Guten Morgen ihr Lieben ,

heute habe ich endlich Zeit euch von einem Thema zu berichten, das mich seit einem halben Jahr nicht loslässt. Damals meine Rettung, jetzt einfach nur noch nervig. Regelmäßig finde ich einen Haufen an Briefen in meinem Briefkasten und regelmäßig ist das, was in diesen Steht absoluter Rotz… Ja, ihr ratet vermutlich schon richtig, ich will vom Jobcenter erzählen -.-

Wie ja alle die meinen Blog verfolgen wissen, hatten das Hannibaellchen und ich Anfang des Jahres massive Geldprobleme. Bei meinem alten Job, der nur eine Krankheitsvertretung war, lief der Vertrag aus, das Hannibaellchen studierte und wir hatten Schulden bei zwei Freund*innen (welche uns bei unserem Babywunsch unterstützt hatten). Trotz exzessiver Suche fand ich nicht sofort ab Januar eine Neuanstellung und war damit faktisch arbeitslos – leider jedoch nicht auf dem Papier, denn meine Masterarbeit war zu dieser Zeit noch nicht fertig korrigiert, weshalb ich offiziell noch Studentin war. Meine Dozentin ließ sich doppelt so viel Zeit mit der Kontrolle wie vorgegeben und so erhielt ich trotz mehrmaliger Nachfrage meine Note erst Mitte Februar und nicht so, wie vereinbart Mitte Dezember. Student*innen sind aber vom Bezug von Transferleistungen wie Arbeitslosengeld I oder II ausgeschlossen. Unser einziges Einkommen zu dieser Zeit bestand somit aus den 480 Euro monatlich, welche das Hannibaellchen in ihrem Nebenjob verdiente. Über die Runden kamen wir nur durch die Hilfe unser Freund*innen und meiner Eltern, wobei ich letztere sehr ungerne in Anspruch nahm. Mitte Februar war sie dann endlich da, meine Note. Bis zur Zeugnisausstellung und damit verbundenen Exmatrikulation wäre jedoch bestimmt noch ein weiterer Monat vergangen, weshalb ich im Studienbüro veranlasste, dass ich vorzeitig aufgrund bestehen aller Prüfungsleistungen exmatrikuliert werde. Mit der Bestätigung hierrüber konnte ich es endlich tun – Jobcenterleistungen beantragen. Nun gehört bei mir als Sozialpädagogin schon fast zu den Standardvorgängen mit meinem Klientel Transferleistungen zu beantragen. Also hielt sich mein Respekt vor dieser Tätigkeit sehr in Grenzen.

Zusammen mit dem Hannibaellchen, meinem Perso und einem Lebenslauf (mehr wird zur Erstantragstellung nicht benötigt) ging es also schon am nächsten Tag frühmorgens zur Hauptstelle des Jobcenters unserer Stadt. Ich kannte das Gebäude, ich kannte den Vorgang, ich kannte den dort gepflegten Umgang mit Menschen und dennoch war es für mich ein Schock das ganze Trauerspiel an der eigenen Haut zu erfahren. Stellt euch eine Eingangshalle mit sieben Schaltern vor. Vor zwei dieser Schalter befindet sich eine riesige Schlange, während die anderen fünf vollständig menschenleer sind und das, obwohl fast alle Schalter besetzt sind. Klingt komisch – war aber so. Das liegt daran, dass von diesem sieben Schaltern nur drei für das Jobcenter und die anderen vier für die Arbeitsagentur sind. Natürlich hat die Arbeitsagentur sehr viel weniger Kund*innen als das Jobcenter, vor allem Morgens um 09:00 Uhr. Dennoch sind von den fünf Arbeitsagenturschaltern drei besetzt, während von den sowieso nur drei Jobcenterschaltern nur zwei genutzt werden können. Wir warteten also etwa eine halbe Stunde, bis wir am Schalter überhaupt erst kundtun durften, was wir hier wollten. Dabei muss sich jede Person, auch wenn sie einen Termin hat, an diesen Schaltern anmelden, nicht nur jene welche zur Erstantragstellung ohne Termin erscheinen. Schon an dieser Stelle war der ganze Besuch für mich gelaufen. Für mich macht diese ungerechte Schalteraufteilung nur dann Sinn, wenn ein Hintergedanke à la „Ach, diese arbeitslosen Menschen haben doch eh nix zu tun, da können die auch was länger warten. Da können wir uns Personal sparen!“ im Raum stand. Nun, irgendwann waren wir dann tatsächlich dran, konnten mitteilen, warum wir hier sind und seltsamerweise auch wirklich die benötigten Unterlagen (war ja nur der Lebenslauf) dabei hatten.

