Hallo ihr Lieben ,

heute möchte ich euch von einem vollständig anderen Thema berichten, als all die Wochen zuvor. Ich möchte hier weder über Politisches, noch über Alltägliches schreiben, es folgt kein 12von12 (obwohl heute zufälligerweise der 12te ist ^^) und auch über unsere Deutsche Bürokratie kotze ich mich nicht aus. Dieser – vermutlich extrem überlange Blogeintrag – beschäftigt sich… da da daaaaa: Mit dem Hummelchen! Ja, ihr vermutet richtig, es geht weiter:

Vom Hannibaellchen und mir war ja schon immer angedacht gewesen, uns im Sommer/Spätsommer diesen Jahres weiter mit der Hummelchenplanung zu beschäftigen. Anfang diesen Monats rief ich deswegen im Uniklinikum Würzburg in der Frauenklinik an und vereinbarte einen Termin zum Vorgespräch für eine IVF-Behandlung. Telefonisch wurde mir mitgeteilt, dass von mir noch ein aktueller PAP-Test (Krebsabstrich) fehlt und ich außerdem von meinem Frauenarzt* noch eine Bestätigung über ein Aufklärungsgespräch zur Kinderwunschbehandlung benötige. Ich vereinbarte natürlich sofort einen Termin bei meinem Frauenarzt und eine Woche später saßen das Hannibaellchen und ich morgens um 7:00 Uhr im Besprechungszimmer meines Gynäkologen* (wir hatten ja damals kurz nach der letzten Kappeninsemination noch einmal die Klinik gewechselt). Ohne viel Aufhebens darum zu machen, erhielten wir besagte Bestätigung und auch der Abstrich wurde gemacht, wobei mir schon gesagt wurde, dass der Abstrich eher unwahrschienlich bis zum Termin heute ausgewertet sein würde und das war nun auch der Fall.

Ich fuhr also ohne die Ergebnisse des PAP-Tests, dafür aber mit meiner besten Freundin heute morgen um 10:00 Uhr Richtung Würzburg. Das Hannibaellchen hatte heute leider eine wichtige Teamsitzung und konnte deshalb nicht mitkommen. Natürlich war auf der Autobahnstrecke wieder Stau und ein Unfall, weshalb wir trotz unseres überpünktlichen Aufbrechens eine viertel Stunde zu spät in der Klinik eintrafen. Das war jedoch nicht weiter schlimm, denn wir mussten sowieso noch eine weitere halbe Stunde warten, bevor wir von einer sehr netten, jungen Ärztin* ins Behandlungszimmer gebeten wurden. Nachdem ich darüber aufgeklärt hatte, dass meine Begleitung eine, aber nicht meine Freundin ist, erfuhr ich unschöne Neuigkeiten. In den letzten vier Monaten, seit unserem letzten Besuch, hat wohl die Frauenklinikleitung gewechselt und der neue leitende Arzt* ist mit der Behandlung von Frauenpaaren, wie sie bis zu diesem Zeitpunkt durchgeführt wurde, nicht vollständig einverstanden. Wie ich ja schon häufiger erzählt hatte, befinden sich Kliniken, die homosexuelle Paare behandeln in einer Art Grauzone. Da ein Kind, welches in eine eingetragene Lebenspartnerschaft hineingeboren wird, nicht automatisch zwei Elternteile hat, sondern erst vom nicht leiblichen Elternteil adoptiert werden muss, gibt es eventuell die Möglichkeit die behandelnde Klinik auf Unterhalt zu verklagen. Das kam noch nie vor, aber da es rechtlich eben theoretisch möglich wäre, rät die Bundesärztekammer von einer Behandlung von Frauenpaaren generell ab. Über diesen Weg denkt wohl nun auch das Uniklinikum Würzburg mit seiner neuen Leitung nach. Derzeit wird neben uns nur ein weiteres Frauenpaar im Uniklinikum behandelt und diese erhalten lediglich eine IUI. Die Risiken bei einer IVF sind viel höher als bei einer IUI und in meinem Fall soll eine IVF durchgeführt werden, ohne dass eine Fruchtbarkeitseinschränkung nachweislich vorhanden ist. Ich wähle also freiwillig einen risikoreicheren Weg als evtl. nötig wäre und das scheint der Klinikleitung nicht so ganz zu passen, obwohl meine behandelden Ärzte meine Entscheidung als sinnvoll und notwendig erachteten. Das alles erzählte mir diese junge Ärztin und man sah ihr dabei an, wie unangenehm ihr das ganze Gespräch war und wie traurig es sie selbst machte, hinter solchen Richtlinien stehen zu müssen. Ich fragte sie dann, ob es rein theoretisch denkbar wäre, dass unsere Behandlung während der Durchführung (also wärend der Stimulation, oder während noch Kryo-Eizellen eingefrohren sind) durch die Klinik abgebrochen werden könnte. Das konnte sie uns leider nicht entschieden verneinen. Dennoch machte sie deutlich, dass sie nicht davon ausgeht, dass so etwas geschehen wird und versicherte auch, dass ihr Team und sie hinter uns stehen würden. So unerwartet und schrecklich diese neue Entwicklung für mich war, so schön fand ich die ehrliche Anteilnahme, welche ich von der Ärztin* erfuhr.

