Und da ist es auch schon wieder rum, Noelana ist PUPO**. Ging irgendwie wahnsinnig schnell, und das obwohl die Umstände eigentlich komplett dagegen sprachen. Aber von vorn…

Da der Transfer ja nun für heute – also einem Sonntag – angesetzt wurde, konnte ich tatsächlich beim Rücktransfer der beiden Hummelchen to be dabei sein. So spannend das war, dafür am Sonntag morgen um sieben aufstehen fiel weder Noelana noch mir leicht. Zumal der erste Blick aus dem Fenster auch nichts gutes verhieß. Es stellte sich nämlich heraus, dass es über Nacht ca. 7-8 cm Neuschnee runtergeschneit hat. Mal abgesehen von dem ekligen Temperatursturz bedeuten ein paar Zentimeter Schnee in Good old Germany vor allem eines: Kopfloses Chaos bei der Bahn.

Ist ja logisch, man kann ja auch nicht mit Schnee im März rechnen, auch wenn der Wetterbericht das schon seit mindestens einer Woche vorhersagt. Wer glauben wir eigentlich, dass da in der Bahn-Zentrale sitzt? Nostradamus? Pfff… kann ja keiner was tun gegen solche Naturgewalten… Und wie sollte es auch anders sein, der ICE mit dem wir eigentlich nach Würzburg fahren sollten hatte schlappe 25 Minuten Verspätung. Da ich ja dieses mal (endlich) mitfahren konnte, hatten wir um einen guten Sparpreis zu ergattern unser Ticket schon am Freitag gekauft – natürlich mit Zugbindung. Am Infoschalter das Ticket umschreiben lassen war natürlich zeitlich nicht mehr drin, da die Schlange vor besagtem Schalter schon beinahe aus dem Bahnhof raus bis in die Innenstadt reichte.

Tja, am Sonntag in der Klinik anrufen und die Verspätung mitteilen ist natürlich auch eher schwierig. Aber zum Glück lässt meine Frau sich ja durch solchen Kleinkram wie Verspätungen mit Sicherheit nicht von Ihrem Rendezvous mit zwei potentiellen Hummelchen abhalten. Deshalb hat sie mit ihren Adleraugen auch erspäht, dass der ICE, der eine halbe Stunde vorher gefahren wäre, ebenfalls Verspätung hat und nun pünktlich zu der Zeit abfährt, zu der eigentlich unser Zug gefahren wäre. Der Plan: Zum Bahnsteig laufen, den/die Schaffner*in oder irgendeine(n) offiziell aussehenden Bahnmitarbeiter*in schnappen und davon überzeugen, dass wir trotz Zugbindung den anderen ICE nehmen müssen.

Ich muss gestehen, ich hatte nicht sonderlich viel Hoffnung, dass dieser Plan tatsächlich funktioniert. Im Geiste sah ich uns schon die Zettel für das „Erhöhte Beförderungsentgelt“ – dem Euphemismus für die Strafe für Schwarzfahrer – ausfüllen und begann unauffällig vor mich hin zu schwitzen. Vor allem da die Bahn bei Schwarzfahren im ICE meist ordentlich zulangt und wir auf dem schneeverwehten Gleis noch nicht mal eine Mütze mit DB-Logo ausmachen konnten. Aber wir hatten Glück, genau in dem Moment als unser Wunschzug auf dem Gleis einfuhr, tauchte tatsächlich ein Bahnmitarbeiter* auf, woraufhin wir ihn* sogleich bestürmten und er* auf unserem Ticket vermerkte, dass die Zugbindung entfällt. Ich bin der Meinung, dass das lediglich so einfach ging, weil er* uns schnell wieder los werden wollte, aber wer bin ich, mich zu beschweren?

