Hallo ihr Lieben

ich werde euch hier ein kurzes Update aus unsere Leben geben, schließlich möchte bestimmt der/die Ein oder Andere wissen, wie sich unser zur Zeit doch sehr turbulentes Leben entwickelt hat, seit dem letzten nicht so schönen Eintrag von mir hier…

Anfangen möchte ich jedoch mit einem sehr aktuellen Thema. In einer Stadt bei uns in der Nähe ist gestern etwas sehr Schreckliches passiert. Inzwischen haben auch einige große Zeitungen davon berichtet und auch Fernseherbeiträge gab es bereits, dennoch möchte ich meinen Blog gerne nutzen, um auch politische Statements zu vertreten. Hier also eines davon:

Gestern sollte in Nürnberg ein aus Afghanistan stammender Berufsschüler abgeschoben werden. Dieser wurde von den Polizist*innen zu Schulbeginn im Klassenzimmer abgepasst. Seine Mitschüler*innen (Jugendliche und junge Erwachsene!) bildeten spontan eine Sitzblocke, welcher sich nach und nach bis zu 300 Menschen (Schüler*innen, Lehrer*innen, Informierte, etc.) anschlossen. Die Proteste waren weitestgehend vollständig friedlich. In erster Linie handelte es sich um eine reine Sitzblockade, um die Polizei-PKWs mit dem Mitschüler von der Abfahrt abzuhalten. Die Polizei ihrerseits schickte eine Vielzahl an bewaffneten Streifen (mit Anweisung des Innenministeriums). Die Schlagstöcke waren von Anfang an gezückt und wurden auch benutzt. Friedliche Jugendliche und junge Erwachsene wurden zu Boden geprügelt und festgehalten bis sie schrien und um Hilfe bettelten. Die Bilder und Videos wirken fast wie jene „Nach-einem-Attentat-Bilder“ die wir derzeit so oft durchd die Presse gezerrt bekommen. Hier wird die Gewalt jedoch von der Polizei ausgeübt. Der Institution, welche laut Gesetz in Deutschland das Gewaltmonopol besitzt. Solche Maßnahmen gegen Menschen sind somit immer dann rechtlich einwandfrei, wenn die Polizei eine Bedrohungslage wahrnimmt und dies kann anscheinend auch bei einer friedlichen Sitzblockade der Fall sein. Da wurde einfach schnell in der nötigen Notwehr, welche die Anwesenden gegen die Bedrohung durch die Polizei (Schläge, Niederdrücken, etc.)leisteten, eine aktive Bedrohung erkannt. Jetzt im Nachhinein wird natürlich über die Unangemessenheit des Vorgehens debattiert. Ändern wird sich jedoch nichts. Diese maßlose Gewalttätigkeit von Seiten der Polizei ist schließlich kein neues Phänomen. Menschen in der Polizei und der Bundeswehr werden dahingehend sozialisiert Befehle nicht zu hinterfragen. Wenn das Innenministerium also sagt: „Sorge für die Abschiebung dieses Afghanen. Komme was wolle.“, dann wird dieser abgeschoben, wenn es sein muss eben mit Gewalt. In diesem Zusammenhang fällt mir ein Zitat aus der BR-Magazin „quer“ ein, welches in Zusammenhang mit dem geplanten Attentat eines extrem rechten Bundeswehrsoldaten, welcher sich als syrischer Flüchtling ausgab, um so den Ausländerhass zu schüren. Christoph Süß stellt dort in seiner Rolle als Bundeswehroffizier folgendes fest: „Wir sind eine Armee, die dem demokratischen Geist verpflichtet ist, um ihn zu schützen, aber die Demokratie kann doch trotzdem in der Armee kein Zuhause haben. Da gilt Disziplin, Korpsgeist, Kameradschaft.“ Diese Aussage lässt sich vollständig auch auf die Institution Polizei übertragen. Das Ergebnis dieses blinden Gehorsams in die Obrigkeit und die Kameradschaft haben wir gestern in Nürnberg und schon viel zu oft in ähnlichen Zusammenhängen gesehen. Nun ist es nicht ganz unerheblich, dass Disziplin, Korpsgeist und Kameradschaft auch in extrem rechten Weltanschauungen eine große Rolle spielen. Wie schon sehr oft bewiesen werden konnte, besteht demnach eine sehr deutliche rechte Präsenz in Bundeswehr und Polizei, welche von diesen Institutionen auch mehrheitlich wissentlich mitgetragen wird, denn: Wer einmal zu den Kamerad*innen zählt, wird nicht mehr so leicht fallengelassen.

