Tja, dieses Mal ist eben doch alles anders. Irgendwie passt es nicht zusammen… Zwei Tage nach der Insemination traue ich mich immernoch nicht die Tage bis zu einem möglichen Schwangerschaftstest zu zählen. Ich bin traurig und demotiviert, denn: Die Chancne auf eine Schwangerschaft schwinden mit jeder Minute…

Ja, ich bin eher pessimistisch im Moment und warum, das möchte ich euch nun kurz erklären. Es hängt zusammen mit der großen Unbekannten, dem schwarzen Loch, der ungewissen Variable eines jeden Schwangerschaftsversuchs – dem Eisprung. Ist es nicht seltsam, dass wir in einer vollständig medizinisierten Welt leben, in welcher es vollkommen normal ist, dass Geburten im Krankenhaus stattfinden, aber der Beginn eines  jeden Lebens nach wie vor im Dunklen liegt? Was ich damit meine ist folgendes: Damit eine weibliche Eizelle befruchtungsfähig wird, muss sie erst einmal „springen“ und zwar vom Eierstock in den Eileiter. Erst im Eileiter treffen Spermien und Ei aufeinander und im besten Fall kommt es zur Verschmelzung. Der Eisprung teilt somit den Zyklus einer jeden Frau in zwei Hälften. In der ersten Phase wird das Follikel gebildet und das Ei „sprungreif“ gemacht, in der Zweiten ist das Ei dann befruchtungsfähig. Dieser Eisprung ist eine sehr kurze Angelegenheit, ein paar Minuten und die Sache ist gegessen und dennoch ist gerade der Zeitpunkt an dem diese beiden Minuten sind von entscheidender Wichtigkeit. Das Problem dabei ist nämlich, dass niemand vorhersagen kann, wann er stattfinden wird. Es gibt keine (also wirklich gar keine) Möglichkeit das wirklich festzumachen. Natürlich gibt es viele Methoden den Zeitraum einzugränzen, aber mehr ist das eben auch nicht, eine Eingrenzung. Meist funktionieren diese sogar erst rückwirkend, also wenn der Eisprung war, kann man ungefähr eingrenzen wann er war. Nun ist es aber so, dass Geschlechtsverkehr, oder in unserem Fall eine Insemination, zum Zeitpunkt des Eisprungs schon zu spät wäre, denn Eizellen sind dann nur noch ca. 12 Stunden befruchtungsfähig und die Spermien brauchen eine gewisse Zeit, bis sie ihren Weg bis zum Eileiter geschafft haben. Medizinisch gewünscht ist es somit, dass die Spermien am Ende der Eileiter auf das frisch gesprungene Ei warten und es in dem Moment da es den Eierstock verlassen hat, sofort anfallen. Das funktioniert so natürlich nur, wenn sich die Spermien bereits einige Zeit vor dem Eisprung auf dem Weg machen. In der Eileiter fühlen die kleinen Kerlchen sich dabei so wohl, dass sie gut und gerne bis zu sieben Tage überlebensfähig sind. Sie können es sich dort somit schön bequem machen und auf die Eizelle warten. Findet somit irgendwann innerhalb von sieben Tagen vor dem Eisprung Geschlechtsverkehr statt, so kann dies zu einer Schwangerschaft führen ABER die Chancen erhöhen sich erheblich je schneller Geschlechtsverkehr und Eisprung aufeinander folgen. Irgendwo habe ich einmal gelesen, dass die statistisch größte Wahrscheinlichkeit auf eine Schwangerschaft zwei bzw. einen Tag vor dem Eisprung gegeben ist.

