Hallo ihr Lieben ,

und hier melde ich mich zurück von der Punktion.
Dieser Tag in kurz: Mir gehts soweit gut und ich bin zuhause. Vier reife und eine evtl. unreife Eizelle konnten punktiert werden. Transfer ist entweder am Montag, oder am Mittwoch. Morgen um 9:00 Uhr erfahren wir, wie viele sich befruchten lassen haben. Und nun die Langfassung:

Heute ging es richtig früh los bei uns, da wir bereits um 8:00 Uhr in der Klink sein sollten und das war bereits der „späte“ Zeitpunkt. Nach dem Ultraschall am Donnerstag wurde mir telefonisch mitgeteilt, dass ich noch am Abend die beiden Bevactid-Spritzen (insgesamt 10.000 Einheiten) zur Auslösung des Eisprungs und noch einmal Puregon 150 spritzen solle. Erst hieß es, das Bevactid müsse ich um 22:00 Uhr nehmen, damit ich am Freitag um 7:00 Uhr in der Klinik sein kann. Auf meine Nachfrage, ob ich auch ein wenig später kommen könne, erfuhr ich, dass am Freitag drei Frauen zur Punktion angemeldet sind und ich, wenn ich als letzte dran käme auch erst um 23:00 Uhr spritzen und dafür um 8:00 Uhr erscheinen könnte.

Leider fahren die Züge auf der Strecke um die Uhrzeit so doof, dass wir entweder um 6:30 Uhr, 7:15 Uhr oder 8:15 Uhr da sein könnten, das recherchierten wir allerdings erst hinterher. Das bedeutete, dass wir, obwohl wir erst um 8:00 Uhr da sein mussten, bereits um kurz nach 6:00 Uhr in den Zug steigen mussten und demnach um 5:00 Uhr unser Wecker klingelte. Mir persönlich machte das herzlich wenig aus – war ich doch bereits seit 1:00 Uhr wach und konnte nicht mehr schlafen. Das Hannibaellchen litt aber sehr unter dem Schlafmangel und machte so im Zug noch ein ausgibiges Nickerchen. In der Klinik angekommen mussten noch kurz die Unterschriften auf der ICSI/IVF-Einwilligung erneuert werden und dann ging es auch schon in das Tagesklinikzimmer. Dafür mussten wir uns im Stationszimmer melden.

Dort traffen wir auf den Ehemann einer der beiden Mit-OP-Frauen und es kam zu einer etwas skurilen Situation: Er verlangte (auch in einem solchen Ton) zu wissen, wo die nächste Toilette zu finden sei. Als er darauf erfuhr, dass er auf die Besucher*innentoiletten zwei Stockwerke tiefer zu gehen hätte, da dies die gynäkologische Station sei und es hier nur Frauen*toiletten gäbe, passte ihm die Aussage garnicht. Er gab an, er sei Patient der Station und begründete dies damit, dass seine Frau hier liegt. Dann sagte er ihm sei schlecht und er bräuchte dringend eine Toilette in der Nähe, woraufhin er ausnahmsweise in die Patientinnen*toilette gelassen wurde. Hier verlagte er erneut in einem sehr befehlenden Ton nach Medikamenten gegen sein unwohlsein. Die Pflegerinnen* waren sichtlich überfordert mit der Situation und entschuldigten sich dann bei uns über die Unernehmlichkeiten. Wir wunderten uns sehr über das Auftreten und waren schon etwas ob dessen Dreißtigkeit genervt. Das sollte sich später jedoch aufklären…

Naja, im Zimmer angekommen trafen wir auf die beiden anderen Patientinnen. Beide sehr nett, eine etwas nervöser als die Andere, weshalb kaum Worte gewechselt wurden. Nach einer halben Stunde wurde jedoch die Nervösere von beiden bereits in den OP gebracht und zwischen meiner Frau, der anderen Patientin und mir entwickelte sich ein nettes Gespräch. Wir hatten alle Drei mit einer Art „Maßenabfertigung“ gerechnet und wunderten uns deshalb, dass es doch recht lange (eine dreiviertel Stunde) dauerte, bis auch die zweite Frau abgeholt wurde. Eine weitere dreiviertel Stunde später erhielt ich eine Beruhigungstablette und um ca. 9:45 Uhr wurde dann auch in Richtung des Operationssaals gebracht. Zu diesem Zeitpunkt trug ich nur noch ein Krankenhausnachthemd, Trombosekniestrümpfe und ein Haarnetz unter meiner Bettdecke. An einer „Schleuse“ angekommen wurde dann die Bettdecke gegen eine vorgewärmte (das war schön) Wolldecke ersetzt und ich sollte mich unter dieser vollständig ausziehen. Anschließend musste ich mit der Decke über mir über eine Art „Tischfläche“ robben und mich auf der anderen Seite auf die OP-Liege legen. So wurde ich dann ins Zimmer des Narkosearztes verbracht. Die anwesenden Personen waren durchweg sehr nett, scherzten und fragten und es entstand eine Art SmalTalk-Gespräch. Die nächsten ca. 20 Minuten brachte ich im Wachen Zustand in diesem Raum zu und wurde Zeugin davon, wie immer mehr Kabel und Schleuche an mich angeschlossen wurden – ein Langzeit-Blutdruckmessgerät, eine Fingerklemme (keine Ahnung für was), Elektroden an Kopf und Oberkörper, ein Venenzugang (dieses Mal unter Zuhilfenahme eines Ultraschallgeräts, hat aber trozdem weh getan), und zu guter letzt eine Atemmaske, über welche dann auch das Narkosemittel verabreicht wurde. Ich erinnere mich noch daran zweimal tief eingeatmet zu haben und dann war ich endlich weg.

