Diagnostik geht? Das Hannibaellchen und ich wagten uns unabhängig voneinander an die Auflösung der Fragen und trugen anschließend unsere Erkenntnisse zusammen. Was uns beiden schnell deutlich wurde, ist die Tatsache, dass man tatsächlich kaum um die Internetseite von Frau Dr. Reichel-Fenz herumkommt, wenn man sich mit diesem Thema beschäftigt. Deshalb fange ich wohl mit der Beantwortung dieser Frage an:

Wer ist Frau* Dr. Reichel-Fenz und was tut sie*?

Dr. Reichel-Fenz hat eine Praxis für Transfusionsmedizin in Edenkoben bei Heidelberg. Transfusionsmedizin ist, wie der Name schon sagt, die Fachrichtung der Medizin die sich mit Transfusionen (z.B.: von Blut) auseiandersetzt. Frau* Reichel-Fenz hat ihren Schwerpunkt auf Reproduktionsmedizin und Schwangerschaft gelegt. Die Grundlage hier ist dabei die Tatsache, dass der embryonale Kreislauf während einer Schwangerschaft vollständig getrennt vom Mütterlichen agiert. Das Kind besitzt somit eigene Antikörper, welche sich aus den Genen beider beteiligter Erzeugenden (in unserem Fall der Spender und ich) zusammensetzen. Sie unterscheiden sich somit von denen der austragenden Person (in unserem Fall ich). Somit müsste es eigentlich zu einer Abstoßungsreaktion des Körpers gegen den Embryo kommen, wie man das beispielsweise von einer fehlgeschlagenen Organtransplantation kennt. Hier setzt die Hypothese an, dass immunologische Probleme hinter häufigen frühen Fehlgeburten, oder aber auch einer langen Kinderwunschzeit, ohne Schwangerschaftsnachweis, stecken könnten. Die Reproduktionsimmunologie hat nun also die Aufgabe die Vorgänge zur Erhaltung einer Schwangerschaft zu erforschen und Methoden zur Verbesserung zu entwickeln. Neben Frau* Dr. Reichel-Fenz gibt es deutschlandweit noch weitere Reproduktionsimmunologien. Warum dennoch gerade sie* in aller Munde ist, hat meiner Meinung nach zwei Gründe. Einerseits ist ihr Untersuchungsangebot sehr umfassend, andererseits ist es möglich ihre Hilfe von überall im ganzen Land in Anspruch zu nehmen, da keine persönliche Anwesenheit notwendig ist. Nach einer postalischen Überweisung der behandelnden Ärzt*innen findet die gesamte Diagnostik über die Zusendung der nötigen Blutproben telefonisch oder schriftlich statt. Mit dem großen Ansturm auf ihre Praxis gehen jedoch auch extrem lange Wartezeiten von bis zu einem halben Jahr einher (Dr. Reichel-Fenz 2018: Internetauftritt).

Was sind Killerzellen? Wann und wie ist eine Behandlung nötig?

Als nächstes möchte ich mich nun dem Thema „Killerzellen“ widmen. Als Killerzellen werden die Zellen des Immunsystems bezeichnet. Damit ist nun klar, warum Killerzellen in Bezug auf Immunologie eine große Rolle spielen. Die Theorie hinter der Reproduktionsimmunologie besagt nun also, dass bei manchen Frauen* das Immunsystem eine Schwangerschaft verhindert, die Killerzellen also so stark sind, dass sie den Embryo als Fremdkörper betrachten und zerstören. Besonders interessant war für uns der wohl bestehende Zusammenhang zwischen diagnostizierten Autoimmunerkrankungen (in meinem Fall Hashimoto) und zu aktiven Killerzellen. Der Nachweis über die zu starke Aktivität der Killerzellen kann dabei sowohl im Blut, als auch bei der Entnahme von Schleimhautgewebe erfolgen. Ziel einer erfolgreichen Therapie wäre es die Aktivität der Killerzellen zu reduzieren. Das kann aufgrund der Behandlung mit (niedrigdosiertes) Cortison und/oder Intralipid erfolgen:

