Hallo ihr Lieben…

im Moment läuft bei uns nichts gerade. Jedes Mal, wenn wir denken, dass es nicht noch schlimmer geht, passiert doch noch irgendetwas. Im Moment befinden wir uns wirklich an einem Tiefpunkt und es ist kein Licht zu sehen… Seht mir also diesen depressiven Blogeintrag nach, aber irgendwo möchte ich mich doch einmal auskotzen…

Angefangen hat alles im Dezember letzten Jahres. Wie ihr ja wisst, war ich damals bereits seit einem dreiviertel Jahr als Sozialpädagogin in Krankheitsvertretung angestellt. Meine Masterarbeit hatte ich bereits abgegeben und ich wartete seit eineinhalb Monaten auf die Benotung von eben dieser. Im Oktober war endgültig klar geworden, dass die Person, welche ich vertrat, im November mit ihrer Wiedereingliederung beginnen und ich somit meinen Job verlieren würde. Bis zu diesem Zeitpunkt schwebte meine Festübernahme (auch von seiten meines Chefs) immernoch in der Luft. Als ich also im Oktober erfuhr, dass mein Vertrag nicht verlängert werden würde, begann ich mit der Jobsuche. Ich bin Sozialpädagogin, habe sogar (im Gegensatz zu ca. 90% der Berufskolleg_innen) einen Masterabschluss, habe einige Zusatzqualifikationen und ein ganz kleines bisschen Arbeitserfahrung. Auch wenn mir natürlich klar war, dass ich als relative Berufseinsteigerin nicht jeden Job bekommen würde, rechnete ich doch damit, relativ zeitnah eine angemessene Stelle zu finden, vor allem, weil ich keine sooo besonders hohen Anforderungen an meine_n neue_n Arbeitgeber_in stellte. Natürlich habe ich eine Vorstellung von einem Traumjob (Fachbereich Frauen und Mädchen), aber ich war natürlich durchaus bereit auch andere Stellen anzunehmen. Bezüglich der Stundenzahl war ich ebenso flexibel und habe mich somit auf Stellen zwischen 20 – 40 Stunden Wochenarbeitszeit beworben. Einzig unvorstellbar ist für mich die Arbeit mit Kindern. Kindergärten, Horte, u.Ä. kommen für mich nicht in Frage. Damals im Oktober fing ich also guten Mutes an mich zu bewerben. Ich schrieb ein paar Initiativabewerbungen (z.B.: an die Stadt, da ich seit einem dreiviertel Jahr beim Jugendamt der Stadt gearbeitet hatte und von meinem Chef mehrfach empfohlen wurde). Da erhielt ich jedoch die Rückmeldung, dass aufgrund der geringeren Geflüchtetenzahlen im nächsten Jahr viele Stellen umverteil und somit erst einmal intern besetzt werden sollten. Man machte mir jedoch Hoffnungen, dass spätestens im März bestimmt eine Stelle für mich frei sei. Dies winkte ich jedoch ab, schließlich wollte ich schon ab Januar wieder in Lohn und Brot stehen. Ich schrieb noch viele weitere Bewerbungen, an kleine Vereine, große Vereine, Städte hier in der Umgebung… Ende Dezember konnte ich jedoch nur ein Vorstellungsgespräch vorweisen. Am 23. Dezember wurde mir mitgeteilt, dass mir eine andere Person vorgezogen wurde und ich „Zweite“ wurde…

So kam es also, dass ich im Januar arbeitslos wurde. Bis zu diesem Zeitpunkt dachte ich mir noch immer: „Nicht so schlimm. Viele Menschen sind nach dem Studium für ein paar Wochen arbeitslos. Dann beantrage ich mir eben HARZ IV.“ Tja, und dann kam die Erkenntnis… Meine Masterarbeitsbetreuerin hatte mich mitte Dezember gefragt, ob sie noch ein „bisschen“ länger mit der Kontrolle brauchen dürfte, als die im Studium vorgesehenen acht Wochen und ich stimmte spontan zu. Erst jetzt, wo ich im Januar kein Einkommen haben würde, wurde mir klar, dass ich als Noch-Studentin auch keinen HARZ-IV-Anspruch habe. An Weihnachten berichtete ich meinen Eltern von diesem Delemma und erzählte ihnen in diesem Zusammenhang auch von unserem Kinderwunsch. Davon hatte ich ja in einem anderen Thread bereits berichtet. Mein Vater versicherte mir daraufhin uns Ende Januar ein wenig Geld zukommen zu lassen, um die Zeit der Arbeitslosigkeit zu überbrücken. Das beruhigte uns sehr, auch wenn es mir sehr schwer fiel vor meinen Eltern von meinen Problemen zu sprechen…

Am ersten Januar erhielten wir dann die nächste Hiobsbotschaft. Die Mutter vom Hannibaellchen wurde aufgrund einer Lungenentzündung ins Krankenhaus eingeliefert, wurde ins Koma gelegt und man wisse nicht, ob sie die nächsten Tage überlebe.

