Hallo meine getreuen Leser_innen,

heute war der große Tag. Heute ging es nach Würzburg. Tja, wir hatten uns viel erhofft von diesem Termin… und wir bringen nun tatsächlich auch viel zum Nachdenken mit nach Hause. Von einem tollen/positiven Tag würde ich allerdings trotzdem auf keinen Fall  sprechen…

Da der Termin für 13:00 Uhr vereinbart war, musste das Hannibaellchen sich heute frei nehmen. Dieses Problem stellte sich mir, als Arbeitslose, nicht… wenigstens ein kleiner Vorteil meiner derzeitigen Situation. Wir hatten bereits gestern beschlossen mit dem Auto nach Würzburg zu fahren, da ich mir hierdurch erhoffte flexibler zu sein und es kostentechnisch kaum einen Unterschied machte. GoogleMaps spuckte uns eine Fahrzeit von ein einviertel Stunden aus, weshalb wir beschlossen hier entspannt um 11:00 Uhr loszufahren, um für alle Eventualitäten früh genug da zu sein. Auf die Autobahn schafften wir es auch ohne größere Verzögerungen und obwohl unheimlich viele LKWs auf der Strecke unterwegs waren, hatten wir eine entspannte und schnelle Fahrt zu guter Musik. Wir sangen laut mit und waren recht guter Dinge… Leider ist unser Navi bereits sehr alt und die Stadt Würzburg hat es sich wohl in den letzten zehn Jahren zur Aufgabe gemacht, ihre gesamte Autobahnanbindung umzubauen. So verpassten wir natürlich promt unsere Ausfahrt und die nächste, die wir nehmen konnten, war viele Kilometer entfernt. Trotzdem erreichten wir um 12:30 Uhr das Klinikgelände. Damit war es dann jedoch leider vorbei mit der Entspannung. Zuerst suchten wir lange Zeit das Parkhaus und dann liefen wir auch noch in die völlig falsche Richtung, was uns erst um 12:55 Uhr wirklich bewusst wurde. Also schnell umgekehrt und den gesamten Berg, den wir auf der falschen Seite hinutergelaufen waren, wieder hinaufgelaufen, um ihn auf der richtigen Seite erneut hinunterzulaufen. (Welche Stadt kommt auf die Idee ihr Uniklinikum mitten auf einen Berg zu bauen und das Parkhaus an die HÖCHSTE Stelle der gesamten Gegend zu setzen???). In der Frauenklinik angekommen erkundigten wir uns in der Information nach der Kinderwunschsprechstunde. Diese befindet sich ungelogen im Keller am Ende eines sehr sehr langen Flures, welcher aussieht, als wäre er seit den 70ern nicht mehr renoviert worden. Am Boden sind braune Fliesen, die Wände sind weiß und alle par Meter steht eine überdimensionierte Plastikpflanze in einem Trog. Etwa acht Minuten zu spät klopften wir endlich an der richtigen Anmeldung.

Die Angestellte, welche unsere Aufnahme machen sollte, war wirklich nett… aber vollkommen überfordert mit uns als Frauenpaar. Sie entschuldigte sich viele Male und wurde nicht müde uns zu erzählen, dass das natürlich vollkommen in Ordnung sei und die Klinik da schon einige gehabt hätte, aber für sie das neu sei. Schlussendlich erhielten sowohl das Hannibaellchen als auch ich einen Fragebogen und ich reichte ihr unseren gesamten Babyordner zum Kopieren der Blutergebnisse etc. Das Ausfüllen der Fragebögen gestaltete sich relativ lustig, weil das Hannibaellchen und ich nicht wussten, welche Schlüsse die Klinik daraus ziehen würde, dass wir ca. zweimal die Woche Sex haben, auch darauf achten, wann mein Eisprung ist, und die ersehnte Schwangerschaft bereits seit sechs Jahren ausbleibt, obwohl wir beide nicht verhüten ;). Außerdem hatte das Hannibaellchen wirklich Probleme zu rekonstruieren, wann ihre letzte Periode war, wie lange sie gedauert hat und wie lang ihr Zyklus normalerweise ist, weil sie auf solche Dinge überhaupt nicht achtet. Nach ca. einer halben Stunde wurden wir von einem sehr nett und jung aussehenden Arzt begrüßt und in ein Behandlungszimmer gebracht. Er sprach mit uns noch einmal alle mitgebrachten Unterlagen durch und bestätigte mich in meiner Annahme, dass keine weiteren Untersuchungen notwendig seien, um mit der Behandlung zu beginnen. Er fragte uns, warum wir beschlossen hatten die Klinik zu wechseln, wo wir doch bereits in München in Behandlung seien und war sehr überrascht, als wir mitteilten, dass in München ausschließlich Inseminationen mit Kappe durchgeführt werden und weder IUIs noch IVFs. Das Hannibaellchen und ich waren uns ja bereits seit einigen Wochen klar, dass wir eine IVF-Behandlung wollen und das teilten wir dem Arzt auch so mit. Dieser meinte, dass wir hierfür noch weitere Unterlagen besprechen müssten und er das vorher mit dem Oberarzt abklären müsse, nicht, weil eine Behandlung nicht möglich wäre, sondern damit er nichts wichtiges vergisst. Der Oberarzt sei im Moment jedoch in einer OP, weshalb er uns bitten würde eine Stunde zu warten. Das war für uns kein Problem.