Cortision ist die Sammelbezeichnung für eine Gruppe von künstlich hergestellten Hormonen, die dem körpereigenen Cortisol ähneln und bei vielen Stoffwechselprozessen eine wichtige Rolle spielen. Cortison ist ein häufig angewendetes und sehr bekanntes Medikament hauptsächlich in Tablettenform, beispielsweise bei der Hämmung von Entzündungen. Aus diesem Grund wird es auch in der Reproduktionsimmonologie verwendet. Bei bestehenden Autoimmunerkrankungen wirkt es anti-entzündlich und auch immun-schwächend, weshalb es auch die Aktivität der Killerzellen deutlich reduziert (vgl. Wikipedia: Cortison und Reichel-Fenz: Internetauftritt).

Intralipid ist eine Fettemolsion aus Sojabohnen und wird eigendlich zur künstlichen Ernährung genutzt. Aus einem noch nicht bekannten Grund führt Intralipid als Infussion (1l + Kochsalzlösung zur Verdünnung) ebenfalls zu Aktivitätsminderung der Killerzellen. Es hat im Gegensatz zu Cortison keine Nebenwirkungen, die Behandlung muss jedoch bereits im Vorzyklus vor dem geplanten Embryonentransfer begonnen und dann zweiwöchentlich wiederholt werden (nach Eintritt einer Schwangerschaft bis zur zwöflten Woche). Vorteile der Intralipidbehandlung im Gegensatz zu Cortison oder anderen Medikamenten  sind das Fehlen von Nebenwirkungen und die geringen Kosten (vgl. Reichel-Fenz: Internetauftritt).

Was sind KIR-Gene und wie hängen diese mit den Killerzellen zusammen?

KIR-Gene spielen ebenfalls im Zusammenhang mit den Killerzellen eine Rolle, denn sie sind Teil von diesen. Insgesamt existeiren wohl 14 unterschiedliche KIR-Gene. Sie koordinieren die Kommunikation zwischen den Killerzellen und den Embryonen in der Gebärmutterschleimhaut. Sind diese KIR-Gene nun (teilweise) beschädigt, indem beispielsweise eines oder mehrere fehlen, kommt es zu einer fehlerhaften Informationsvermittlung zwischen Embryo und Killerzellen. Der Embryo wird so als gefährlicher Fremdkörper eingestuft und vernichtet.

Dem kann durch das Spritzen von Granocyte entgegengewirkt werden. Dieses Medikament entspricht dem Zytokin (G-CSF). Zytokine sind eine Gruppe von Proteinen die die Signalübertragung von Zellen steuern. Es wird beispielsweise bei Knochenmarkspenden eingesetzt, um eine Abstoßung der Spende zu verhindern. In dieser Funktion wird es auch in der Reproduktionsimmunologie genutzt. Granocyte übernimmt die Rolle der fehlenden KIR-Gene und otpimiert somit die Kommunikation zwischen Mutter* und Embryo, weshalb die Frühabbortrate deutlich gesänkt werden kann.

Was passiert beim Scratching der Gebärmutterschleimhaut?

Der Begriff kommt aus dem Englischen und bedeutet „Anritzen“. Im Vorzyklus vor dem Embryonentransfer wird die Gebärmutterschleimhaut in der zweiten Zyklushälfte (um Zyklustag 24) leicht verletzt.Hierzu wird ein Katheder in die Gebärmutter eingeführt (wie auch beim Transfer selbst). Anschließend wird in diesem ein Unterdruck erzeugt. Durch das schnelle Herausziehen des Kateders kommt es dann zu einer Abschabung der Gebärmutterschleimhaut. Risiken durch die Verletzung sind nicht bekannt und die Schmerzen werden als weitestgehend gering beschrieben. Durch diese lokale Verletzung soll die Einnistungswahrscheinlichkeit im Folgezyklus erhöht werden. Dies geschieht vermutlich durch die lokale Erhöhung weißer Blutkörperchen und Immunzellen (also auch wieder Killerzellen) an der Verletzungsstelle (ebd.).