Das klingt nun erst einmal alles recht gut. Für „Normalo“-Frauen (also Frauen mit männlichem Partner, welche gemeinsam durch Geschlechtsverkehr schwanger werden wollen) heißt es im Endeffekt: „Solange ich ungefähr weiß, in welchem Zeitraum mein Eisprung ist, werde wir schon, wenn wir regelmäßig Sex in dieser Zeit haben, die extrem fruchtbaren Tage vor dem Eisprung treffen!“ In unserem Fall ist das natürlich alles ganz anders. Hier kommen nämlich einge Hürden mehr dazu. Die erste ist dabei wie eigendlich immer das liebe Geld. Die Kosten pro Versuch machen es nämlich nahezu unmöglich häufiger als einmal pro Zyklus zu inseminieren. Im Gegensatz zu gegengeschlechtlichen (gesunden) Paaren können wir nicht einfach vorsichtshalber alle zwei Tage einen Versuch unternehmen. Pro Zyklus gibts nur einen und der sollte dann natürlich auf den Tag genau stattfinden, denn wer gibt schon gerne Unmengen an Geld für einen Versuch aus, dessen Außenbedingungen nicht zu 100% passen. Nun wird der Zeitraum schon enger, denn wir wissen von oben, dass der beste Zeitpunkt höchstens zwei Tage vor dem Eisprung ist. Nun kommt jedoch ein weiteres Problem dazu, denn cryokonserviertes Sperma ist weniger lang haltbar als Frisches. Im Internet hält sich oft immernoch die Aussage, es sei gar nur 24 Stunden befruchtungsfähig. Von einer Gynäkologin habe ich erfahren, dass das so heutzutage nicht mehr stimmt. Die modernen, sehr schonenden Verfahren des Einfrierens sorgen dafür, dass Cryosperma annähernd so lange in der Eileiter überleben kann, wie Normales. Dennoch sollte man wohl eher mit einer verminderten Lebensdauer rechnen. Damit beschränkt sich der Zeitpunkt für die optimale Insemination auf ca. 1 1/2 Tage. Das ist immernoch recht viel Zeit, wenn es denn mit einfachem Geschlechtsverkehr getan wäre. In unserem Fall muss jedoch ein Termin mit der Klinik in diesem Zeitraum vereinbart werden und wir haben eine Anfahrt nach München von ca. 2,5 Stunden. Selbst uns, wo unsere Jobs sehr flexibel sind und es somit durchaus zulassen, dass wir mal später gehen, mal früher kommen, oder spontan einen Gleittag nehmen, fällt es so schwer wirklich zum perfekten Zeitraum in die Klinik zu kommen, denn und das ist das größte Problem: Man kann es nicht längerfristig planen. Ich weiß weder am Zyklustage noch zwei Tage vor dem Eisprung, wann dieser genau sein wird. Die Fahrt nach München ist somit reine Glückssache – die Hoffnung, dass man aufgrund all der selbst gemachten Beobachtungen den richtigen Zeitpunkt einen Tag vor dem Eisprung erwischt.Schon jetzt wird deutlich, dass Programme die sich „Eisprungrechner“ und das Datum des Eisprungs lediglich aus dem Zyklusanfang und der durchschnittlichen Zykluslänge errechnen wollen, totaler Bullshit sind. Zuverälssiger sind folgende Hilfsmittel, obwohl auch diese häufig eher schwammig sind:

  1. Ovulationstests
    Ovulationstests zeigen den Anstieg des LH-Hormons vor dem Eisprung. Dieser Anstieg findet 24 – 36 Stunden vor dem Eisprung statt. Jetzt stellen wir uns also vor, man nutzt jeden Morgen einen solchen Test zur Bestimmung des Eisprungs. Sollte das Hormon bereits Mittags ansteigen, bemerkt man diesen Anstieg erst am nächsten Morgen. Damit ist der Eisprung schon in sehr greifbare Nähe gerückt und selbst wenn man genau in diesem Moment inseminiert, könnte es schon zu spät sein. Außerdem ist hier ein „falscher Alarm“ möglich, wie er unter Punkt 3 nochmal genauer erklärt wird.
  2. Bluttests
    Bluttests können wichtige Erkenntnisse darüber liefern, ob ein Eisprung stattgefunden hat, und wie gut die Qualität des Eis ist/war. Der Hormonhaushalt einer Frau unterscheidet sich vor- und nach dem Eisprung. Weshalb durch ein Blutbild durchaus erkannt werden kann, in welcher Zyklusphase man sich gerade befindet. Eine Eingrenzung des Eisprungs ist aber nicht möglich.
  3. Ultraschall
    Ein Ultraschall ist in vielerlei Hinsicht nützlich. Hier kann beispielsweise erkannt werden, ob überhaupt ein Follikel heranreift und wie weit es entwickelt ist. Ein großes Follikel ist die Grundvoraussetzung für einen Eisprung. Follikel wachsen durchschnittlich 0,2 cm am Tag und ab einer Größte von 1,8 cm können sie springen. Das heißt aber nicht, dass sie das bei jeder Frau so tun. Zum einen können Follikel auch bis zu 3 cm wachsen bevor sie springen, zum Anderen können sich bereits existierende Follikel auch wieder zurückbilden, ohne vorher zu springen. In seltenen Fällen wurde bereits das LH-Hormon ausgeschüttet, Ovulationstests wurden positiv, und das Follikel bildet sich dennoch zurück und springt nicht. Ein großes, schön rundes Follikel ist somit auch nicht mehr als Indiz für einen baldigen Eisprung. In meinem letzten Zyklus hat sich so ein Follikel auf 1,34 cm größe entwickelt uns sich dann verabschiedet, weshalb die Gynäkologin in der zweiten Ultraschalluntersuchung davon ausging, dass mein Eisprung bereits gewesen sei. Ein zweites Follikel reifte jedoch heran und sprang ganz normal.