Der nächste Teil des Gespräch war dann schon etwas erfreulicher. Nun war konkret die durchzuführende Behandlung Thema. Die Ärztin klärte mich darüber auf, dass die Klinik gerne ein kombiniertes Verfahren aus IVF und ICSI durchführen möchte (IVF = In-vitro-Festilisation = zusammenbringen von Eizelle und Sperma in einer Nährlösung; ICSI = Intrazytoplasmatische Spermieninjektion = einsetzen einer vorbereiteten Samenzelle in eine Eizelle). Es werden jedoch lediglich die Kosten einer IVF abgerechnet. Was genau an diesem Verfahren nun kombiniert ist, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Da die Erfolgsaussicht bei einer ICSI auf befruchtete Eizellen jedoch höher als bei einer IVF ist und wir nicht mehr zahlen müssen, finde ich diesen Weg grundsätzlich gut. Die so befruchteten Eizellen werden anschließend zwei bis sechs Tage kultiviert, je nachdem wie viele gewonnen werden konnten und wie gut deren Qualität/Entwicklung verläuft. Die Ärztin* geht jedoch aufgrund meiner Vorgeschichte davon aus, dass eine längere Kultivierung (bis zu fünf Tage) möglich sein dürfte und ich so Blastozysten eingesetzt bekommen kann. Bei länger kultivierten Embryonen ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass diese sich auch in der Gebärmutter gut entwickelt können. Andererseits sterben evtl. Embryonen ab, welche sich in der Gebärmutter gut entwickelt hätten, durch die Kultivierung außerhalb des Körpers. Da jedoch maximal sechs Blastozysten kultiviert und anschließend kryokonserviert (eingefroren) werden können und davon ausgegangen werden kann, dass nach der Stimulation mehr als sechs Eizellen befruchtet werden können, ist ein Schwund von ein paar Eizellen verkraftbar. Sollte sich herausstellen, dass weniger Eizellen entnommen werden können, oder dass die entnommenen Eizellen sich in der Nährflüssigkeit nicht gut entwickelt, würden mir schon nach zwei bis drei Tagen die Eizellen eingesetzt bzw. eingefrohren werden.

Eine schwere Entscheidung für das Hannibaellchen und mich war diesbezüglich, ob ich mir eine oder zwei Eizellen einsetzen lassen soll. Die Klinik setzt standardmäßig zwei Eizellen ein und erzielt damit gute Erfolge, da die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit so im Gegensatz zu nur einer eingesetzten Eizelle, deutlich erhöht ist. Natürlich steigt damit aber auch das Zwillingsrisiko. Das Hannibaellchen und ich fühlen uns etwas überfordert mit der Vorstellung Zwillinge zu bekommen und auch unsere Wohnverhältnisse sind für zwei Hummelchen eher suboptimal. Dennoch haben wir uns nun nach einigem Überlegen für das Einsetzen von zwei Eizellen entschieden, um die Wahrschienlichkeit überhaupt schwanger zu werden, zu erhöhen.

Sehr positiv reagierte die Ärztin auf meine große Abnahme (seit 01. Januar 23kg, seit dem letzten Besuch in der Klinik 15kg). Sie vermerkte das neue Gewicht und erzählte, dass sie erst vor Kurzem bei der Klinikleitung einbrachte, dass sie gerne Unterstützungsangebote für übergewichtige Frauen* mit Kinderwunsch in der Frauenklinik anbieten würde. Ganz interessiert fragte sie mich, wie ich diese Idee fände und was mir bei meiner Abnahme geholfen hat bzw. geholfen hätte. Auf jeden Fall möchte ich bis zum Eingriff noch weitere Kilos loswerden, aber bis jetzt hat das ja immer ganz gut geklappt!

