Hallo ihr Lieben

wie ihr ja bestimmt schon mitbekommen habt, gab es am Zwölften kein 12von12 von mir und auch sonst ist es eher still um den Blog. Das hat einen einfachen Grund. Unsere Tage bräuchten im Moment nämlich 48 Stunden und wir würden immernoch nicht alles schaffen, was erledigt werden muss. Tja, der Grund warum unsere Zeit im Moment nicht ausreicht, ist dann doch etwas komplizierter… aber lest selbst:

Begonnen hat das ganze Drama genau an dem Tag, an welchem ich meinen letzten Blogeintrag hier verfasste. Damals hatte ich gerade frisch in meinem neuen Job angefangen und alles lief soweit gut. Zu gut dachte sich wohl irgendjemand. Die Oma vom Hannibaellchen rief uns gegen Abend an und teilte uns mit, dass sie besorgt sie, weil sich ihr Sohn (Hannibaellches Vater) nicht zur üblichen Zeit bei ihr gemeldet hätte. Auch auf unsere Anrufe reagierte er nicht. Da machten wir uns noch keine besonders großen Sorgen, schließlich ging es ihm trotz des Todes seiner Frau Anfang des Jahres bis jetzt einigermaßen gut. Das änderte sich leider, als mein Schwiegervater einen Blogkommentar genau hier auf dem Hummelchenblog verfasste. Mein Schwiegervater ließt hier schon sehr sehr lange mit und seit einiger Zeit traut er sich auch ab und zu auf meine Einträge zu antworten (FiVa = Fieser Vater). An besagtem Abend erhielt ich also eine Mail mit der Info mein Schwiegervater hätte eine Antwort auf meinem Blog verfasst. Ich meinte noch zum Hannibaellchen: „Siehst du? Es geht im gut, er war nur beschäftigt!“ Tja, da hatte ich den Inhalt der Nachricht aber noch nicht gelesen. Diese lautete nämlich sinngemäß: „Hier spricht das letzte männliche Mitglieder der Familie. Und Tschüss!“ (dem ganzen Kommentar habe ich inzwischen verborgen). Dem Hannibaellchen war natürlich sofort klar, was das bedeutet. Sie kontaktierte eine Nachbarin, deren Nummer wir genau für solche Notfälle parat haben. Diese meinte noch, sie hätte den Schwiegervater gerade eben erst gesehen und dem ginge es gut, ließ sich dann aber doch überzeugen mal nachsehen zu gehen. Ein paar Minuten kam sie völlig verstört wieder an Telefon und berichtete, dass er die Tür nicht öffnen würde und man ihn durchs Fenster reglos auf seinem Sessel sitzen sehen könnte. Das Hannibaellchen schaltete sofort und informierte die Polizei. Diese rückte samt Feuerwehr und Rettungswagen an, trat die Tür ein und brachte meinen Schwiegervater ins Krankenhaus. Er hatte Medikamente genommen, sehr sehr viele Medikamente und die Abschiedsbriefe am Tisch bestätigten unseren Verdacht. Den Abend verbrachten wir somit im Wartezimmer der Notaufnahme und im Wartezimmer der Station. Hannibaellchens Vater war nicht mehr bei Bewusstsein und hatte keinerlei Reflexe oder Schmerzempfinden mehr, aber – und das war sein Glück – die Medikamente die er genommen hatte, waren weder tödlich noch gefährlich für irgendwelche Organe.

Keine 24 Stunden später war er körperlich schon fast wieder der Alte. Wir führten ein sehr langes Gespräch mit ihm in welchem seine riesige Ambivalenz zwischen Leben wollen und Sterben wollen sehr deutlich wurde.In einem Satz erzählte er uns von der tiefen Schwärze in der er sich gerade gefangen sehe, nur um dann zu erzählen, wie sehenswert die letzte Staffel von >Game of Thrones< sei und wie sehr er sich darauf freue Zeit mit dem Hummelchen zu verbringen. Dem Hannibaellchen und mir fiel dieses Gespräch sehr schwer. Wir wussten ja schon immer, dass ihr Vater unter Depressionen leidet. Diese hat er ja auch an seine Tochter weitervererbt. Deshalb reagierten wir auch schon immer sehr sensibel auf das Thema und achteten vermehrt auf diesbezügliche Äußerungen und dennoch hatten wir nichts bemerkt… Am nächsten Tag erfuhren wir leider, dass mein Schwiegervater einen dieser sehr resistenten Krankenhauskeime besitzt, weshalb er isoliert werden mussste und man nur noch mit Schutzanzügen, Handschuhen, Mundschutz und Haarkappe zu ihm durfte. Am gleichen Tag wurde er noch in eine psychatrische Klinik hier in der Nähe verlegt. Auch dort musste er leider seperiert werden, weshalb die reguläre Therapie noch nicht starten konnte.

Der Hauptgrund für seinen Suizidversuch war natürlich der Tod seiner langjährigen Ehefrau, Hannibaellchens Mutter. Hinzu kamen sehr große finanzielle Probleme, welche sich in absehbarer Zeit eher noch zuspitzen werden. Aus diesem Grund ließen das Hannibaellchen und ich uns sämtliche Vollmachten (Finanzen, Ämter, etc.) geben, um uns erst einmal einen Überblick über das Chaos zu verschaffen. Der Mai hatte damals eben erst begonnen und wir konnten noch eine fristgerechte Kündigung seiner viel zu großen und viel zu teuren Wohnung veranlassen. Ein Zurückkehren meines Schwiegervaters wäre emotional und finanziell einfach nicht sinnvoll gewesen. Das wussten wir natürlich schon lange, weshalb wir auch schon länger nach einer geeigneten Wohnung hier in der Nähe suchten. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sich aber noch nichts ergeben und uns war nicht klar, wie prikär die Situation wirklich war, da mein Schwiegervater sehr viel herunterspielte bzw. verschwieg. Wir kündigten also die Wohnung, auch wenn noch keine neue Wohnung vorhanden war. Wie wir dieses Problem lösen, wird die Zukunft zeigen. Seit drei Wochen fahren wir also jedes Wochenende in besagte Wohnung, um sie auszuräumen. Meine Schwiegereltern lebten sein über 20 Jahren dort und dementsprechend sieht sie auch aus. Dazu kommt der Ämter- und Finanzkram, welcher ebenfalls von uns geregelt werden muss. Seitdem beschäftige ich mich jeden Tag in meiner Freizeit mit diesen Themen. Selten sind wir von 20:00 oder 21:00 Uhr fertig. Das Hannibaellchen hat zum 02. Mai ihren Vollzeitjob angetreten und ist somit den halben Tag außer Haus. Ich bin ein bisschen flexibler mit den Arbeitszeiten und mache deshalb die meisten Telefonate, etc. Dennoch ist es verdammt viel zu tun und wir sehen kein Licht am Ende des Tunnels, eher stürzt die Höhle regelrecht vor uns ein. Heute habe ich nun endlich einen Antrag auf einen gesetzlichen Betreuer für meinen Schwiegervater eingereicht. Außerdem ist evtl. der Krankenhauskeim endlich (nach drei Wochen) besiegt und mein Schwiegervater kann endlich mit der Therapie beginnen. Irgendwie muss es ja vorangehen…

Naja, jetzt wisst ihr Bescheid. Seht es mir nach, wenn hier zur Zeit weniger los ist. Ich denke, ich kann mit eurem Verständnis rechnen!

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