Hier nun mal (auf vielfachen Wunsch) wieder ein Beitrag von mir, der gleichzeitig als Fortsetzung des Themas „Muttergefühle“ von vor einigen Tagen zu betrachten ist. Das Thema ist noch nicht gegessen!

Achtung: Wie auch schon der letzte Text liefert dieser Eintrag einen persönlichen Eindruck und erhebt keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit!

Wie Noelana schon in dem anderen Eintrag festgestellt hat, sind mit den sogenannten Muttergefühlen grundsätzlich bestimmte Erwartungen verknüpft. Während Noelana jedoch vor allem auf Gesellschaftliche und Politische Erwartungen eingegangen ist, möchte ich das ganze mal von einem eher praktischen Standpunkt beleuchten. Sprich: ich möchte mich einmal mit den konkreten Verhaltensvorgaben befassen, die für „Muttergefühle“ gelten.

Es scheint mir da nämlich einige unausgesprochene Merkmale zu geben, woran man diese Muttergefühle denn erkennt.

Eines dieser Merkmale ist beispielsweise, dass Mütter, vor allem werdende oder frisch gebackene, als allererstes ihr Kind im Kopf haben und dass sich alles nur darum dreht. Sämtliche Gesprächsthemen reduzieren sich darauf und alle Interaktionen mit der Umwelt werden hier mit eingebunden (ich überspitze vielleicht ein wenig an dieser Stelle, aber mir geht es um die Anschaulichkeit.) Um ein Beispiel zu bringen: Es ist also völlig normal, dass man quasi automatisch immer irgendwie mit seinem Kind beschäftigt ist, es rumträgt, daran herumfiddelt und darüber redet. Ja, das wird sogar regelrecht erwartet. Wenn eine Mutter mit ihrem Kind in einem Raum ist und das Kleine nicht gerade tief und fest schläft, dann besagt irgendein Naturgesetz, dass die Mutter wie Kaugummi an dem Kleinen zu kleben hat. Das diktieren schließlich die Muttergefühle. Vor allem dann, wenn gerade auch andere Personen zu Besuch sind. Das diktiert der Mutterstolz (auch so ein schönes Wort). Ist das nicht der Fall, dann kann das dem Umfeld schon mal negativ auffallen. Aber warum eigentlich? Sicher, es ist logisch, dass ein Kleinkind nun mal viel Aufmerksamkeit erfordert und deshalb oft eine Rolle z.B. in Gesprächen spielt, aber wo ist das Problem, wenn ich trotzdem mal ein gutes Gespräch mit Freunden haben will, ohne die Gefahr, dass mir jemand zwischen zwei Sätzen auf den Rücken kotzt?

Aber ach! Die Sache mit dem Guten Gespräch unter Freund_innen an sich wäre ja wohl auch schon schwierig. Es gibt da nämlich noch so eine gesellschaftlich weit verbreitete Annahme zu den Muttergefühlen. Diese besagt nämlich auch, dass Mütter – eben dank dieser Gefühle – meistens nicht mehr ernst zu nehmen sind. Da wird Menschen, die sich schon sehr lange und intensiv wissenschaftlich mit Themen wie Pädagogik und Geschlechterstereotypen befassen, die Stichhaltigkeit ihrer Meinung abgesprochen, weil „Schwangere und Neumütter ja immer alles so fürchterlich übertreiben“ Allgemein scheint es mit der Zurechnungsfähigkeit wohl laut allgemeinem Konsens nicht zu weit her zu sein, in Zeiten der „Muttergefühle“. Argumente in Streitgesprächen werden abgetan und es wird den Frauen ein hysterischer Ausbruch ohne Grundlage unterstellt, weil „Sie ist ja schwanger – Die Hormone, sie wissen schon… *zwinker, zwinker*“ So als ob eine Schwangerschaft aus Frauen grundsätzlich ein Tickendes Zeitbomben-Hormonbündel ohne Einfluss auf das eigene Handeln macht. Das wird erwartet. Und wenn das trotzdem nicht so ist, dann wird es dennoch angenommen. Und was das Schlimmste ist? Das ist so universell, dass ich mich selbst schon dabei ertappt habe, wie ich solche Sachen denke. Dabei ist es in höchstem Maße diskriminierend und ein weiteres Schlupfloch, durch das Frauen Fähigkeiten und Rechte schlicht und ergreifend abgesprochen werden. Es ist Alltagssexismus in Reinform und ich könnte im Kreis kotzen, wenn ich darüber nachdenke.

