I bims, 1 Hannibällchen…

Heute aus gegebenem Anlass mal wieder ein Beitrag von mir und – in diesem Fall – auch ZU mir.

Konkret geht es heute darum, wie ich mich geschlechtlich und sexuell einordne (oder eben genau das auch nicht…).

Der gegebene Anlass ist mein Kommentar vor einigen Tagen, in dem ich mich bei Noelana für die Verwendung eines Gender-*Sternchens bei meiner Ansprache mehr oder weniger bedankt habe (vielleicht haben es einige von euch ja mitbekommen). Dieser recht kurze Kommentar sorgte allerdings bei einer guten Bekannten und fleißigen Blog-Leserin scheinbar für etwas Verwirrung. Sie war der Meinung, dass ich mich als Frau identifiziere und deshalb eigentlich keine Verwendung für das Sternchen habe. Tatsächlich stimmt das wohl auch zumindest teilweise. Wenn man mir eine Ankreuzauswahl zu meinem Geschlecht geben würde, so würde ich schlicht und ergreifend das „weiblich“-Kästchen abhaken. Wie das allermeiste im Leben ist die ganze Sache aber dann doch ein wenig komplizierter als ein Formular auszufüllen.

Warum also freue ich mich, mit einem Gendersternchen angesprochen zu werden, wenn ich doch überall „weiblich“ angebe?
Einfache Antwort: Weil ichs kann!
Ich habe zwar kein Problem damit, offiziell überall als Frau zu gelten, aber ich definiere mich über dieses „Merkmal“ in etwa genau so viel, wie über meine Schuhgröße – wobei diese mein Denken im Alltag wahrscheinlich noch mehr beherrscht, weil es bei Größe 43 echt mau wird mit der Schuhauswahl… Kurz gesagt, es ist mir einfach nicht wichtig, welches Geschlecht man mir zuschreibt. An meinem Wesen, meiner Art und meinen Einstellungen würde ein anderes Geschlecht überhaupt nichts ändern. Genau so wenig, wie Haare färben oder ein neues Shirt.
Und genau das ist der Grund, warum ich mich über eine Ansprache mit * freue. Weil dieses Sternchen Möglichkeiten beinhaltet, mehr auszusagen als eine einzige Schublade es könnte.

Die Kategorie „Geschlecht“ (und damit Zusammenhängend auch die Kategorie „Sexualität“) ist in unserer Gesellschaft mit so viel Bedeutung aufgeladen, dass es schon fast lächerlich wirkt. Dabei ist das Geschlecht nur ein einziges Merkmal, welches einen Menschen beschreiben kann. Es käme ja mit Sicherheit keiner auf die Idee, einen Rasierer nur für Grünäugige anzubieten. Aber bei Frauen, ja da muss man sich natürlich regelrecht mit spezialklingen überschlagen… 😵
Diese Denkweise ist mir zutiefst zuwieder. Am Ende sind wir alle Menschen mit unzähligen Eigenschaften, die uns so ausmachen. Wenn irgendwer gerne eine dieser Eigenschaften bei mir abfragen möchte, dann bitteschön, soll er/sie/es/X gerne tun. Aber diese kleine Info sagt nichts über mich aus.
Wer mich mit einem Sternchen anspricht, der vermittelt mir den Eindruck, dass er/sie/es/X das versteht und räumt mir die Möglichkeit ein, mich auch über andere Parameter zu identifizieren. Wenn ich mit einem * angesprochen werde, werde uch also als ganzer Mensch angesprochen und nicht „nur“ als Frau, was auch immer das ausmacht (dazu gibt es ja ohnehin genug Vorstellungen).

Das ist der Grund, warum ich mich also gefreut habe.
Vermutlich ist das eine recht eigenwillige Interpretation dieses Stilmittels und entspricht wohl keinesfalls der gängigen Verwendungsweise dieses kleinen Zeichens (zur Diskussion lade ich hiermit herzlich ein!) Das wird aber definitiv nichts daran ändern, dass ich weiterhin froh darüber sein werde, wenn ich gesternchent werde.
Und damit wäre dieses Mysterium wohl hoffentlich geklärt ^^.