Wir kamen also tatsächlich dank einer Verspätung pünktlich in Würzburg an. Wo sich gleich das nächste Problem auftat. Scheinbar hat nicht nur die Bahn probleme mit etwas Schnee, sondern auch der Würzburger Verkehrsverbund. Von unserer Straßenbahn, die uns eigentlich bis zur Klinik bringen sollte, war jedenfalls keine Spur zu sehen. Nachdem wir auch bei den Bussen kein Glück hatten und die Zeit unaufhörlich voranschritt, blieb uns nur noch eine Möglichkeit: Ein Taxi. Also kamen wir tatsächlich auf die Minute genau und superkomfortabel an der Frauenklinik an. Und standen erstmal in einem menschenleeren Gang. Wie sich später herausstellte hatten sämtliche andere Paare, die für diesen Tag angemeldet waren, nämlich auch gut Verspätung.

Nach einer Weile trudelten dann doch noch andere Menschen ein – als allererstes unser behandelnder Arzt* – dachten wir. Noelana freute sich schon sehr, da es sich um ihren Lieblingsarzt* handelte. Allerdings ging auch dieser Plan nicht so ganz auf, denn besagter Arzt* sah nicht sonderlich gut aus und teilte uns nach einem kurzen Satz mit, dass er heute keine Eingriffe mehr durchführen würde. Er kam gerade von einem „traumatischen Erlebnis im Kreissaal“ und wollte nur seine Sachen holen und nach Hause. Das drückte die Stimmung natürlich schlagartig, vor allem da sein Ersatz ein Arzt* war, der recht unsympathisch und grob ist. Aber im Grunde ist das ja auch egal, die paar Minuten, die das Ganze dauert kann man das schon aushalten. Wir wünschten dem armen Doc also alles, alles Gute und dann dauerte es auch nicht mehr lange und Noelana durfte sich frei machen und auf den Gyn-Stuhl steigen.

Ich stand hinter ihr und durfte – stets ihr Händchen haltend- auf dem Ultraschallbildschierm mitverfolgen, wie die beiden Hummelchen das Habitat wechselten. Zugegeben, eigentlich sieht man da ja nur ein paar weiße Punkte/Streifen, aber irgendwie ist es schon spannend. Life dabei zu sein, wenn meine Frau hoffentlich schwanger wird, ist für mich ja aus biologischen Gründen nicht so selbstverständlich, wie bei manchem anderen Paar. Nach ein paar Minuten Liegenbleiben und einem sehr sehr kurzen Satzwechsel mit dem behandelnden Arzt* ging es dann auch schon wieder zurück – ebenfalls mit dem Taxi, weil nach dem Transfer in der Kälte rumstehen uns dann auch zu blöd war.

Am Bahnhof in Würzburg ging es uns dann fast so ähnlich wie am Morgen. Der Zug, der uns am Automaten als nächster angezeigt wurde, wäre in zwei Stunden gefahren. Allerdings fuhr in dem Moment ein weiterer verspäteter ICE ein, der in unsere Richtung ging. Dieser hatte inzwischen etwas über eine Stunde Verspätung, was uns jedoch herzlich egal war, wir saßen ja auch nicht bereits seit Hamburg darin fest. Das hatte zur Folge, dass wir diesmal – selbst mit Flexticket ohne Zugbindung, also einer tatsächlich gültigen Fahrkarte – nicht ein einziges mal kontrolliert wurden. Ich denke, die Schaffner*innen trauten sich zu diesem Zeitpunkt schlichtweg nichtmehr, auch nur einen einzigen Fahrgast anzusprechen…

So waren wir also tatsächlich an einem Tag, an dem eigentlich gar nix ging, was Zug und Öffis angeht, pünktlich zur Sendung mit der Maus wieder zuhause, und das inklusive mitgenommenem Mittagessen. Das ist in sofern bemerkenswert, als dass Noelana es bisher – ohne Schneechaos – meist nicht vor 12 Uhr wieder zurückgeschafft hat. So im Nachhinein ist das eigentlich echt eine reife Leistung.

Seitdem sitzen wir abwechselnd Dokus guckend auf dem Sofa und Hörbuch hörend im Bett und ruhen uns noch ein wenig aus für den Montag, damit die Hummelchen es auch schön gemütlich finden, bei Noelana. Also, ihr dürft jetzt auch wieder fleißig die Daumen drücken und wir hoffen, dass es diesmal endlich klappt.

Liebe Grüße

Hannibällchen

**PUPO = Pregnant Until Proven Otherwise (Schwanger bis das Gegenteil bewiesen ist)

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