Hallo ihr Lieben bienen-smilies-0007,

heut soll das Augenmerk hauptsächlich auf dem Plan mind. ein Pflegekind aufzunehmen, liegen. Im Vorfeld gibts dennoch kurz neue Infos zum nächsten ICSI-Versuch:

Wir erhielten letzte Woche die Rechnungen für die Behandlung aus Würzburg und sind hin und weg. Durchschnittliche Kosten für eine ICSI sind 4000 – 7000 Euro. Unikliniken wie unsere, verlangen dabei in der Regel weniger als Privatkliniken, da sie nicht auf Selbstzahler*innen angewiesen sind. Wir rechneten also mit ca. 4500 Euro für die reine Behandlung (+ ca. 1000 Euro Medikamentenkosten + 700 Euro Sperma). Medikamente und Sperma sind ja bereits bezahlt und die ICSI hätten wir uns gerade so leisten können. Die zweite ICSI im Januar wäre dann vollständlich auf Kredit/Elternhilfe/Dispo gelaufen. Tja, wenn unsere Klinik nicht einfach genial wäre. Die Rechnung beläuft sich auf knappe 2600 Euro. Erst dachten wir, da müsse noch mehr kommen, aber es sind alle Termine und alle Untersuchungen abgerechnet. Wir sind erleichtert und dankbar, dass uns so die Durchführung einer zweiten ICSI ermöglicht wird, ohne unsere Finanzen vollends zu zerstören. Wir werden zum nächsten Termin Schokolade für das Team mitbringen. Das haben sie sich alle redlich verdient!

Seit zwei Tagen habe ich meine Regelblutung. Das heißt für uns, dass wir in meinem nächsten Zyklus endlich wieder starten können. Ich habe dieses Mal das Glück, dass ich über die sozialen Netzwerke ein paar der von mir benötigten Medikamente sehr viel günstiger von einer anderen Privatperson abkaufen konnte. Orgalutran, das Medikament, das den Eisprung verhindert, habe ich so schon einmal auf gut Glück gekauft. Seit einem Telefonat mit Würzburg letzte Woche weiß ich außerdem, dass ich zusätzlich zur Stimulation mit Puregon nun auch mit Menogon stimulieren soll. Heute kam nun auch der vollständige Behandlungsplan mitsamt des nötigen Rezepts bei uns an. Im Endeffekt läuft sonst alles wie beim ersten Versuch ab. Auch das Menogon kann ich übrigens von besagter Person günstig kaufen und werde das auch heute noch tun. Falls du hier mitliest: Ich danke dir viele Male dafür!

So, und num zum eigentlichen Thema: Pflegekind

Ein Pflegekind ist ein Kind, welches aus unterschiedlichen Gründen nicht bei den leiblichen Eltern leben kann oder darf und deshalb in einer anderen Familie oder Einrichtung fremduntergebracht wird. Meist werden die Kinder vom Jugendamt in Obhut genommen, da die Zustände in der Herkunftsfamilie kein kindgerechtes Aufwachsen ermöglichen. Hierzu muss aber gesagt sein, dass das Elternrecht in Deutschland einen sehr hohen Stellenwert besitzt und die Herausnahme eines Kindes nur bei großen Missständen und der Verweigerung jeglicher Zusammenarbeit mit anderen Hilfsangeboten geschieht. Auch die jüngsten Pflegekinder tragen daher schon ein sehr großes Päckchen an Gewalterfahrungen, psychischen/körperlichen/geistigen Einschränkungen, Vernachlässigungserfahrungen oder Entzugsreaktionen mit sich herum. Flapsig und überhaupt nicht fachlich korrekt könnte man formulieren, dass Pflegekinder tatsächlich die Verlierer*innen unserer Gesellschaft sind. Sie kommen aus schrecklichen Verhältnissen und verbringen anschließend zu einem Großteil ihr Leben in stationären Einrichtungen wie Kinderdörfern und Heimen. Der geringen Zahl an Menschen, welche bereit sind ein Pflegekind in ihre Familie aufzunehmen, steht eine sehr viel größere Anzahl an Kindern entgegen. Dabei schwindet die Chance der Vermittlung in eine Pflegefamilie, je älter die Kinder bei der Inobhutnahme sind. Einerseits liegt dies daran, weil viele Pflegefamilien gerne ein möglichst junges Kind aufnehmen möchten, andererseits ist es für Säuglinge besonders schädigend, wenn keine kontinuierlichen Bezugspersonen vorhanden sind. Abschließend ist es vielleicht noch wichtig zu sagen, dass das Pflegeverhältnis im §27 SGB VIII geregelt ist. Es handelt sich um eine Hilfe zur Erziehung. In der Praxis führt genau das immer wieder zu Problemen, denn Familie entsteht im Alltrag und auch mit Pflegekindern sieht der Familienalltrag ganz normal aus. Hierdurch können unterschiedliche Erwartungshaltungen entstehen, beispielsweise vom Jugendamt, das aufgrund des Gesetzestextes häufig eher pro Herkunftsfamilie argumentiert, von den leiblichen Eltern, welchen immer wieder deutlich gemacht wird, dass eine „Hilfe zur Erziehung“ auch beendet werden kann und schlussendlich von den Pflegeeltern und häufig auch von den Pflegekindern, die sich als ganz normale Familie fühlen und Angst vor den manchmal als willkürlich empfunden Entscheidungsmächten haben.