Um nicht eine ganze Stunde in diesem düsteren Keller zu sitzen, beschlossen wir den Berg nach unten zu laufen und uns nach einem Cafè umzusehen. Leider hatten wir jedoch kein Bargeld mehr dabei und der einzige Automat in der Nähe, stellte sich als falsch heraus (4 Euro Gebühren für 10 Euro Kaffee… eher nicht 😀 ). So gingen wir kurzerhand in einen BurgerKing, um eine Kleinigkeit zu essen. Wir sind beide eigentlich keine FastFood-Fans, aber dort kann man wenigstens mit Karte zahlen…

Pünktlich eine Stunde und viele Schritte bergauf später saßen wir wieder im Flur des Kellers und warteten auf den Arzt. Dieser ließ auch nicht lange auf sich warten und führte uns wieder in das Behandlungszimmer von vorhin. Er fragte, ob es möglich wäre eine kurze gynäkologische Untersuchung durchzuführen, um die Erreichbarkeit der Eierstöcke zu testen. Diese sei durch mein Übergewicht etwas eingeschränkt. Mit dem Ergebnis war er anschließend auch nur semi-zufrieden. Mein linker Eierstock ist, wie immer, gut erreichbar, doch mein Rechter ist schwer zu sehen. Das Problem kennen wir ja schon. Anschließend drückte uns der Arzt einige Papiere zu IVF und anderen Untersuchungen in die Hand und fragte, ob es möglich wäre, dass wir noch einmal kurz warten, bis der Oberarzt Zeit hat. Damit landeten wir ein drittes Mal auf dem Flur. Diese Zeit nutzten wir nun, um uns die Unterlagen kurz einmal durchzusehen und das zu verarbeiten, was wir bis jetzt gehört hatten. Für eine IVF werden zwei Straw`s Sperma benötigt. Allein die Kosten hierfür belaufen sich somit auf 1000 Euro. Dazu kommt eine Bearbeitungsgebühr in Höhe von ca. 200 Euro und eine Transportgebühr in Höhe von 250 Euro. Die Einlagerung und Aufbewahrung des Spermas in Würzburg würde weitere 250 Euro kosten. Damit wären somit die 2000 Euro, welche wir von einem Freund geliehen bekommen, fast aufgebraucht, ohne auch nur eine Untersuchung, oder die Medikamente mitgerechnet zu haben…

Keine zehn Minuten später begrüßte uns ein ebenfalls sehr jung und nett wirkender Oberarzt. Wir wurden wieder in das Besprechungszimmer gebeten. Mein Elan und meine Vorfreude auf diesen Termin war jedoch inzwischen ziemlich gedämpft. Wir berichteten erneut von unserem Werdegang, und dass wir bereits vier Versuche via Kappen-Insemination hinter uns haben. Auch der Oberarzt war ein wenig schockiert von der Gleichgültigkeit der Ärzte in München und ließ sich zu einer Aussage hinreißen, welche in etwa wie folgt lautete: „Man darf nicht vergessen, dass die Münchner Praxis eher kommerzielle Interessen verfolgt…“ Noch bedenklicher fanden die Ärzte, dass bei mir noch nie eine Hormonuntersuchung, oder die Eileiterdurchlässigkeit geprüft wurde, und das obwohl wir diese Untersuchungen bei vier Frauenärzt_innen angesprochen hatten. Überall wurden wir mit unterschiedlichen Begründungen abgeblockt, wie ihr ja alle wisst. Anschließend redeten wir erneut über das Kosten-Thema. Die Stimulation, welche für eine IVF nötig werden würde, ist ebenfalls sehr viel teurer, als ich gedacht hätte. Ich hatte mit ca. 600 – 800 Euro für Medikamente gerechnet. Es ist jedoch so, dass ich jeden zweiten Tag in meiner ersten Zyklushälfte eine Spritze bekommen würde, welche pro Stück fast 200 Euro kostet. Dazu kommt ein eisprungunterdrückendes Medikament für 50 Euro pro Portion. Bei einer ersten Zyklushälfte von ca. 16 Tagen käme hier eine Summe von 1600 – 1700 Euro zusammen. Damit war dem Hannibaellchen und mir endgültig klar, dass eine IVF im Moment für uns nicht finanzierbar ist. Das war dann auch der Zeitpunkt, an welchem ich den Tränen sehr nahe kam, was alle Anwesenden natürlich auch bemerkten. Mir wurde vorgeschlagen, eine Eileiterdurchgängigkeitsprüfung via Kontrastmittel am Anfang meines nächsten Zykluses zusammen mit einer Hormonuntersuchung durchführen zu lassen und zwar auf Kassenleistung. Da stimmte ich sofort zu und wenn es nur ist, um endlich Gewissheit darüber zu haben, ob es an einem von diesem Parametern liegt… Man sah den beiden Ärzten an, dass es ihnen sehr leid tat uns keine besseren Nachrichten geben zu können und wie ungerecht sie die Situation selbst fanden, aber mehr als das Erstgespräch kostenlos durchzuführen und die Kassenleistungs-Untersuchungen zu machen, konnten sie uns im Moment auch nicht vorschlagen. So ende also unser Termin in Würzburg. Auf dem langen Weg aus der Klinik brach ich schlussendlich in Tränen aus. Das Hannibaellchen musste mich trösten und auch eine Krankenpflegerin, welche vorhin kurz bei der Untersuchung dabei war, kam vorbei und vesuchte mir zu helfen. Ich kann mich in solchen Momenten zum Glück relativ schnell wieder fangen…