Mitte Januar hatte ich immernoch keine Masterarbeitsnote. Auf eine E-Mail von mir antwortete meine Dozentin nur, dass sie die Arbeit noch in diesem Semester kontrollieren möchte. Das Semester geht bis Mitte März…. Ich schrieb weiterhin viele Bewerbungen auf jeden nur halbwegs passende Stelle. Der Arbeitsmarkt sah (wie es um das Neujahr herum auch zu erwarten war) beschissen aus. Im Ganzen Januar konnte ich mich so höchstens auf sechs Stellen bewerben). Zweimal wurde ich noch zu Vorstellungsgesprächen eingeladen, nur um nach einer endlosen Zeit des Wartens und des Nicht-Reagierens auf meine E-Mailnachfragen, Absagen zu erhalten. Bei zwei weiteren Stellen wurde mir drei Monate nach Bewerbungszuschicken mitgeteilt, dass die jeweiligen Stellen aus organisatorischen Gründen nie besetzt wurden und einmal erhielt ich während eines Nachfrage-Telefonats die Auskunft, meine Bewerbung sei wohl „ausversehen untendurch gekommen und die Stelle sei schon besetzt“. So näherte sich der Januar dem Ende zu und es war klar, dass ich auch im Februar keinen Job haben würde. Mein Vater hatte uns zwar Ende Januar tatsächlich etwas Geld überwiesen, aber natürlich weniger als mein früherer Lohn es war und wie es am Jahresanfang so ist waren wir mit Versicherungskosten, GEZ-Gebühren und der letzten Rate für die Kinderwunschbehandlung in München sehr schnell wieder in den roten Zahlen. Einen Anspruch auf Arbeitslosengeld hatte ich wegen meines Studentinnenstatus nach wie vor nicht, so baute ich also erneut auf meine Eltern.

Bevor ich im März in meinem Job angefangen hatte, bekam ich jeden Monat eine finazielle Unterstützung durch meine Eltern in Höhe von 600 Euro. Dabei handelt es sich jedoch nicht um bloße Mildtätigkeit. Meine Eltern sind sehr gut verdienen und so hatte ich während meines gesamten Studiums keinen Bafög-Anspruch. Theoretisch hätte ich auch während ich bereits 20-Stunden in der Woche arbeitete noch einen Anspruch auf diese finanzielle Unterstützung gehabt, denn auch Bafög erhält man weiter, solange mach versicherungstechnisch als Student_in gilt, was bei 20 Wochenstunden noch der Fall ist. Meine Eltern stellten jedoch mit Jobannahme die Zahlungen ein und ich beschwerte mich nicht darüber. Meine Eltern haben außerdem von März bis August Kindergeld für mich bekommen, welches sie allerdings nicht an mich weitergeleitet haben. Im August habe ich dann meine Stunden auf 30 Wochenstunden erhöht, weil meine Kolleg_innen mich darum gebeten hatten. Das hatte mich damals allerdings ganz schön aus der Bahn geworfen, weil so meine Masterarbeit zu kurz kam. Außerdem bin ich damit aus der studentischen Versicherung rausgefallen (weil ich nun als hauptsächlich berufstätig galt), weshalb ich viel höhere Sozialabgaben zahlen musste und mein Kindergeldanspruch fiel auch weg. Somit bin ich schon im Oktober wieder auf 20 Stunden zurück. Ich habe meinen Vater damals gefragt, ob wir das Kindergeld neu beantragen sollen und er meinte noch: „Nein, der Aufwand lohnt wegen zwei Monaten nicht mehr!“.

Ich hatte somit in mehrerlei Hinsicht kein schlechts Gewissen meine Eltern um Geld zu fragen, denn schließlich gelte ich 1. noch als Studentin, weshalb meine Eltern verpflichtet sind mich finanziell zu unterstützen, 2. besitzen meine Eltern ca. 1400 Euro Kindergeld von mir, welches sie mir nie auszahlten und 3. sind meine Eltern sehr gut situiert.