Es gibt mit Sicherheit noch einige andere (unausgesprochene) Merkmale von Muttergefühlen, auf die man hier eingehen könnte, aber für mich sind diese beiden, die, die mir am meisten auf den Keks gehen. Außerdem würde der Eintrag zu lang werden, wenn ich noch weiter ins Detail gehe. Vielleicht gibt es mal eine Fortsetzung…

Aber zum Schluss noch eine kurze Erklärung, warum mich das Thema so auf die Palme bringt. Beim Zweiten Punkt erklärt es sich von selbst: Ich bin gegen Sexismus, egal durch welches Hintertürchen er angeschlichen kommt.

Was den ersten Teil meiner Ausführungen angeht: Sicher, diese Gesellschaftliche Ansicht ist vielleicht ein wenig nervtötend, aber es wird schon niemand vor Gericht gezerrt werden, wenn er sein Kind beim Besuch nicht auf dem Arm Spazieren trägt, richtig? Richtig? Falsch. Es ist nämlich so: Ich werde für dieses Kind so oder so vor Gericht gezerrt werden. Vors Familiengericht, damit jemand, der mich und meine Familie an diesem Tag vermutlich das erste mal für Fünf Minuten zu Gesicht bekommt darüber entscheidet, ob dieses Kind, denn auch wirklich mein Kind sein darf, oder ob ich dem Kind so unzumutbar bin, dass das Sorgerecht wohl besser nur bei meiner Frau bleibt. Ich weiß, es ist sehr unwahrscheinlich, dass es dazu kommt, da müsste ich schon sehr viel Murks bauen, aber die reine Tatsache an sich ist ja wohl schon verstörend genug. Vor allem wenn man bedenkt, was die Hauptgrundlage für eine Solche Entscheidung ist: Ein Bericht vom Jugendamt. Die wollen natürlich von mir sehen, dass ich eine Bindung zu dem Kind habe. Das heißt, sie kommen zu uns nach Hause und schauen sich an, wie ich mit unserem Kind umgehe. Ob ich denn immer schön von unserem Kind spreche und es auch dienstbeflissen in der Gegend rumtrage, wie oben angesprochen. Und daraufhin verfassen sie einen Bericht, der dem/der Richter_in vorgelegt wird, welcher dann entscheidet, dass ich das kleinere Übel im Vergleich zum Alleinerziehendenstatus bin. Das ganze kann gut und gerne ein Jahr dauern, in dem mein Kind rechtlich von meiner Seite Null Komma gar nicht rechtlich abgesichert ist, falls mir oder Noelana was passiert. Dieser Prozess ist zeit- und nervenraubend und meiner Meinung nach alles andere als im Sinne des Kindes. Richtig deutlich wird das aber vor allem wieder einmal erst, wenn man das Procedere bei heterosexuellen Menschen gegenüberstellt. Da gibt es keine Jugendamtbesuche und einjährige schwebende Verfahren, keine Gerichtsentscheidungen und selbstverfasste Lebensläufe. Da wird der Vater in die Geburtsurkunde eingetragen und fertig. Und der Hohn bei der Sache ist, dass der Vater das Ganze noch nicht mal freiwillig anerkennen muss. Eine Vaterschaft kann auch festgestellt werden, wenn derjenige gar nichts davon wissen will. Oder kurz: Es ist für einen Mann juristisch leichter, ungewollt zu einem Kind verdonnert zu werden, als für uns, obwohl wir es wollen.

Und das lasse ich jetzt einfach mal so stehen…

Liebe Grüße, Hannibaellchen

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