    Im Ultraschall kann außerdem der Stand des Zervixschleims beobachtet werden. Dieser baut sich kurz vor dem Eisprung bis zu seinem Maximum auf. Auch das ist allerdings kein sicheres Zeichen, denn so ein Schleimhöhepunkt kann auch zwei Tage andauern, oder aber mehrmals im Zyklus sein.

  4. Basaltemperaturmessung
    Als eine der sichersten Methoden gilt die Messung der Basaltemperatur, also der Grundtemperatur des Körpers morgens vor dem Aufstehen. Darüber hatte ich ja bereits berichtet. Kurz erklärt ist es so, dass sich der weibliche Zyklus in eine Phase der Temperaturtieflage (erste Zyklushälfte) und eine Phase der Temperaturhochlage (zweite Zyklushälfte) teilt. Dazwischen findet ein recht massiver Temperaturzuwachs statt. Dieser vollzieht sich meist innerhalb eines Tages (Anstieg der Temperatur um mind 0,2 Grad) und zeigt…, na was? Genau: Dass ein Eisprung stattgefunden hat. Somit kann man mit dieser Methode lediglich im Nachhinein feststellen, ob es sicher einen Eisprung gab. Wann dieser war ist jedoch schon wieder schwammiger, denn ein Temperaturanstieg ist nicht gleichbedeutend damit, dass der Eisprung am Tag vorher stattgefunden hat. Auch zwei Tage vorher wäre noch durchaus im Rahmen.
  5. Zervixschleim- und Muttermundbeobachtung
    Ebenso wie die Basaltemperaturmessung, sollte die Zervixschleim- und Muttermundbeobachtung einmal täglich erfolgen. Hier ist jedoch der Zeitpunkt nicht so ganz wichtig. Der Zervixschleim verändert sich im Laufe des weiblichen Zyklus. Während er am Zyklusanfang und am Ende eher dickflüssig, weißlich und klumpig ist, wird er um den Eisprung herum wässrig, fadenziehend und klar. So zumindest in der Theorie. In der Praxis sieht der Schleim einer jeden Frau unterschiedlich aus. So ist meiner beispielsweise immer glasklar und wässrig/ölig. Ich merke durchaus, dass sich der Schleim im Laufe des Zyklus verändert, aber die Unterschiede sind bei Weitem nicht so gravierend, wie es häufig dargestellt wird. Die Unterscheidung der Schleimqualität durch Nuancen (Ist der nun wässrig, oder eher ölig, oder eher klumpig?) ist schwer und birgt viele Fehlerquellen. Dennoch ist die Beobachtung des Zervixschleims eine gute Möglichkeit um einzuschätzen, wie weit der Körper im Moment ist.

    Das Gleiche gilt für die Muttermundbeobachtung. Auch dieser verändert sich innerhalb eines Zyklus. Während des Eisprungs und der Menstruation ist er beispielsweise geöffent um wahlweise Blut hinaus, oder Sperma hinein zu lassen. Sonst ist er geschlossen, damit keine Fremdkörper eindringen können. Außerdem wird er um den Eisprung herum weicher und sitzt tiefer im Becken, als an anderen Tagen. Frauen können somit, wenn sie täglich ihren Muttermund erfühlen (etwa haselnuss- bis wahlnussgroßes Ding tief in der Vagina) durchaus einen Unterschied feststellen und daran erkennen, wie bereit der Körper ist, Spermien aufzunehmen. Auch das gibt eine Tendenz, wie lange es noch bis zum Eisprung dauern kann, mehr aber leider nicht.