Ich hatte dann Ende Januar ein Gespräch mit meinem Vater in welchem ich vorsichtig andeutete, dass unsere finanzielle Situation mehr als prikär ist. Zu diesem Zeitpunkt waren wir ca. 1000 Euro im Minus. Mein Vater erzählte mir daraufhin, dass sie diesen Monat ihr Bad renoviert hätten und gleich der Schreiner vorbei kommen würde und sie deshalb diesen Monat kein Geld schicken könnten. Gönnerisch warf mein Vater jedoch noch ein, dass er im absoluten Notfall an sein Erspartes gehen würde, obwohl er das wirklich gerne vermeiden würde. Ich verneinte und beendete das Gespräch. Ich muss sagen, da bin ich wirklich zu stolz vor meinen Eltern um Geld zu betteln, wenn deren einziges Problem im Moment ist, dass sie die komplette Badrenovierung + Schreinermöbel nur „gerade so“ vom Monatsgeld bezahlen können und ihr Erspartes lieber nicht für ihre Tochter angreifen wollen, auch wenn diese für den gesamten Februar nur 200 Euro zum Leben hat, wenn sie die Miete bezahlen möchte.

Wenn die letzten zwei Monate die schlimmsten in meinem bisherigen Leben waren, so war der 17. Februar der schlimmste Tag. Dieser begann schon in der früh mit einem Telefonat mit meiner Mutter. Meine Eltern leben auf dem Land. Sie arbeiten seit 25 Jahren bei den gleichen Arbeitgebern, mussten nie Bewerbungen schreiben, waren nie arbeitslos und haben eine sehr gute Vorstellung davon, was für sie gute Jobs und was Schlechte sind. Meine Wunsch zu studieren war für meine Eltern schon immer unverständlich und den Beruf Soziale Arbeit haben sie auch erst durch mich kennengelernt. Noch immer (nach fünf Jahren Studium) darf ich mir regelmäßig Sätze wie: „Ich weiß fai immernonet, was du mal arbeitst!“ anhören und einmal, als ich mit meinem Vater durch mein Heimatdorf ging meinte er wortwörtlich zu mir: „Schau mal des Gländer da oben, des hat dei Bruder gbaut. Aber was machst du eigendlich? Was leistest du?“ Meine Eltern hatten schon immer Angst ich würde etwas „brotloses“ studieren und ließen sich nur sehr schwer vom Gegenteil überzeugen. Sie waren stolz auf meine sehr guten Leistungen (Noten kennen sie und, dass eine eins etwas ist, worauf man Stolz sein kann, ist klar), aber sie machten sich trotzdem immer Gedanken darum, ob ich von diesem Job leben könnte. Nun, da ich bereits zwei Monate arbeitslos bin, fühlen meine Eltern sich in ihrer Annahme bestätigt. Sie ignorieren vollkommen, dass ich das letzte dreiviertel Jahr bereits in meinem Beruf arbeitete und ich damals leicht an diesen Job gekommen war. Sie sehen ausschließlich meine jetzige Situation und diese kann ihrer Meinung nach nur zwei Gründe haben. Entweder ist Soziale Arbeit eben doch brotlos, oder aber ihre Tochter hat es einfach nicht drauf. Und genau diese Gründe ließen sie mich in den letzten Telefonaten immer wieder wissen. Sie zweifelten an meiner Kompetenz, zweifelten an meinen Bewerbungen, zweifelten an potenziellen Abreitsstellen und so weiter und so fort. Auch in diesem Gespräch durfte ich mir also wieder anhören, wie seltsam doch diese ganze Situation sei, und dass da doch irgendetwas nicht passe, wenn ich schon so viele Bewerbungen geschrieben hätte, wie ich immer behaupte, aber trotzdem noch keinen Job hätte… Nachdem meine Mutter darüber dann genug seniert hatte, begann meine Mutter erneut eine Diskussion zum Thema Geld. Ich wies sie noch einmal darauf hin, dass ich einen Anspruch auf finanzielle Unterstützung hätte. Daraufhin meinte meine Mutter, dass sie ja im Moment auch weniger Geld hätten WEIL sie ja kein Kindergeld mehr für mich bekommen würden und ich da ja selbst drann schuld sei, weil ich mit dem Arbeiten angefangen hätte. Daraufhin erklärte ich meiner Mutter, dass sie bis August noch Kindergeld für mich bezogen haben, welches sie nie an mich weitergeleitet hätten, was meine Mutter mir nicht glaube und mich so des Lügens bezichtigte, aber das war noch nicht alles. Sie meinte zu mir, dass es meine eigene Schuld sei, dass wir keine Rücklagen hätten, weil wir ja alles in die Kinderwunschbehandlung gesteckt hätten, welche ihrer Meinung nach einfach keine gute Idee sei, wenn man noch keinen festen Job hat. Wohlgemerkt ich habe damals 1200 Euro verdient und das Hannibaellchen ca. 400 Euro. Das heißt, wir haben von 1600 Euro sämtliche Abgaben wie Miete, Strom, Internet, etc. gezahlt und uns bis auf ein Minimum eingeschränkt, um uns diese Kinderwunschbehandlung zu leisten. 1600 Euro sind für zwei Menschen auch ohne Kinderwunschbehandlung nicht viel Geld und somit wäre es vollkommen verständlich, wenn selbst ohne Kinderwunschbehandlung inzwischen kein Geld mehr übrig wäre. Im Endeffekt wurde mir hier somit vorgehalten, dass ich mit meinem Geld nicht gut umgehen könnte… Vollkommen frustriert beendete ich das Telefonat, gerade rechtzeitig, weil das Telefon schon erneut klingelte…