An diesem Punkt hielt die Ärztin* das Gespräch schon für beendet und wollte mich in die Hände einer Krankenpfelgerin* übergeben, welche mir Blut abnehmen sollte. Ich wies sie aber sofort darauf hin, dass Blutabnehmen bei mir eine sehr heikle Sache und nicht leicht ist. Daraufhin beschloss sie, dies selbst zu übernehmen und fragte auch gleich, ob es schon einmal an meinem Fuß probiert worden sei. Es freute mich sehr, dass sie mich nicht nur mit meinen Vorerfahrungen ernst nahm, sondern sogar einen konstruktiven Vorschlag machte, welchen wir dann auch in die Tat umsetzten. Am Fuß traf sie auch tatsächlich eine Vene und konnte so zwei der !vier! Ampullen einigermaßen gut füllen. Leider versiegte dann der Blutstom und so versuchte sie es doch am Handgelenk (an der Ellenbeuge hat man bei mir keine Chance). Nachdem auch dort ein paar Tröpfchen, aber nicht genug flossen, wechselte sie doch wieder zum Fuß zurück. Fünf Stiche, viele Nerven und einen Kreislaufzusammenbruch später, hatten wir wirklich vier Ampullen mit meinem Blut voll, welche auch sofort ins Labor wanderten. Leider weiß ich nicht genau, was nun genau mit dem Blut angestellt werden soll. Meine Schilddrüsenwerte sollen wohl nochmals geprüft werden (waren letztes Mal nicht ganz im Normalbereich) und außerdem sollen Chlamydien getestet werden. Was mit den anderen beiden Ampullen geschieht, weiß ich nicht, werde es aber spätenstens dann erfahren, wenn ich die Rechnung erhalten habe. Anschließend ging es auch schon wieder in die Heimat zurück.

Gerade eben haben das Hannibaellchen und ich uns sämtliche Formulare und Verträge zu Gemüte geführt. Neben dem IVF/ICSI-Vertrag, müssen wir einen Vertrag über die Kryokonservierung der Eizellen, einen Aufklärungsbogen zur Blastozystenkultur, eine EInwilligung zur durchführung von IVF und ICSI, sowie eine Kostenübernahmeerklärung unterschreiben. Außerdem hatte mir die Ärztin eine vorsichtige Einschätzung darüber, welche Medikamente ich vermutlich nehmen muss, mitgeteilt. Ein genauer Medikamentenplan wird erst erstellt, wenn sämtliche Unterlagen von mir bereitliegen. Vermutlich muss ich Puregon zur Follikelstimmulierung und Orgalutran zur Unterdrückung des Eisprungs nehmen. Mit Brevactid 5000  soll der Eisprung anschließend ausgelöst werden. Außerdem wird evtl. auch noch Menogon stimuliert, falls es benötigt wird. Nach dem Einsetzen der Eizellen muss ich vermutlich erneut Progesan nehmen, aber das kenne ich ja bereits. Alles in allem rechnen das Hannibaellchen und ich mit Medikamentenkosten zwischen 1200 – 1800 Euro, je nachdem wie viel ich von den jeweiligen Medikamenten benötige. Wir werden versuchen die Medikamente im Ausland (in Frankreich) zu bestellen, wo sie noch einmal günstiger sein sollen. Dazu werde ich jedoch vorher (wenn ich meinen genauen Medikamentenplan habe) genauere Recherchen anstellen und euch natürlich auch daran teilhaben lassen. Jetzt heißt es erst einmal Verträge unterzeichnen und zur Klinik schicken, PAP-Test-Ergebnisse vom Frauenarzt bekommen und zur Klinik schicken und dann weitersehen.

Mit dieser neuen Entwicklung wurde uns nun zumindest die Entscheidung, ob wir im August, oder im September mit der Behandlung starten wollen, abgenommen. Während der Arzt* vor vier Monaten noch zu uns meinte, dass es völlig reiche, wenn wir uns zwei Wochen vor dem gewünschten Zyklus bei ihm melden, verlangt die neue Klinikleitung weitere Untersuchungen (deshalb zb. die Blutabnahme), was nun natürlich unseren Anfangszeitpunkt nach hinten verschiebt. Ich gehe dennoch davon aus, dass wir im September wirklich in unsere IVF/ICSI starten können.

Und so blicke ich mit einem lachenden Auge (weil es endlich weiter geht) und einem weinenden Auge (weil wir erneut Steine in den Weg gelegt bekommen) in die Zukunft und hoffe, dass dieses ganze Theater für uns bald Geschichte sein wird und wir die nächsten vielen 1000 Euro in das Werden eines kleinen Hummelchens stecken dürfen.

In diesem Sinne, liebe Grüße
Eure Noelana

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