Wir wurden durchgewinkt, vorbei an !drei! Security-Menschen, die sichtlich noch nicht einmal um ein freundliches Auftreten bemüht waren und hinein in ein großes Wartezimmer. Nun, Wartezimmer ist vielleicht die falsche Beschreibung. Es handelte sich nämlich um einen riesigen rechteckigen Raum, welcher viel länger als breit war, dessen hinterer Bereich mit halbhohen Trennwänden zu kleinen Büros abgetrennt war, wärend der fordere Teil als Wartebereich genutzt wurde. So früh am Morgen hatten wir gerade so noch Glück und ergatterten zwei leere Stühle, dennoch war der Raum schon extrem voll. Außerdem, und wie sollte es bei halbhohen Wänden auch anders sein, hörte man natürlich jedes Wort, welches in den „Büros“ gesprochen wurde. Datenschutz – Fehlanzeige. Das Hannibaellchen entdeckte dann auch noch ein riesiges, vom bayerischen Ministerium für keine Ahnung mehr war, herausgegebenes Plakat mit der Aufschrift: „Mein Schüler redet ständig von der Scharia – bloße Provokation, oder ernst zu nehmende Gefahr“ (ich kann nicht mit Sicherheit sagen, ob das der ganz genaue Wortlaut war, aber ich bin auf jeden Fall nah dran). Unabhängig vom extrem pauschalisierenden Wortlaut des Plakats, frage ich mich doch da: Was hat dieses Plakat im Wartebereich eines Jobcenters zu suchen? Gut, wieder ein bisschen aufgeregt und zwei oder drei Anwesenden bei ihren Ämtersachen (Antrag ausfüllen, Unterlagen durchsehen, etc.) geholfen (man hatte ja während des Wartens sonst nix zu tun) kamen wir nach ca. eineinhalb Stunden endlich an die Reihe. Der Sachbearbeiter* war dann auch ein ganz Netter. Dabei kam mir aber vermutlich mein Studium zu Gute. Der Kerl* wusste eben genau, dass ich (vermutlich) besser qualifiziert bin als er selbst und genau weiß, wie das ganze System funktioniert. Wir quatschten also ein wenig, er vermerkte meinen Lebenslauf im System, gab uns den auszufüllenden Erstantrag + benötigte Anlagen und einer Liste mit den mitzubringenden Unterlagen und es wurden zwei Termine für die endgültige Antragstellung bei meinen zuständigen Sachbearbeiter*innen vereinbart. Hätten wir nicht noch ein wenig geplaudert, hätte das Ganze keine zehn Minuten gedauert.