Hier in unserer Stadt wurde das Pflegekindwesen zu großen Teilen an freie Träger der sozialen Arbeit ausgelagert. Das Jugendamt kümmert sich ausschließlich um die Inobhutnahmen bzw. Herausnahmen der Kinder aus den Herkunftsfamilien. Die Prüfung und Schulung der potenziellen Pflegeeltern, die Anbahnung einer Vermittlung und die Gestaltung der Umgangskontakte zwischen leiblichen Eltern und Pflegekindern übernehmen anschließend die freien Träger unter Einbezug des Jugendamtes, wobei dieses letztendlich zusammen mit dem Familiengericht die Entscheidungsgewalt hat. In unserem Fall bedeutet dies, dass wir nach dem allgemeinen Infoabend einen Termin bei einem der drei Träger für ein genaueres Informationsgespräch vereinbarten. Wir entschieden uns einzig und allein aufgrund der geographischen Nähe eines der Träger zu unserer Wohnung für diesen.

Letzten Freitag fand dieses Gespräch statt. Der Termin dauerte lange, obwohl wir schon sehr gut informiert waren. Hauptsächliches Ziel war, dass die Fachkraft sich ein ungefähres Bild von unseren Lebensumständen, unserer Motivation, unseren Hoffnungen und Ängsten und unseren Vorstellungen erhielt, um hernach einschätzen zu können, ob wir als Pflegeeltern wirklich geeignet wären. Grundsätzlich war fast von Anfang an klar, dass der Aufnahme eines Pflegekindes in unserem Fall nichts entgegenspricht. Die Tatsache, dass wir beide Sozialpädagoginnen* sind wurde dabei sehr begrüßt. Wir hatten anfänglich bedenken, dass zb. die Größe unseres geplanten Kinderzimmers problematisch sein könnte, da es sich dabei um einen wirklich sehr kleinen Raum handelt. Grundsätzlich wäre zwar eine Umverteilung innerhalb der Wohnung möglich, aber sehr aufwändig und ich würde lieber alles so belassen, wie es ist. Diese Angst wurde uns sehr schnell genommen. Vor allem bei Säuglingen, muss anfänglich überhaupt kein eigener Raum vorhanden sein, sondern lediglich die Absicht eines Umzugs formuliert werden. Außerdem machten wir uns darüber Gedanken, ob der befristete Arbeitsvertrag des Hannibaellchens nicht als ausreichende finanzielle Grundsicherung angenommen wird, doch auch dies war kein Problem, da lediglich die Lohnabrechnungen der letzten Monate eingereicht werden und keine zukünftige Finanzierung nachgewiesen werden muss. Alles in allem wurde während des Gespräches sehr deutlich wie dringend geeignete Pflegeeltern gesucht werden. Die Fachkraft meinte irgendwann einmal, dass sie derzeit eine ganze Liste an Kindern hätte, die sie an uns vermitteln könnte…