Sooo, das war nun ein Berg an Informationen, aber was fängt man damit an? Ist es so wichtig wie bei uns tatsächlich auf den Tag genau bestimmten zu können, wann der Eisprung stattfindet, so sollten mehrere dieser Methoden miteinander kombiniert werden. Genau das haben wir natürlich getan. Hilfreich da sind auch immer Vergleichswerte aus den Vormonaten. Was hat das nun für unseren Zyklus konkret bedeutet und waren bin ich im Moment so resigniert? Es ist so, dass laut LH-Tests mein Eisprung letzten Monat ca. am Zyklustag 18 war. Damals habe ich noch keine Basaltemperatur gessen und auch weder meinen Zervixschleim, noch meinen Muttermund beobachtet. Kurz vor der Insemination wurde mein Follikel noch einmal gemessen und mein Zervixschleim angeguckt. Beides zeigte gute Werte – es wurde inseminiert. Vermutlich hätte die Insemination allerdings ca. 12 Stunden früher stattfinden müssen. Ich hatte am Zyklustag 17 mittags meinen ersten positiven Ovulationstest. Der Eingriff war erst ziemlich genau 24 Stunden später, also schon sehr sehr nah am vermuteten Einsprung dran. Ob es wirklich zu einem Eisprung kam weiß ich nicht, aber ich gehe davon aus.

Diesen Monat habe ich angefangen mit der Messung meiner Aufwachtemperatur und mit Schleim- und Muttermundbeobachtung. Prallel dazu habe ich Ovulationstests gemacht und am Zyklustag 11 war ich bei meiner Gynäkologin, die ein schönes Follikel im Wachstum finden konnte. Das habe ich ja alles erzählt. Dieses war am Donnerstag 1,34 cm groß. Bei einem durchschnittlichen Wachstum von 0,2 cm am Tag, sollte es Montag somit 2,1 cm groß sein. Mein letzten Follikel war bereits bei 1,9 cm gesprungen, weshalb ich an diesem Wochenende riesige Angst davor hatte, mein Eisprung könnte stattfinden, ohne dass wir in die Klinik fahren könnten. Die Ovulationstests blieben aber negativ (wobei sie durchaus deutlicher waren, als sie es an unfruchtbaren Tagen sind). Das waren sie auch noch Montag früh und Montag mittag. Wir erhielten einen Termin für Montag Nachmittag in der Klinik zur Insemination. Obwohl die Ovulationstests weiterhin negativ waren entschlossen wir diesen Termin wahrzunehmen, denn zum Einen erwarteten wir ein sehr großes Follikel, zum Zweiten bemerkte ich eine positive Veränderung in meinem Zervixschleim und mein Muttermund war auch geöffnet und weich. In der Klinik bestätigte sich dieser Eindruck. Das Follikel war tatsächlich 2,1cm groß und rund, der Zervixschleim perfekt aufgebaut und der Muttermund geöffnet – alles Zeichen für eine extreme Fruchtbarkeit. Wir inseminierten also und fuhren wieder heim. Am nächsten Tag war meine Basaltemperatur im Keller, nämlich bei 36,3 Grad. Das bereitete mir jedoch keine Sorgen, denn bei vielen Frauen sackt die Temperatur vor dem Anstieg noch einmal ab. Der Eisprung findet etwa zur Zeit dieses Absackens statt und so hatte ich die Hoffnung, gerade meinen Eisprung zu haben/gehabt zu haben. Die Insemination wäre somit ein wenig mehr als 12 Stunden vorher gewesen, was perfekt im Zeitfenster von einem Tag gelegen hätte. Doch es sollte anders kommen…

Heute Morgen war meine Temperatur mit 36,35 Grad immernoch im Keller. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Eisprung bereits vor zwei Tagen stattgefunden hat, ist somit minimal. Eher hat er letzte Nacht oder heut Vormittag stattgefunden, oder… ja oder noch überhaupt nicht. Die Insemination ist inzwischen fast zwei Tage her und ich kann noch nicht einmal mit einer ES+-Zählerei beginnen, denn ob ich schon einen Eisprung hatte ist ungewiss. Sollte ich ihn noch nicht gehabt haben, haben wir den perfekten Zeitpunkt zur Insemination verpasst und waren zu früh dran. Wenn wir also nicht Glück haben und unsere Spermien besonders lebensfähig sind, sind diese also bereits tot und der Schwangerschaftsversuch diesen Monat scheitert schon bevor er begonnen hat. So oder so, die Wahrscheinlichkeit dass es geklappt hat, hat gelitten. Unmöglich ist es nicht… aber was heißt das schon. Morgen muss meine Temperatur ansteigen, tut sie es nicht, dann können wir diesen Zyklus getrost vollkommen vergessen und rund 800 Euro wurden von uns in den Sand gesetzt…

Das war nun ein sehr langer Blogeintrag für eine sehr kurze Aussage, aber hey… dafür ist es unser Blog und es tat gut all diese Zweifel, Sorgen und Ängste einmal niederzuschreiben… Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt, auch wenn sie sich dieses Mal nicht so richtig einstellen möchte…

liebe Grüße euch allen…

 

 

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