Nun hieß es Zuhause Antrag ausfüllen, Unterlagen kopieren (wobei ich das Meiste schon im Vorfeld kopiert hatte, weil ich ja bereits wusste, was benötigt wird) und auf den Termin in vier Tagen warten. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch 24 Jahre jung, weshalb ich der U25-Abteilung des Jobcenters zugeordnet wurde. Natürlich war mir auch das im Vorfeld schon klar gewesen und dennoch war ich eher unglücklich mit der Situation. Zum einen, weil sich die U25-Abteilung hauptsächlich mit Ausbildungssuche und Vermittlung in Hilfsjobs beschäftigt und eben keine seperate Akademiker*innenvermittlung vorhanden ist, vor allem aber, weil die U25-Abteilung hier in unserer Stadt den Ruf als die schwerfälligste und langsamste Abteilung von allen genießt. Nun, mit jede Menge Unterlagen bewaffnet, ging es dann also zu meinen beiden Terminen. Beim ersten sollten die Jobcenterleistungen fertig beantragt, beim zweiten meine „Beurfliche Situation“ besprochen werden. Nach kurzer Wartezeit waren wir auch schon an der Reihe. Meine Leistungssachbearbeiterin* war nett, aber leider völlig überfordert. Ich weiß nicht, ob sie neu war, oder einfach nicht gewohnt, dass jemand alle benötigten Unterlagen (sogar in Kopie!) dabei hat, aber ich musste ihr mehrmals helfen und erklären, was sie denn nun noch von mir benötigt und was sie schon hat. Dennoch waren wir viel schneller mit allem fertig, als vorgesehen. Die Sachbearbeiterin entschuldigte sich bestimmt drei Mal dafür, dass wir nun auf unseren zweiten Termin recht lang warten müssten und dann waren wir auch schon wieder draußen und saßen wieder im Wartezimmer. Unser nächster Termin wäre tatsächlich erst in eineinhalb Stunden gewesen, aber in der Jobvermittlungsabteilung konnte man uns zum Glück schon etwas früher dran nehmen. Dort gerieten wir ebenfalls an einen sehr netten Herren. Dieser teilte mir sofort mit, dass er eigentlich für die U18-jährigen zuständig sei und nur die Urlaubsvertretung für jemanden übernehme, weshalb er sich nicht so gut mit meiner Situation auskenne. Dennoch hatten wir ein nettes Gespräch miteinander, in welchem er irgendwann zu mir meinte: „Wenn ich ihre Qualifikationen hätte, würde ich nicht hier sitzen!“ Das ging natürlich runter wie Sahne 😉 . Er musste verpflichtend in seinem System nach mind. drei geeigneten Stellen für mich gucken, auf welche ich mich anschließend auch verpflichtend bewerben musste. Leider hatte ich mich auf so gut wie alle auf der Seite der Arbeitsagentur vermerkten Stellen bereits beworben, weshalb ich schlussendlich drei sehr ungeeignete Stellenausschreibungen mit Nachhause nehmen musste. Dennoch war ich von den Terminen positiv überrascht, weil ich das Gefühl hatte eher als Kollegin betrachtet worden zu sein.

Nach einer recht kurzen Wartezeit und täglichen Anrufen von mir bei einem Ex-Kollegen, welcher im Jobcenter arbeitet und für mich im Jobcenterprogramm nachsehen konnte, ob bereits Berechnungen angestellt wurden, erhielt ich dann auch tatsächlich meinen Bescheid und mir wurden Leistungen ab dem Tag meiner Hochschulexmatrikulation nachbezahlt. Kurz danach trafen hier auch schon die nächsten beiden Jobcenterbescheide in. Das Hannibaellchen (welche wegen ihrem Studium zwar als meine Partnerin, jedoch nicht als zur Bedarfsgemeinschaft zugehörig aufgeführt wurde), sollte den Arbeitsvertrag ihrer Nebenbeschäftigung einreichen und ich erhielt einen Termin bei meiner wirklich zuständigen Arbeitsvermittlerin. Auch zu diesem Termin begleitete mich das Hannibaellchen (sie reichte ihren Arbeitsvertrag persönlich ein, nachdem zweimaliges postalisches Einreichen nicht funktioniert hatte!!!) und wir waren erneut sehr positiv von meiner Arbeitsvermittlerin überrascht. Wir verstanden uns sofort super, ich erzählte von meinen Promotionswünschen und sie bereichtete, dass sie bereits im Vorfeld nach dem von mir geschriebenen Buch gegooglet und vom Thema begeistert sei. Mit diesem Termin war der Transferleistungsbezug endlich in trockenen Tüchern. Es hätte nun alles super sein können. Ich hätte, wenn keine Änderungen bei mir eintreten, ein halbes Jahr lang ohne größere Probleme Leistungen beziehen können. Gut, die vom Jobcenter vorgeschlagenen Stellen waren schrecklich (Erzieherin in Teilzeit, SozPäd am Ende der Welt, etc.) und ich musste mich auf alle bewerben, aber ich suchte natürlich auch sebst nach geeigneten Stellen. Ich hätte kaum weiteren Briefverkehr mit dem Jobcenter gehabt und auch die Termine wären auf ein Minimum beschränkt gewesen… wenn, ja wenn ich im März keinen Job gefunden hätte.