Ein weiteres von uns angesprochenes Thema war die Regelung des Umgangs mit der Herkunftsfamilie. Leibliche Eltern haben ein Recht auf Umgang, sogar dann, wenn bei diesen massive Missstände, Vernachlässigung oder Gewalt geherrscht hatten. In den absolut meisten Fällen findet dieser Umgang einmal im Monat für eineinhalb Stunden in den Räumlichkeiten der Pflegekinderstelle des jeweiligen Trägers statt. Als Pflegeeltern sind wir verpflichtet diesen Umgang zu ermöglichen und dies gegenüber dem Kind positiv zu vermitteln. Wir sehen uns in der Lage dies zu leisten, vormulierten jedoch von Anfang an sehr klar, dass wir nicht gewillt sind den leiblichen Eltern mehr entgegenzukommen. Das scheint kein Problem zu sein. Bis vor einem Jahr wurde den leiblichen Eltern wohl noch nicht einmal die Adresse der Pflegeeltern veraten (dies war wohl doch nicht ganz legal, weshalb die Adresse inzwischen rausgegeben werden muss). Sämtlicher Kontakt zwischen leiblichen und Pflegeeltern findet jedoch ausschließlich über die Pflegekindstellen statt. Die Weitergabe von Telefonnummern ist zumindest anfänglich nicht erwünscht. Das kommt uns sehr gelegen. Ich kenne aus meiner Praxis einige Fälle, in welchen die Erwartungshaltung leiblicher Eltern sehr hoch war und die Pflegeeltern beispielsweise täglich kontaktiert wurden.

Wir erhielten anschließend noch einige Unterlagen, welche von uns auszufüllen sind. Dabei handelte es sich um einen Ankreuzbogen, wie das Kind sein sollte, welches wir aufnehmen möchten, um einen Fragebogen zu unseren Vorstellungen, Erwartungen und Ängsten und zwei von unserer Hausärztin* auszufüllenden Bögen zu unserem Gesundheitszustand. Zusätzlich hierzu müssen wir noch zwei erweiterte Führungszeugnisse, zwei Lebensberichte und die Lohnabrechnungen der letzten drei Monate einreichen. Die Fragebögen haben wir bereits beantwortet, wobei unser Fazit dazu eher gemischt ausfällt. Einerseits ist es sehr sinnvoll darüber zu reflektieren, welche Situationen oder Einschränkungen im Umgang mit oder vom Pflegekind wir uns nicht zutrauen, andererseits hat es schon viel von: Wünsch dir ein perfektes Kind! („Können Sie sich vorstellen ein Kind mit geistiger Behinderung (z.B.: DownSyndrom – also Mongolismus) aufzunehmen?“) Als besonders schwierig auszufüllen empfanden wir aber tatsächlich eher den Fragebogen zu unseren Vorstellungen, Erwartungen und Ängsten. Einige Fragen hier waren einfach sehr plakativ gestellt und man merkte dem gesamten Bogen an, dass er für Menschen konzipert wurde, welche sich noch nie außerhalb ihrer eigenen Kreise bewegt hatten. Eine besonders verzwickte Frage lautete beispielsweise: „Wie glauben Sie, würden ihre Nachbarn/Freunde/Verwandte reagieren, wenn ihr Pflegekind auffällige Verhaltensweisen zeigt, z.B. aggressiv zu anderen Kindern ist?“ Uns ist schon klar, welche Intension hinter dieser Frage steht, aber sie ist dennoch so klischeehaft formuliert, dass uns ganz übel wurde. Für meine Frau* ist die Anfertigung des Lebensberichtes eine raltiv große Hürde. Sie hat sich bereits einige Notizen dazu gemacht und möchte sich nun Zeit lassen mit der Ausformulierung. Diese Zeit bekommt sie natürlich… Außerdem meldeten wir uns noch für das für Pflegeeltern notwendige Wochenendseminar an. Das nächste findet Mitte Januar statt.

Alles in allem war es ein sehr aufschlussreicher und positiver Termin. Das Hannibaellchen und ich wollten schon immer mind. ein Pflegekind aufnehmen, auch wenn wir gerne zuerst eine Schwangerschaft erleben würden. Ein Pflegekind aufzunehmen ist somit nicht unbedingt eine Alternative für uns, da es eh immer geplant war. Sollte auch die zweite ICSI nicht zum Erfolg führen, werden wir also diesen Weg ganz schnell verfolgen.

So oder so heißt das Motto: Familie 2018.

 

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