Hallo ihr Lieben

schon seit einigen Tagen liegt mir das Hannibaellchen in den Ohren, dass sie es toll fände, wenn ich hier einen neuen Blogeintrag veröffentliche. Zu erzählen hätte ich eigentlich viel, doch seit ein paar Tagen beschäftigt mich ein ganz anderes Thema und deshalb widme ich diesen Eintrag nur diesem.

Ich möchte euch an dieser Stelle von unserem Kater erzählen. Das hat natürlich auch einen Grund, denn er ist schwerkrank und muss bald sterben. Das verlieren eines geliebten Wesens fällt immer schwer, doch in den letzten fünf Jahren habe ich schon so viele Tiere in den Tod begleitet, dass sich eine merkwürdige Routine eingeschlichen hat.

Früher haben meine Frau und ich Farbratten gehalten. Zu unseren besten Zeiten lebten bis zu zehn Rattenjungs in einer Metallvoliere mit den Maßen 1,80m x 60cm x 2m in unserem Wohnzimmer. Damals waren wir auch sehr stark im Kleintierschutz eingebunden und neben unserem eigenen Rudel betreuten wir so gut wie immer Pflegetiere aus Notfällen, meist schwerkrank und/oder trächtig. Ratten leben höchstens drei Jahre lang. Viele versteben schon viel früher, denn die kleinen Nager sind anfällig für Nervenleiden und Tumorbildung. Fast schon im Monatstakt zogen hier Ratten ein und aus, oder verstarben. Da lernt man zwangsläufig mit dem Tod umzugehen. Dabei bedeutet das keines Wegs, dass wir keine starke Bindung zu unseren Rattenjungs hatten. So gut wie alle von diesen kamen aus schlechter Haltung und waren schon etwas älter, wenn sie bei uns einzogen und wir bogen sie in den nächsten Wochen so weit als möglich gerade. Das heißt für uns nicht, dass sie uns aus der Hand fressen und sich kraulen lassen mussten, sondern dass sie (meist nach einem sehr langen Leben in Einzelhaltung) in ein Rudel integriert wurden, einen großen so weit als möglich artgerechten Käfig und täglichen Auslauf erhielten. Schon damals war es das Schönste für uns mit ansehen zu können, wenn eine zuvor verängstigte oder aggressive Ratte plötzlich Teil einer Sozialstruktur wird und sich in den meisten Fällen mit der Zeit auch uns gegenüber öffnete.

Als wir dann vor ca. zwei Jahren beschlossen mit der Rattenhaltung aufzuhören, war uns aber schon damals klar, dass wir nicht ganz tierlos leben möchten. Ein Hauptgrund für diese Entscheidung war damals der gehörige Zeitaufwand, welcher mit der Rattenhaltung verbunden war. Hierzu zählte nicht nur das tägliche füttern und grobe Saubermachen, oder der wöchentliche Käfigputz (von meist mehr als einem Käfig), sondern auch der tägliche Auslauf von mindestens zwei Stunden oder die Integration von neuen Ratten in unser bestehendes Rudel. Alles in allem waren wir täglich mindestens zwei Stunden mit der Rattenhaltung beschäftigt und davon brauchten wir irgendwann eine Pause. Wir ließen also unser eigenes Rudel aussterben und nahmen keine Pflegeratten mehr auf. Schon wärend dieser letzten Phase mit Ratten fiel die Entscheidung für ein Katzenpärchen. Wir begannen also nach geeigneten Kandidat*innen zu suchen und wurden bald fündig, denn ebenso wie bei den Farbratten wollten wir auch denjenigen Katzen ein Zuhause schenken, welche eher als schwer vermittelbar gelden. So landete im September 2015 die Katzendame Shira aus dem Tierschutz bei uns. Sie wurde uns als Einzelgängerin beschrieben, welche auf keinen Fall mit anderen Katzen zusammen gehalten werden sollte. Nun ist Shira aber ein Orientalenmischling (evtl. sogar eine reinrassige Burma) und gerade diese sind für ihr sehr soziales auf Artgenossen ausgerichtetes Verhalten bekannt. Wir hatten es somit mit einer siebenjährigen Kätzin zu tun, welche aus Unwissenheit, oder Egoismus ihr Leben lang entgegen ihren Vorlieben gehalten wurde und nun dem Umgang mit anderen Katzen ablehnte. Im Wissen, dass sie bei uns natürlich nicht alleine gehalten werden würde, nickten wir dem Tierheim ab, dass wir keine Zweitkatze besäßen (hatten wir zu dem Zeitpunkt ja auch noch nicht 😉 ) und nahmen sie mit. Sie gewöhnte sich sehr schnell bei uns ein und nachdem sie drei Monate später ganz und gar bei uns angekommen war, beschlossen wir, dass es Zeit wäre für eine Zweitkatze. Im Wissen um ihre Launenhaftigkeit und ihr Verhalten gegenüber anderen Katzen suchten wir gezielt nach einem sehr umgänglichen und ruhigen Kater. In einem anderen Tierheim wurden wir auch schon bald fündig…