Anfang März erhielt ich das erste Mal Geld vom Jobcenter, Mitte März wusste ich bereits, dass ich ab Mitte April eine Stelle antreten würde, weshalb ich keine Jobcenterleistungen mehr benötigen würde. Natürlich informierte ich sofort meine Arbeitsvermittlerin (die Leistungsabteilung selbst ist für „Kund*innen“ nicht zu erreichen) über die Arbeitsaufnahme und damit begann die eigentliche Odyssee. Da der Termin zur Vertragsunterschrift verschoben wurde, hatte ich den Jobeinstieg erst Anfang April Schwarz auf Weiß. Am Unterschriftstag ging ich umgehend zu meiner Arbeitsvermittlerin, welche den Arbeitsvertrag mit Freuden entgegennahm, um ihn an die Leistungsabteilung weiterzuleiten. In diesem Vertrag war natürlich unter Anderem auch vermerkt, wie viele Stunden ich arbeite und welches Brutto-Gehalt ich dafür erhalte. Jobcenterleistungen werden, im Gegensatz zu Lohn und Gehalt, immer für den Folgemonat ausbezahlt (z.B. am 30. Januar für Februar). Da ich Anfang April meine Leistungen in voller Höhe bekommen hatte, wusste ich bereits zu diesem Zeitpunkt, dass ich ca. die Hälfte des Geldes wieder zurückzahlen musste. Tja, Anfang Mai erhielt ich jedoch erneut Jobcenterleistungen in voller Höhe. Damit stieg die von mir zurückzuhalende Summe auf über 1000 Euro. Auf mein Nachfragen hin hieß es, ich müsse erst die erste Lohnabrechnung einreichen, erst dann würde die Leistungsabteilung neu berechnen, ob ich noch Anspruch auf ALGII-Leistungen hätte. Meine Lohnabrechnung erhielt ich dann in der ersten Maiwoche und brachte auch diese umgehend zu meiner Arbeitsvermittlerin. Irgendwann Ende Mai kam dann eine Neuberechnung meiner Jobcenterleistungen per Post. Soweit so gut. In dieser müsste nun theoretisch drinstehen, dass ich durch mein Einkommen über der Grenze liege und keine Transferleistungen mehr bekomme. Scheibenkleister -.-  Aufgrund meiner Aprillohnabrechnung (ich hatte ja erst mitte April den Job begonnen), welche sich auf ca. 700 Euro Netto beläuft (war ja auch ein halber Lohn) wurde ein fiktives Einkommen berechnen (WTF? Ihr habt doch meinen Arbeitsvertrag, da steht doch drin wie viel ich im Monat verdiene!). Dieses fiktive Einkommen wurde auf 800 Euro festgesetzt (WTF²? Macht natürlich Sinn, dass ich in einem ganzen Monat 800 Euro verdiene, wenn ich in einem Halben 700 Euro verdiene). Aufgrund des Freibeibetrags für Arbeitnehmer*innen (bei Arbeitnehmer*innen wird ein kleiner Teil ihres Lohns/Gehalts nicht auf die Jobcenterleistungen angerechnet) sei ich immernoch Transferleistungsberechtigt in Höhe von ca. 120 Euro. Aha, macht ja alles Sinn -.- Ich also erneut bei meiner Arbeitsvermittlerin angerufen (deren Durchwahlnummer ich zum Glück hatte – Ausnahme, nicht Regel!) und gefragt, was ich tun soll. Sie meinte, da hilft nur eine vollständige Lohnabrechnung, also die vom Mai einzureichen.