Ein paar Minuten später fuhren wir mit dem Auto schon wieder Richtung Heimat. Irgendwo auf der Strecke hielt ich allerdings auf einem Rastplatz, um noch einmal in Ruhe mit dem Hannibaellchen zu reden. Ich war sehr zittrig und konnte mich kaum konzentrieren. Da wollte ich lieber nicht auf der Autobahn unterwegs sein.

Uns ist beiden klar, dass wir einen sehr starken Kinderwunsch haben und nicht aufhören wollen mit der Planung, nur weil unser Geld nicht ausreicht. So kauten wir also alle möglichen Optionen durch:

  1. auf eine IVF sparen
  2. eine IUI in Würzburg durchführen lassen
  3. Privatspender*
  4. Pflegekind

Ja, ein Pflegekind ist durchaus eine Option für uns und ich möchte gerne später einmal ein Kind in Pflege nehmen, aber mein Wunsch danach Schwanger zu sein ist sehr groß. Vor allem beim ersten eigenen Kind ist (denke ich) eine „Vorlaufzeit“ sehr wichtig. Man kann nach und nach in das Thema hineinwachsen und sich damit beschäftigen. Beim ersten Kind fühlt man sich sowieso unsicher und überfordert, da möchte ich nicht unbedingt das Jugendamt als Kontrollinstanz hinter mir haben. Auch wenn ich weiß, dass die garnicht so schlimm sind, ist es doch irgendwie ein psychischer Druck… Ein Pflegekind kommt für uns durchaus als Erstkind in Frage, aber wirklich nur dann, wenn es keine anderen Alternativen gibt.

Das Hannibaellchen schlug vor, dass wir auch jetzt noch nach einem privaten Samenspender* suchen könnten. Das wäre natürlich ein sehr viel kostengünstigerer Weg, aber wir haben uns gezielt und bewusst gegen eine private Spende entschieden und die Gründe dafür gelten noch immer. Jetzt umzusteigen wäre wie das Messen mit zweierlei Maß. Ich möchte keinen privaten Spender* und ich möchte nicht wegen Geldnot zu einem solchen getrieben werden. Das würde sich nicht richtig anfühlen.

Eine IVF können wir uns im Moment auf gar keinen Fall leisten. Für eine solche müssten wir, unter einbezug der 2000 Euro unseres Freundes, noch mindestens ein halbes Jahr, wenn nicht sogar noch länger sparen. Im Moment sieht es bei uns finanziell sehr sehr sehr schlecht aus. Wir wissen gerade nicht einmal, wie wir den nächsten Monat überstehen sollen. Besser wird es erst, wenn ich wieder einen Job gefunden habe (das Hannibaellchen wird ja auch in spätestens eineinhalb Monaten arbeiten können), aber dann müssen wir erst noch einige Schulden bei Freund_innen zurückzahlen, bevor wir überhaupt ans Sparen denken können. So würde unser Kinderwunsch auf jeden Fall bis Herbst, oder noch länger, auf Eis liegen. Das ist eine sehr sehr schmerzhafte Vorstellung für uns.

Die Ärzte in Würzburg waren sich einig, dass sie am Liebsten eine IUI bei mir durchführen würden. Nach der Durchlässigkeitskontrolle der Eierstöcke und einem Hormonbild könnte abgeklärt werden, ob die Kinderlosigkeit darin begründet ist und die Chancen bei einer IUI sind eben doch noch ein bisschen größer als bei einer Kappen-Insemination. Zumindest eine IUI könnten wir uns wohl leisten.

Schlussendlich entschieden wir, die Ergebnisse der Untersuchungen am Anfang meines nächsten Zykluses abzuwarten. Sollten die Eierstöcke tatsächlich verklebt sein, könnte man dies operativ beheben und die Chancen würden anschließend natürlich enorm steigen via IUI schwanger zu werden. Dann würden wir uns vermutlich auf einen solchen Versuch einlassen. Ist jedoch mit meinen Hormonen und den Eierstöcken alles in Ordnung, macht eine IUI unserer Meinung nach sehr wenig Sinn. In diesem Fall müssten wir uns weitere Gedanken machen…

Naja, schlussendlich kamen wir nach sieben Stunden fahrt endlich wieder zuhause an. Nun haben wir viel zum Nachgrübeln und traurig sein… Im Moment ist es wirklich schwer bei uns…

Das wars von heute…
liebe Grüße

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