Das alles fanden das Hannibaellchen und ich im Laufe des Wochenendes heraus. Wir wussten von unserer Klinik, dass sie die Gebärmutterschleimhautproben zur Untersuchung nicht zu Frau* Dr. Reichel-Fenz, sondern in ein anderes Labor schicken. Das hat den Vorteil der schnellen Bearbeitung. Das Ergebnis soll wohl bereits nach zwei Wochen vorliegen, weshalb ein Transferzyklus direkt im Anschluss möglich ist. Da für die Entnahme der Probe ein Scratching nötig ist, könnten dessen positive Eigenschaften so ebenfalls genutzt werden. Es gibt jedoch auch einen deutlichen Nachteil und zwar ist die Immunologieuntersuchung dort nicht so umfangreich wie bei Frau* Dr. Reichel-Fenz. Es erfolgt keine KIR-Gen-Diagnostik und die anschließende Behandlung besteht ausschließlich aus Intralipidinfussionen. Cortison, Granocyte und Co. sind nicht vorgesehen.

Auch wenn die von mir aufgeführten Informationen in sich schlüssig klingen, sind all diese Methoden noch nicht in großem klinischen Rahmen getestet worden, oder es wurden widersprüchliche Ergebnisse erzielt. Aus diesem Grund übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die Diagnose/Behandlung auch bei heterosexuellen Paaren nicht. Andererseits scheinen die Methoden im Ausland (beispielsweise in Östereich) ganz selbstverständlich zur Reproduktionsmedizin dazuzugehören und in (fast) jeder Klinik angeboten zu werden.

Wir waren also hin und her gerissen und wollten uns deshalb für den Mittelweg entscheiden. Wir werden in diesem Zyklus eine Gewebeprobe für die Killerzellendiagnostik via Scratching entnehmen lassen. Parallel hierzu werde ich am Scratchingtag bereits die erste Intralipid-Infussion bekommen. Zu diesem Zeitpunkt ist zwar noch nicht klar, ob ich diese wirklich benötige, aber aufgrund meiner bestehenden Autoimmunkrankheit und weil Intralipid keinerlei Nebenwirkungen aufweist, konnten wir die Klinik zu diesem Schritt überreden. Parallel dazu wollten wir eigentlich die Diagnostik von Frau* Dr. Reichel-Fenz in Anspruch nehmen. Leider klappte die Kommunikation mit unserer Klinik nicht gut. Eigentlich wollte der leitende Arzt* telefonisch noch einmal mit uns Kontakt aufnehmen. Er erreichte uns nicht, wir ihn nicht und so vergingen fast zwei Wochen. Wir haben noch Embryonen für vermutlich zwei Versuche. Den ersten hiervon wollten wir mit Scratching und Intralipid versuchen und für den zweiten und letzten dann auch auf die Diagnostik von Frau* Dr. Reichel-Fenz zurückgreifen. Da sich nun bereits das Gespräch mit unserer Klinik so sehr verzögert und Frau* Dr. Reichel-Fenz so extrem lange Wartezeiten hat, sehe ich das aber inzwischen in weiter Ferne. Wir möchten die letzten beiden Versuche relativ bald abschließen, damit wir bei einem endgültigen Negativ weiter in Richtung Pflegekind gucken können. So oder so wird es in meinem nächsten Zyklus wieder einen Transfer geben. Das Scratching findet am 29.05., einen Tag nach meinem Geburtstag statt. Anfang Juni geht es somit in den nächsten Kryoversuch.

Nun wisst ihr also endlich wieder Bescheid, wie bei uns der aktuelle Stand ist und habt vielleicht auch das ein oder andere für euch Interessante dazugelernt.

Ich halte euch auf dem Laufenden! Genießt das schöne Wetter und das lange Wochenende!

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