Anfang Mai hatte auch das Hannibaellchen mit ihren neuen Job begonnen, weshalb wir Ende Mai etwa dreimal so viel Geld auf dem Konto hatten, wie noch vor einem Monat und so auch den ersten Teil unserer Schulden bei Freund*innen zurückzahlen konnten. Außerdem hatte ich Ende Mai Geburtstag und wurde 25. Tja, eigentlich ein schönes Ereignis. Für das Jobcenter bedeutete dies jedoch, dass meine Zuständigkeit nun von der U25-Abteilung in die normale Abteilung wechselt. Ich erhielt also einen Brief in welchem ich darüber informiert wurde, dass meine Zuständigkeit gewechselt hätte und wo meine Neue zu finden sei. Lustigerweise war diese in dem Gebäude des Jobcenters ansäßig, in welchem ich vor wenigen Monaten noch selbst gearbeitet hatte. Als dann Anfang Juni meine Mailohnabrechnung eintraf, nutzte ich die Gelegenheit, um meine ehemaligen Kolleg*innen zu besuchen. Da in dem Brief von mir lediglich die Büronummer, nicht der Name meiner zuständigen Arbeitsvermittlung genannt war, guckte ein Ex-Kollege* von mir schnell wieder in System und tja, da erfuhr ich, dass meine Zuständigkeit erneut gewechselt hatte, ich jedoch noch nicht darüber informiert wurde. Das Gebäude, in welchem ich mich gerade befand, war eine Sonderstelle des Jobcenters. Hier waren besondere Projekte, unter anderem die Akademiker*innenberatung angesiedelt. Nun, das Jobcenter hatte wohl zwischenzeitlich (oh Wunder -.-) festgestellt, dass ich einen festen Arbeitsvertrag habe und daraus geschlossen, dass ich ganz eventzell keine Arbeitsvermittlung mehr brauche. Um den Platz in der Akademiker*innenberatung nicht durch mich zu blockieren wurde ich in die normale Abteilung überwiesen. Leider war dies gerade im Prozess, weshalb auch mein Ex-Kollege* nicht nachprüfen konnte, wer nun für mich zuständig ist. Er versprach mir aber meine neue Lohnabrechnung an die zuständige Abteilung zu schicken. Auch diese Lohnabrechnung hatte ich, wie schon die Letzte und meinen Arbeitsvertrag so schnell wie möglich beim Jobcenter eingereicht… Tja, geholfen hats nix, denn:

Ein paar Tage später erhielt ich einen netten Brief vom Jobcenter, dieser wie ein Gerichtsschreiben gestaltete Brief trug die Überschrift „Anhörung wegen vermuteter Überzahlung“ und hatte ungelogen vier Seiten Rechtsbelehrung. Tenor des Briefes war in etwa: „Du böser Mensch beziehst Leistungen, obwohl du arbeitest. Das hast du uns nicht gesagt!“ Natürlich alles in sehr hochgestochenem Beamt*innendeutsch verfasst und ohne ein einziges Liebes Wort à la: Schön, dass du eine Arbeit gefunden hast. Ich war stinksauer. Natürlich wusste ich, dass solche Briefe standardmäßig verschickt werden, aber es fühlt sich trotzdem richtig scheiße an, sowas zu bekommen. Deshalb machte ich nun etwas, was ich mich bei meinem Klientel niemals trauen würde. Ich nutzte das Feld zur Stellungnahme und schrieb in etwa folgenden Text: „Ja, es könnte sein, dass ich einen Job begonnen habe, nachdem ich Ihnen vor zwei Monaten meinen Arbeitsvertrag und letzten, sowie diesen Monat meine Lohnabrechnungen eingereicht habe. So könnte es ganz eventuell zu einer Überzahlung gekommen sein. Nächstes mal überfalle ich besser ne Bank, dann haben Sie nämlich wirklich unplanmäßig eine Überzahlung bei mir zu vermerken.“ Und ja, ich schickte ihn auch ab. Tja, kurze Zeit später erhielt ich erneut drei Briefe vom Jobcenter. Brief Nummer eins war eine Einladung zu einem Gespräch mit meiner neuen Arbeitsvermittlung, um über meine berufliche Situation zu sprechen für Freitag um 10:00 Uhr, Brief Nummer zwei war eine „Anhörung wegen vermuteter Überzahlung“ und Brief Nummer drei eine Neuberechnung meiner Jobcenterleistungen mit der Anmerkung, dass diese aufgrund vermuteter Tatsachen gemacht sei, weil keine Antwort auf das Schreiben zur Anhörung bezüglich vermuteter Überzahlung bei ihnen eingegangen sei. Gut, Noelana greift also zum Telefon und ruft im Jobcenter an. Natürlich habe ich nur die Servicehotline erreicht, denn meine Zuständigkeit hatte ja gewechselt und während ich von meiner vorherigen Arbeitsvermittlerin die Direktwahl hatte, musste ich mich jetzt mit der allgemeinen Nummer begnügen. Ich bekam also eine mit meinem Fall nicht vertraute Person ans Telefon, welche vollkommen überfordert mit allem schien. Ich versuchte ihr zu erklären, dass ich nicht vorhabe einen Termin bei einer Jobvermittlung wahrzunehmen, da ich bereits einen Job habe und erst recht nicht zu einer Zeit, in welcher ich arbeiten müsse. Darauf entwickelte sich ungefähr folgendes Gespräche:

