Hey ihr Lieben ,

gestern war es so weit. Dieser Blog hier feierte still und leise seinen ersten Geburtstag. Das möchte ich nutzen, um einen kurzen Rückblick zu geben. Wo standen wir damals, wo stehen wir heute und wie wird es nun weitergehen?

Vor ziemlich genau einem Jahr wurde beim Hannibaellchen und mir der Wunsch nach gemeinsamen Kindern also konkreter. Wir waren damals beide noch Studentinnen, aber ich (als Masterstudentin) konnte bereits in meinem Beruf arbeiten und brachte so das erste selbstverdiente Geld mit nachhause.  Animiert von der etwas besseren finanziellen Situation und mit dem wissen, dass sich diese innerhalb des nächsten Jahres weiter entschärfen würde, beschlossen wir auch ohne größere Rücklagen mit der Babyplanung zu beginnen. Das Thema war damals nicht neu für uns und wir hatten uns interessehalber schon längst über die unterschiedlichen Methoden, welche lesbischen Paaren offen stehen, informiert und uns auch schon geeinigt: eine Kinderwunschbehandlung in einer Klinik mit anonymen Spendersamen sollte es sein. Unsere Gründe für diese Entscheidung habe ich ja schon häufiger hier angesprochen. Wir vereinbarten ein Gespräch bei einem Müncher Arzt, welcher Inseminationen bei Frauenpaaren durchführt und eine eigene Samenbank betreibt, machten einige Voruntersuchungen beim Frauenarzt und ich beschloss unseren Weg zum Wunschkind auf diesem Blog hier festzuhalten. Vor allem ich war damals sehr euphorisch und das Thema nahm demnach bei mir auch sehr viel Raum ein.

Im August fand dann der erste Versuch statt – negativ. Der zweite Versuch im September und der Dritte im Oktober blieben ebenfalls negativ. Als dann auch der vierte Versuch im November nicht zu dem gewünschten Erfolg führten, ging dem Hannibaellchen und mir schlicht und ergreifend das Geld aus. Wir konnten uns keinen fünften Versuch leisten, zumindest nicht sofort. Mit dem festen Gedanken im nächsten Jahr weiter zu machen, meldeten wir der Klinik, dass wir eine Pause bräuchten und den nächsten Zyklus aussetzen würden. Dieser Monat gab uns viel Zeit um über die Situation nachzudenken. Meine Bedenken bezüglich einer eventuellen eingeschränkten Furchtbarkeit blieben von der Müncher Klinik ungehört, weitere Untersuchungen sollten somit nicht stattfinden. Das war schlussendlich auch der Grund für uns, die Klinik zu wechseln. Im März 2017 hatten wir dann einen Termin im Uniklinikum Würzburg zur Besprechung unserer Situation. Die Ärzte dort bestätigten mich sofort in meinen Bedenken und in den nächsten Wochen wurde eine Hormonuntersuchung und eine Eileiterdurchlässigkeitsprüfung – beides auf Kassenleistung – gemacht. Wir entschieden uns für eine IVF-Behandlung im Uniklinikum. Aufgrund der damit verbundenen sehr hohen Kosten, blieb uns aber erneut nichts anderes übrig, als Geld zu sparen zu warten und genau an diesem Punkt stehen wir noch immer. Inzwischen ist es Ende Juni 2017, ein Straw Sperma unseres Spenders hat die Reise nach Würzburg angetreten und wurde dort eingelagert. Im August/September soll die IVF stattfinden, je nachdem, was unser Geldbeutel bis dahin sagt. Es geht also voran, auch wenn wir vor einem Jahr nicht damit gerechnet hätten, wie langwierig und vor allem teuer der Kinderwunsch für uns wird, aber: Wir geben nicht auf, bleiben dran und werden auch weiterhin unseren Weg mit euch teilen!

Ok, gut: Wunschkind weiterhin in Arbeit – da hat sich also seit dem letzten Jahr nicht so viel geändert. In anderen Bereichen hat sich dem gegenüber sehr viel geändert, im Guten wie im Schlechten:

  • Hannibaellchen hat im Oktober 2016 erfolgreich eine Therapie abgeschlossen und kann seither besser mit ihrer Krankheit umgehen
  • Noelana hat im Dezember 2016 ihren Eltern von den Kinderwunschbemühungen erzählt, obwohl ihr das sehr schwer fiel
  • Noelanas ertes Buch erschien im Oktober 2016 und hat recht gute Verkaufszahlen erwirtschaftet
  • Noelana (im Februar 2017) und Hannibaellchen (im April 2017) haben ihr Studium beendet
  • Noelana (im April 2017) und Hannibaellchen (im Mai 2017) haben Festanstellungen gefunden
  • Hannibaellchens Mutter ist im Februar 2017 verstorben
  • Hannibaellchens Vater hat nach einem Selbstmordversuch im Mai 2017 einen Klinikaufenthalt hinter sich und zieht im Juli 2017 bei Hannibaellchen und Noelana ein
  • Hannibaellchens und Noelanas Kater Capitaen ist im Juni 2017 verstorben
  • Hannibaellchen und Noelana haben im Juni 2017 einen neuen Kater (Jeyjey) aufgenommen, damit ihre Katze nicht ganz alleine ist
  • Noelana hat seit Januar 2017 22kg abgenommen
  •  Hannibaellchen und Noelana hatten im April 2017 ihren zweiten „Verpartnerungs-Jahrestag“
  • Noelana hat im Mai 2017 die Zusage eines Promotionskollegs erhalten und darf nun ganz offiziell promovieren
  • Hannibaellchen hat seit Herbst 2017 fast 20kg abgenommen
  • Hannibaellchen hatte im Herbst 2017 eine schwere Gallenoperation

Leider fällt die endgültige Bilanz für das letzte Jahr somit eher schlecht aus. Natürlich sind tolle Sachen passiert und es geht eindeutig aufwerts bei uns beiden. Wir stehen nun fest im Leben und haben, wie mein Bankberater mit gestern mitteilte, inzwischen ein „überdurchschnittliches Einkommen“, aber Geld und Job sind eben nicht alles. Vor allem emotional sind in den letzten Monaten viele Dinge passiert, die noch lange benötigen werden, bis wir sie vollständig aufarbeiten können. Morgen holen wir Hannibaellchens Papa aus dem Krankenhaus ab und dann wird er erst einmal vorübergehend bei uns wohnen. Das ist keine schöne Lösung und wir sind alle eher unglücklich damit, aber eine Alternative gibt es nicht. Das heißt für uns, dass auch jetzt keine Ruhe bei uns einkehren wird, sonder weiter Ausnahmezustand herrscht. Nun, irgendwie wird es weitergehen…

Wir halten euch diesbezüglich natürlich auf dem Laufenden!
Liebe Grüße!

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