Dort saß er, ein neunjähriger Kater mit dem Namen „Dreibein“, denn er hatte nur drei Beine. Seit einem Jahr säße er laut Websideangaben bereits im Tierheim, wobei er auch schon früher immer mit Weibchen zusammengelebt habe und den Kontakt zu diesen aktiv suche. Gegenüber Menschen sei er sehr scheu und habe keine schöne Vergangenheit. Schon aufgrund dieses Textes befanden wir, dass dieser „Dreibein“ genau der Kater sein könnte, welchen wir für unsere Shira suchten. Kurz darauf fuhren wir ins Tierheim um ihn abzuholen. Uns wurde knapp erzählt, dass keiner wüsste, wie er sein Bein verloren habe, er wohl früher misshandelt worden sei und von dort in eine „Notfallpflegestelle“ kam. Leider hätte sich herausgestellt, dass diese „Pflegestelle“ selbst eher ein Animalhordingfall gewesen sei und er dort mit neun Weibchen zusammen in einem Zimmer gehalten wurde. Aus diesem Grund sei er mit seinen Gefährtinnen ins Tierheim gekommen. Diese seien jedoch bereits vermittelt, da sie weit weniger scheu waren als er. Auf die Nachfrage, welches Bein ihm fehle, wusste die Tierpflegerin spontan keine Antwort und auch, dass wir schon von forne herein sagten, wir würden ihn auch mitnehmen, selbst wenn er sich nicht von uns anfassen liese, schien sie zu verwirren. Bereits als sie uns sein Zimmer aufsperrte, berichtete sie uns von einer Katze, die ebenfalls mit ihm zusammenwohne. Diese sei ja so anhänglich und lieb und ob wir nicht lieber diese haben wollten. Wir verneinten und setzten uns über eine Stunde zu unserem Kater, denn dass es unserer werden würde, war uns klar. Als wir auch nach dieser Zeit nicht von unserer Meinung abrückten, hieß es wir sollten draußen warten, bis sein „Bezugstierpfleger“ ihn für uns eingepackt hätte. Tja, besagter Bezugstierpfleger kam mit Bomberjacke und Lenderhandschuhen auf uns zu und überreichte einen extrem verängstigten Kater in einer Box. Wie er da hineinkam wollen wir lieber garnicht erst wissen. Zuhause angekommen erhielt „Dreibein“ erst einmal einen anderen Namen, denn die bloße Namenswahl anhand eines äußeren Merkmals fanden wir dann doch zu plump. Aus „Dreibein“ wurde somit Capitän Dreibein, kurz Capitän. Hier durfte er ein kleines Zimmer für sich alleine beziehen. Natürlich gab es keinen Kontakt mit unserer Kätzin Shira, dieser sollte erst langsam erfolgen. Die ersten Wochen bekamen wir den Neuzugang so gut wie nie zu sehen. Nur nachts hörten wir ihn im Klo scharren und am nächsten Morgen war das Schüsselchen mit dem Futter leer. So oft es ging setzten das Hannibaellchen und ich uns zu ihm und lockten mit Leckerlie. Das zeigte auch tatsächlich Wirkung und ganz langsam nach und nach traute er sich immer weiter aus seinen Verstecken, bis er sich nach ca. drei Monaten das erste Mal von uns berühren ließ. Gleichzeitig lernte er Shira kennen. Wir ließen die beiden immer wieder für kurze Augenblicke zueinander, tauschten ihre Schlafkissen aus, etc. Es war keine Liebe auf den ersten Blick und leider auch keine auf den Zweiten, aber nach einiger Zeit konnten wir die beiden gemeinsam in der gesamten Wohnung laufen lassen, ohne dass wir mit Mord und Totschlag rechnen mussten. Shira gefiel dieser Eindringling in ihr Territorium überhaupt nicht und der Capitän kuschte vor dieser herrischen Katzendame. Dennoch verlagerte er seinen Schlafplatz von seinem kleinen Zimmer in das Esszimmer, welches sozusagen das zentrale Zimmer der Wohnung ist und nach ca. einem halben Jahr ließ er sich von uns sogar ab und an streicheln, zumidest dann, wenn wir ihn mit Leckerchen zu uns gelockt hatten. Zwischen dem Capitän und Shira entwickelte sich eine Hass-Liebe die sich darin zeigte, dass sie ihn regelmäßig in die Schranken wies um jedem zu beweisen, dass sie die Dame im Haus ist, gleichzeitig suchte sie jedoch auch seine Nähe, vor allem dann, wenn wir nicht zuhause waren. Seit ca. einem halben Jahr braucht es keine Leckerliebestechung mehr, sondern der Capitän kommt einfach so zu uns, wenn er gestreichelt werden möchte. Er streicht uns um die Füße wenn es Futter gibt und lässt sich sogar ab und an von uns tragen. Gemeinsame Kuschelabende mit Shira, dem Capitän und uns auf der Couch waren selten, aber es gab sie…