Eine gute Freundin von mir war vor Kurzem auf einer Fortbildung zum Thema „Traumaarbeit“. Dort wurde ihr unterbreitet, dass um ein Trauma bearbeiten zu können drei wesentliche Aufgaben angegangen weden müssen. In einem ersten Schritt sollen traumatisierte Personen wieder vertrauen zu Einzelpersonen (z.B.: einzelne Therapeut*innen, Sozialpädagog*innen, etc.) schöpfen, anschließend soll dieses Grundvertrauen auf gesamte Organisationen (z.B.: Trägerverein des/der Sozialpädagog*in) ausgeweitet werden, damit schlussendlich (wieder) ein Grundvertrauen in das gesamte System aufgebaut werden kann. Nun stellt sich mir die Frage, wie ich jemals eine traumatisierte Person begleiten sollte, denn ich habe zum einen selbst kein Grundvertrauen in das System und halte es zum Anderen auch für grob fahrlässig ein solches zu besitzen. Unser „System“ ist unberechenbar und nicht human. Das mussten gestern diese jungen Menschen feststellen und das stellen meine Klient*innen und ich jeden Tag aufs Neue fest. Wir leben in einem Staat, in welchem Humanität, das Eingehen auf individuelle Schicksale und Courage für eine bessere Welt gesetzlich kaum vorgesehen sind, denn Zahlen lassen solche tiefgehenden Beweggründe nicht zu. Für die Regierung war der Vorfall in Nürnberg nur eine Banalität, ein Thema mit dem es sich kaum lohnt sich zu beschäftigen. Für mich war es ein erneutes deutliches Zeichen über die Blüten unserer Gesellschaftsordnung. Diese Ordnung möchte ich nicht mittragen und deshalb solidarisie ich mich mit diesen jungen Menschen dort in Nürnberg und mit all den anderen Menschen hier, welche sich für eine humanere Gesellschaftsordnung einsetzen.

Gut, wenn ihr euch bis hierher durchgekämpft habt, erfahrt ihr auch noch ein bisschen was zu unserer derzeitigen Situation… Mein Schwiegerpapa ist nach wie vor in einer psychatrischen Klinik. Leider hatte er die gesamten letzten vier Wochen erst eine einzige Therapiesitzung, da er aufgrund des Krankenhauskeims immernoch isoliert und auf einer falschen Station ist. Wir hoffen nun, dass die Abstriche diese Woche allsamt negativ ausfallen und er nach Pfingsten endlich auf die richtige Station mit dem richtigen Therapieangebot verlegt wird. Dort würde er dann weitere vier – sechs Wochen bleiben. Wir haben inzwischen seine Wohnung fast vollständig ausgeräumt. Es fehlen noch zwei Kellerräume und der gesamte Müll muss abtransportiert werden. Das machen wir am Samstag zusammen mit meinen Eltern, welche mit Bus und Anhänger anrücken werden. Auch die geseztliche Betreuung für ihn ist auf den Weg gebracht. Hier schreibt die Klinik gerade ein Gutachten über die Notwendigkeit der Betreuung, aber eine geeignete Person wird bereits gesucht. Das größte Problem vor welchem wir gerade stehen ist die Wohnsituation nach der Entlassung aus der Klinik. Seine Wohnung ist gekündigt, leer und wäre so oder so keine Alternative mehr gewesen. Eine neue Wohnung in unserer Nähe ist noch nicht gefunden und wird sich sehr wahrscheinlich auch nicht finden lassen. Der soziale Wohnungsmarkt sieht deutschlandweit und besonders bei uns derzeit sehr schrecklich aus. Wir müssen nun also ernsthaft überlegen, wo mein Schwiegervater später wohnen soll. Theoretisch kann er für eine kurze Zeit bei uns in der Wohnung unterschlüpfen. Optimal ist das aber nicht gerade, da es hier dann schon sehr beengt werden würde. Ich möchte nicht, dass sich dies negativ auf unsere Beziehung (die zwischen uns und unserem Schwiegerpapa, aber natürlich auch zwischen dem Hannibaellchen und mir) auswirkt. Außerdem ist das Zimmer, welches er vorübergehend nutzen könnte, sehr klein und eigentilch schon fürs Hummelchen reserviert (ist natürlich erst in ca. einem dreiviertel Jahr relevant). Wir hoffen einfach, dass der/die gesetzliche Betreuer*in uns auch in Sachen Wohnung helfend zur Seite steht und sich so noch die ein oder andere Möglichkeit ergibt. Bis dahin geben wir die Suche und die Hoffnung doch noch eine Wohnung zu finden, natürlich nicht auf.

Und nun zum Schluss noch eine schöne Nachricht. Ich werde promovieren. Vor zwei Wochen hatte ich ein Vorstellungsgespräch bei einem Verbundkolleg, welches hier in Bayern neu gegründet wurde und Hochschulabsolvent*innen beim Weg der Promotion unterstützt. Ich wurde genommen und bereits diese Woche war das erste Treffen. Die Dozentin, welche bereits meine Bachelor- und Masterarbeit betreut hatte, wird auch die Promotionsbetreuung von Seiten der Hochschule übernehmen. Eine universitäre Betreuung muss ich noch finden. Mein Thema habe ich ja bereits vor langer Zeit in einem recht umfangreichen Exposè ausgearbeitet. Außerdem besteht eine reelle Chance auf den Erhalt eines sehr guten Stipendiums. In diesem Fall würde ich meine derzeitige Stelle in der sozialpädagogischen Familienhilfe kündigen und könnte somit in Vollzeit an meiner Dissertation arbeiten. Durch das Kolleg werden beispielsweise auch Kinderbetreuungskosten vollständig übernommen, weshalb ich sehr glücklich mit der Vorstellung bin während dieser Stipendienzeit ein Kind zu bekommen.

Sooo, und natürlich wurde auch dieser Blogpost wieder viel zu lang, aber des kennen wir ja schon 😀 Deshalb verabschiede ich mich nun bei euch und wünsche euch einen tollen Tag an dem ihr Zeit habt, die Sonne ein bisschen zu genießen!

liebe Grüße!
Eure Noelana

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