Ich hob also wieder ab und nun war mein Schwiegervater am Telefon. Er berichtete, dass die Kinik soeben bei ihm angerufen habe und sie dringend heute etwas mit ihm besprechen möchten. Da er schon ahnte um was es ging, fragte er uns, ob wir mitfahren würden. Der Mutter des Hannibaellchens war es zwischenzeitlich wieder etwas besser gegangen und sie war sogar ansprechbar gewesen, doch nach einer Akutsituation vor vier Wochen wurde ihr Zustand wieder rapiede schlechter. Seitdem war keine Besserung mehr zu erkennen. Wir hatten sie jede Woche im Krankenhaus besucht, aber der Anblick war nie schön gewesen…

Das Hannibaellchen schreibt derzeit ihre Bachelorarbeit. Abgabe ist nächsten Freitag und sie hat bis dahin noch jede Menge zu tun. So wollte sie sich auch an diesem Tag mit einer Freundin treffen, mit der sie die Bachelorarbeit zu Zweit schreibt. Diesen Termin mussten wir natürlich verschieben und so ging es nachmittags in die Klinik. Wie wir erwartet hatten, teilte uns die Oberärztin mit, dass es nur noch theoretisch eine Heilungschance gäbe. Da immer schon klar war, dass Hannibaellchens Mutter nicht durch Maschinen am Leben gehalten werden möchte, wenn keine Besserungsaussicht da ist, hat Hannibaellchens Vater einem Abschalten der Geräte zugestimmt. Das wurde dann auch gleich nach unserem Besuch gemacht und schon drei Stunden später bekamen wir den Anruf, dass sie gestorben ist.

Seitdem laufen wir hier im Ausnahmezustand. Ich helfe wo ich nur kann bei der Beendigung der Bacheloarbeit, denn wenn deren Abgabe nun auch nicht klappen würde, sähe es wirklich sehr düster aus. Dazwischen versuchen wir so sehr wir nur können für Hannibaellchens Vater da zu sein und auch einige Dinge für die Beerdigung mitzuregeln… Das Hannibaellchen möchte, wenn ihre Arbeit abgegeben ist, noch einen ausführlicheren Nachruf für ihre Mutter auf dem Blog machen. Deshalb werde ich darauf an dieser Stelle nicht tiefer eingehen…

So sieht es also im Moment bei uns aus…
Ich weiß garnicht, was ich sonst noch dazu sagen will/muss.
Es ist einfach echt schlimm im Moment… und dazu kommt natürlich noch die Ernüchterung mit dem Termin in Würzburg und unsere Angst, dass die breites bezahlte Spenderauswahl etc. hinfällig wird, wenn wir noch lange warten… Wir wissen im Moment nicht ein noch aus und kämpfen uns durch jeden Tag… Jetzt erst einmal die Bachelorarbeitsabgabe schaffen, dann die Beerdigung… und dann sehen wir weiter…

 

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