Tja und dann bemerkten wir vor wenigen Tagen, dass der Herr sein Futter kaum mehr anrührt. Leckerlies waren ihm plötzlich egal und er wurde immer dünner. Auch früher war er eher ein mäckeliger Esser gewesen und hörte dann auf, wenn er satt war. Durch sein fehlendes Hinterbein war auch seine Rückenmuskulatur eher geschwächt, weshalb er sowieso immer eher eingefallen und dünn wirkte, doch nun magerte er ab und man spürte beim Streicheln jeden Knochen. Natürlich haben wir ihn sofort gepackt und sind zu unserer Tierärztin des Vertrauens gefahren. Einen vollen Tag musste er dort verbringen, bekam Kontrastmittel eingeflößt und wurde regelmäßig geröntgt, um deren Verlauf durch den Darm zu verfolgen. Blut wurde abgenommen und er bekam aufbauende Medikamente gespritzt. Schnell war klar, dass es sich um eine ernstzunehmende Erkrankung handelt und seit wir Samstag die Blutergebnisse haben, wissen wir, dass wir von Tagen reden. Er hat vermutlich eine Darm-Leukose, eine Virus-Erkrankung mit welchen sich Katzen im Kittenalter infizieren. Diese ist anschließend über Jahre hinweg nicht nachweisbar, bevor sie bei den ca. 10 – 12-jährigen Katzen ausbricht. Der Virus sorgt für ein Anschwellen der Lymphknoten im Darmbereich, weshalb die Darmdurchlässigkeit beeinträchtigt wird und die Katze keinen Kot mehr absetzen kann. Theoretisch könnte der vergrößerte Lymphknoten entfernt werden, doch dann wächst einfach der Nächste heran. Aus diesem Grund ist die Diagnose immer tödlich und die Tierärztin rät dazu das Tier nicht weiter leiden zu lassen, wenn es aufhört zu fressen. Nun, der Capitän frisst schon seit fast einer Woche kaum noch… Demnach werden wir ihn Montag erlösen lassen. Bis dahin erhält er von uns noch jede Menge Streicheleinheiten, welche er im Moment sehr genießt.

Wenn man diesen verschmusten, auffordernd Maunzenden und schwanzwedeln zu dir laufenen Kater kennenlernt, käme man nicht auf die Idee, dass selbiger noch vor wenigen Monaten verängstigt und ständig fachend in der hinterletzten Ecke eines Zimmers verkrochen panisch das Weite suchte, wenn auch nur ein Mensch sein Territorium betrat. Er hat sich in der Zeit die er bei uns Leben durfte so toll entwickelt und hätte hier noch viele glückliche Katzenjahre verbringen dürfen, doch das soll wohl nicht sein…

Zu Anfang berichtete ich ja bereits, dass ich es gewöhnt bin Tiere nach relativ kurzer Zeit wieder gehen zu lassen und das Tierwohl und das ersparen von Leid da immer vor meinen egoistischen Wünschen stand und dennoch fällt es gerade in solchen Fällen besonders schwer… Ein Kater der vermutlich sein vorheriges Leben kein einziges Mal gestreichelt, der sogar gequält und vernachlässigt wurde und der nun langsam begonnen hat seine Welt ohne Angst zu erkunden, Vertrauen zu uns gefasst hat und nun schon wieder gehen muss… Das tut weh, aber so ist nun einmal der Lauf der Welt…

Und damit verabschiede ich mich heute von euch in der Hoffnung, dass es auf diesem Blog auch irgendmann wieder mehr schöne als traurige Dinge zu lesen geben wird.

Liebe Grüße
Eure Noelana

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