Sie: „Gut, dann verschieben wir den Termin. Wann haben Sie denn Zeit!“
Ich: „Nein, ich möchte den Termin nicht verschieben. Ich möchte gar keinen Termin mehr haben. Ich brauche keine Termine bei der Jobvermittlung. Ich habe ein festes Arbeitsverhältnis!“
Sie: „Das geht nicht!“
Ich: „Warum nicht?“
Sie: „Weil Ihre Leistungen dann gekürzt werden!“
Ich: „Super, ich will nämlich gar keine Leistungen mehr haben!“
Sie: „Warum nicht?
Ich: „Weil ich bereits arbeite und weit über dem Jobcentersatz verdiene!“
Sie: „Dann bekommen Sie doch eh keine Leistungen mehr!“
Ich: „Doch, weil Ihre Leistungsabteilung es nicht hinbekommt das richtig zu berechnen!“
Sie: „Dann müssen sie eine Verzichtserklärung ausfüllen!“
Ich: „Das klingt gut! Schicken Sie mir eine zu?“
Sie: „Ja.“

So weit so gut… nur kam diese Verzichtserklärung nie an. Stattdessen erreichte mich nur ein weiterer Brief vom Jobcenter in welchem steht, dass ich zur Neuberechnung meiner Jobcenterleistungen noch meinen Arbeitsvertrag und meine Lohnabrechnungen einreichen muss (WTF³: DIE HABE ICH AM TAG DES ERHALTS BEI EUCH EINGEREICHT!!!!). Ok, ok Noelana. Jetzt schalten wir wieder runter und rufen da nochmal an. Dieses Mal geriet ich an eine kompetenter wirkende Sachbearbeiterin*. Diese bestätigte mir, dass alle Unterlagen vorlägen und versicherte mir erneut eine Verzichtserklärung zuzuschicken.

Drei Tage später erhielt ich tatsächlich noch einmal drei weitere Briefe vom Jobcenter und einer von diesen war tatsächlich die erwartete Verzichtserklärung. Außerdem erhielt ich eine Neuberechnung meiner Leistungen, nach welchen ich ab Juli 2017 keine Transferleistungen mehr erhalte UND ich erhielt die Rückzahlungsaufforderung für April 2017. Gerade eben habe ich erneut beim Jobcenter angerufen und landete bei einem sehr kompetenten und netten Mann*. Dieser bestätigte mir, dass ab Juli keine Leistungen mehr bezahlt werden und dass nun nach und nach die Rückforderungen für Mai und Juni 2017 folgen werden. Ich müsse (laut seiner Aussage) nur noch abwarten und zu gegebener Zeit das geforderte Geld zurückzahlen, damit sei die Sache erledigt.

Gut, damit habe ich es nun nach zwei Monaten ENDLICH geschafft kein Geld mehr vom Jobcenter zu bekommen. Nun gilt es die überzahlten Leistungen zurückzuzahlen und ich bin endlich wieder frei. Denn gefangen habe ich mich gefühlt. Gefangen in einem Haufen Bürokratie, den noch nicht mal ich mehr verstanden habe und das, obwohl ich eigentlich Fachfrau, genau dafür sein sollte. Das Hannibaellchen kann die ganze Sache erst recht nicht fassen, denn vielen der Geflüchteten für die sie zuständig ist, werden die Leistungen sofort eingestellt, wenn sie so ungefähr nur einmal schief schauen. Diese ganze Organisation ist ein einziger riesiger Saftladen. Sie sind an keiner Stelle des Systems angreifbar, dafür sorgen ihre tollen Rechtsbelehrungen und der „freundliche“ Sprachstil, denn Menschlichkeit scheint in unserem System scheißegal zu sein, solange die Bürokratie gewahrt bleibt. Natürlich wusste ich all das schon vorher, aber es am eigenen Leib zu spüren, ist doch nochmal eine andere Nummer…

Ich verabschiede mich hier von euch in der Hoffnung, dass das Thema nun ein für alle Mal gegessen ist und ich keinen Nachtrag verfassen muss.

Genießt die Sonne!
liebe Grüße

 

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