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2 Kommentare zu „I bims, 1 Hannibällchen…

  1. Ich finde die Definition (oder eben auch Nicht-Definition) sehr spannend. Bringt mich auch zum Nachdenken, denn ich würde mir eine Gesellschaft wünschen, die Menschen als Menschen wahrnimmt (und nicht in Kategorien wie „du magst Schuhe, du mußt eine Frau sein“ oder noch schlimmer: „Du bist eine Frau, du hast einen Schuhtick zu haben!“). Insbesondere angesichts der vor wenigen Tagen veröffentlichten Zahlen, nach denen Deutschland als drittschlechtes europäisches Land dasteht, was die Gehaltsunterschiede zwischen Mann und Frau angeht! Ist eh so paradox: Frauen verdienen weniger, geben aber mehr für Kosmetik aus. Durchschnittlich jedenfalls (gibt ja auch Frauen* – ja, extra verwendet 😉 – die kein Make-up verwenden, aber die sind eher in der Minderzahl). Und mich nerven diese Klischees enorm. In den letzten Monaten und vielleicht Jahren kommen mir die immer öfter unter, scheint mir. Rosa für Mädchen, blau für Jungs. Modebewußtsein für Frauen, Autoliebhaberei für Männer. Ja, mag sein, daß die Mehrheit der Männer* und Frauen* „so tickt“ – aber in letzter Zeit habe ich immer mehr das Gefühl von Ausschlußkriterien. Wenn das so weitergeht, sind wir bald wieder bei „waaaas, du traust dich, eine Hose zu tragen, obwohl du eine Frau bist?“

    Diese übertriebenen Klischees nehmen Menschen auch manchmal die Motivation, sich außerhalb ihrer Schublade mit Dingen zu beschäftigen. Ein Mann*, der heute einen Rock trägt, wird gleich als „mutig“ betitelt – auch wenns der Grufti- oder Metaller- oder Schottenrock ist und ganz eindeutig kein typisch weibliches Kleidungsstück. Selbst Männer* mit langen Haaren gelten vielfach noch als Exoten. Genau wie Frauen*, die sich für Autos interessieren oder mit Computern umgehen können, etc. Ja, wie gesagt, es kann sein, daß ein Großteil der Bevölkerung tendenziell diesen Klischees wenigstens teilweise entspricht (die entstehen ja nicht aus dem luftleeren Raum heraus). Was mich aber aufregt ist diese vermehrt auftretende… hm… „Exklusivität“. Als müsse man sich für X und Y interessieren, weil man sich als Mann oder Frau identifiziert, nur weil man das eben tut. Wir sind Menschen! Ich möchte mich als Frau sowohl für rosa als auch für blau interessieren dürfen, ohne von irgendeiner Seite abgeurteilt zu werden – entweder weil ich mich nicht klischeehaft für rosa interessiere, obwohl ich das doch „müßte“, oder auch von der anderen Seite: „Du bist doch so gegen ‚ausschließlich rosa‘, dann sei gefälligst exklusiv für blau!“

    Schreib mir gefälligst keiner vor, für was ich mich zu interessieren habe! *brumm* Ich bin ein Mensch, der zufällig Brüste hat. Dolle Wurst. Das ist keine persönliche Leistung, sondern ziemlicher Zufall.

    Ach, ich hör besser auf 😀 Jedenfalls: danke für die Erklärung, auch wenn du die niemandem deiner Leser schuldig bist 🙂

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  2. ^^ bitteschön, gern geschehen und ich kann nur zustimmen:“ Ich bin ein Mensch, der zufällig Brüste hat“ (obwohl ich die Dinger weiß der Geier nun wirklich nicht brauchen würde… Aber Noelana scheinen sie zu gefallen, also was solls… 😉) spricht mir ziemlich aus der Seele. Das und die Tatsache, dass es viel zu wenig Männer in Röcken gibt. Männer in Röcken sehen größtenteils verdammt gut aus! 😂

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