Eineinhalb Stunden später wurde ich im Aufwachraum geweckt. Nach fünf Minuten war ich dann auch schon wieder komplett da, bat darum, dass mein Bett-Kopfteil erhöht wird und ich ein Glas Wasser trinken dürfe. All dies führte dazu, dass die Pflegerin* kurz nach meinem Aufwachen schon zum Telefonhörer griff und mich wieder auf das Tagesklinikzimmer verlegen ließ. Dort warteten bereits die beiden anderen Frauen*. Ich ging mit einer Pflegerin* zur Toilette und zog mich anschließend schon wieder an. Zu dieser Zeit kamen wir nun auch mit der vorher so nervös wirkenden Frau ins Gespräch. Da erfuhren wir, dass es ihr Mann war, den wir draußen vor dem Stationszimmer getroffen hatte und dieser bereits seit einigen Tagen mit Übelkeit kämpfte. Er war noch kurz bevor seine Frau in den OP gebracht wurde zusammengebrochen und seitdem hatte sie keine Informationen mehr von ihm bekommen. Das erklärte nun zum einen ihre Nervosität (und weshalb sie vor der OP kaum mit uns gesprochen hatte) und zum anderen das doch sehr seltsame Verhalten ihres Mannes. Später erfuhren wir, dass er in die Intensivstation verbracht wurde und dort mit nicht mehr messbarem Überzucker kämpft.

Nach einiger Wartezeit wurde uns erlaubt gemeinsam in die Räumlichkeiten der Kinderwunschsprechstunde zu gehen. Dort sprachen wir nacheinander mit dem behandelden Arzt, von welchem ich erfuhr, dass alle vier inzwischen reifen Eizellen punktiert werden konnten und sogar noch eine fünfte gefunden wurde, welche aber vermutlich noch nicht reif ist. Die beiden anderen Frauen hatten mit 15 bzw. 20 Eizellen bei gleicher Stimulation und höherem Alter eine sehr viel bessere Ausbeute, aber so ist das nunmal. Ich bin froh, dass alle vier Eizellen punktiert werden konnten. Die Eizellen werden nun befruchtet und morgen um 9:00 Uhr dürfen wir im Labor anrufen, um die Befruchtungsrate zu erfahren. Je nachdem, wie viele Eizellen sich befruchten ließen, findet der Transfer am Montag, oder am Mittwoch statt. Sollten alle vier Eizellen (oder vielleicht sogar fünf) durchkommen, werden diese bis Mittwoch kultiviert und mir werden die Vielversprechensten im Blastozystenstatus eingesetzt. Sollten nur drei oder weniger überleben, wird der Transfer am Montag stattfinden, da dann eine weitere Kultivierung außerhalb des Körpers keinen Sinn macht. Ich hoffe also auf Mittwoch – nicht nur, weil das heißen würde, dass wir tatsächlich vier kultivierte Eizellen hätten, sondern auch weil ich Montag einen vollen Arbeitsterminkalender habe und Mittwoch mein sowieso freier Tag wäre…

Nach diesem Gespräch mussten wir Drei erneut in das Tagesklinikzimmer, wo wir anschließend ca. eine Stunde auf eine*n Narkosearzt/Narkoseärztin warteten, welche uns entlassen würde. Als diese endlich kam, unterschrieb sie in zwei Minuten die notwendigen Formulare und bestellte uns zum Stationszimmer, um die Venenzugänge ziehen zu lassen. Dort fand allerdings gerade die Übergabe statt, weshalb wir erneut warten mussten. Um ca. 14:30 Uhr durften wir die Klinik wieder verlassen. Eine sehr gute Freundin holte das Hannibaellchen und mich mit ihrem Auto ab, so dass ich mit den doch vorhandenen Schmerzen nicht im Zug nach Hause fahren musste. Zum Dank luden wir sie zum Essen beim Inder ein, von wo wir gerade heimgekommen sind.

Alles in Allem verlief der Tag für die Ausgangslage (nur vier Eizellen) genauso gut wie erhofft. Nun heißt es Daumendrücken für den Anruf morgen um 9:00 Uhr und auch dazu werde ich euch ein Update geben… Also bis dahin 😉

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