Achtung: In diesem Text spielt Hannibaellchens und mein Kinderwunsch eher eine nebensächliche Rolle. Vielmehr werde ich hier den ersten eher politischen motivierten Eintrag verfassen. Dabei dürft ihr aber nicht damit rechnen, hier eine wissenschaftliche Abhandlung vorzufinden. Ich muss in meinem Studienleben so viele „neutrale“ Texte verfassen, dass ich zumindest auf meinem eigenen Blog die Hutschnur platzen lassen möchte. Nun, das wird vielleicht schon im Titel ganz gut deutlich 😉

Was wird euch hier erwarten? Wie der Titel schon verrät, möchte ich einmal meine Meinung zu den so hoch gepriesenen Muttergefühlen kundtun. Um das noch einmal deutlich zu machen – meine Meinung – und die ist vielleicht für den Geschmack des/der Einen oder Anderen nicht verständlich. Das ist ok, aber bindet es mir nicht auf die Nase. Da hab ich kein Interesse daran…

Einschub: Dieser Blogeintrag ist nicht fertig. Er ist vollkommen unstrukturiert und hat keinen roten Faden. Ich habe ihn nun denoch veröffentlicht, weil ich es im Moment nicht schaffe ihn noch einmal vollständig zu überarbeiten und aber troztdem diese Gedanken mit euch teilen möchte. Seht mir das nach! Irgendwann kommt die Überarbeitung bestimmt, gerne auch mit Anmerkungen und Ideen von euch.

sooo und nun gehts los:

Vor Kurzem stellte ein schwules Paar in einem sozialen Netzwerk die Anfrage, ob es irgendeinen einigermaßen erschwingbaren Weg gäbe, ein gemeinsames Kind zu bekommen. Innerhalb kürzester Zeit fiel das Wort Leihmutterschaft und fast im selben Moment brüskierten sich die anwesenden Lesben darüber, dass keine Frau der Welt ein Kind neun Monate austragen könne, um es anschließend abzugeben, denn da würden deren natürliche Muttergefühle dagegenstehen! Muttergefühle also, aber was soll das sein? Der Duden definiert diese als „von einer Mutter ihrem Kind entgegengebrachtes Gefühl der Zuwendung, Fürsorglichkeit o. Ä.“. Mit anderen Worten wird von Frauen somit verlang aus irgendwelchen naturhaften Gründen eine besondere Bindung zu den selbst geborenen Kindern zu haben. Das klingt erst einmal nach einer schönen Vorstellung, aber lasst es uns noch ein bisschen genauer angucken:

Natürlich gibt es Frauen, die diese „Muttergefühle“ empfinden und das ist vermutlich kein kleiner Teil  der Mütter auf unserer Welt, aber davon auszugehen, dass dies naturhaft so zu sein hätte, ist meiner Meinung nach ein zutiefst diskriminierender Gedanke, denn er verknüpft das Geschlecht bzw. in diesem Fall die Weiblichkeit einer Person mit Erlebens- und Verhaltenserwartungen. Anders formuliert: Eine Frau hat eine gute Mutter zu sein, oder noch schärfer vormuliert: Eine Frau will naturgemäß eine gute Mutter sein. Das schließt nicht nur Mütter ein, sondern auch Frauen, welche (noch) keine Kinder geboren haben. Befinden sich diese im „gebärfähigen Alter“ und die derzeitige Lebenssituation wird vom Umfeld als gut abgesichert wahrgenommen (langjähriger männlicher Partner vorhanden, gute finanzielle und materielle Situation, usw.), so scheint es für Außenstehende selbstverständlich, dass die „biologische Uhr“ der Frau anspringt und ihren Tribut in Form eines Kindes fordert. Nun leben wir heutzutage in angeblich modernen Zeiten, was bedeutet, dass eine Gesellschaft durchaus auch toleriert, wenn ein Paar kinderlos bleibt. Die Familiengründung ist kein Muss mehr, wie das vielleicht vor ein paar Jahrzehnten noch der Fall gewesen wäre und dennoch ist es eher die Regel Kinder zu bekommen. Dabei gesteht die Gesellschaft in der >Moderne< jedoch nur ein kleines Zeitfenster zu, denn schließlich sollte man nicht zu alt und nicht zu jung sein beim ersten Kind, man sollte sich abgesichert haben und nicht ausschließlich vom Partner (männliche Form absichtlich gewählt) abhängig sein, man sollte eine Ausbildung abgeschlossen und schon ein paar Jahre gearbeitet haben, aber dennoch nicht sofort nach der Geburt des Kindes wieder einsteigen wollen, etc. Die von der Gesellschaft legitimierte Zeit zur Begründung einer Familie beschränkt sich somit auf ein sehr kurzes Zeitfenster zwischen dem ca. 25 und 35 Lebensjahr. Beim Lesen dieses Textes bleibt die Grundaussage vielleicht etwas versteckt, deshalb nun noch einmal deutlicher: In einem bestimmten Alter hat eine Frau ihr Leben so zu führen, dass ihr von der Gesellschaft zugestanden werden kann ein Kind bekommen zu dürfen bzw. zu müssen. In diesem Zeitraum wird eine Frau häufig allein auf die biologisch bestimmte Gebärfähigkeit reduziert, wie es beispielsweise durch Fragen wie: „Wann ist es denn bei euch so weit?“, oder die unausgesprochene Ablehnung des neuen Jobs geschieht. Es wird unhinterfragt davon ausgegangen, dass eine Frau, deren Lebensumstände aus der Sicht von Außenstehenden ein Kind zulassen, auch ein Kind bekommen möchte. Ist dem nicht so, so ist es Aufgabe der Frau zu erklären, warum sie sich ihrer angeblichen Natur widersetzt.

Die Geschichte wird jedoch noch komplizierter, ein Kind zu wollen ist nicht gleichbedeutend damit, ein Kind zeugen und austragen zu wollen. Stellt euch ein heterosexuelles Paar mit Kinderwunsch vor. Hier steht erst einmal außer Frage, dass diese beiden Menschen miteinander Sex haben werden, um ein Kind zu zeugen. Während für den Mann innerhalb weniger Minuten sein „Soll“ erfüllt ist, geht es für eine Frau erst dann richtig los. Sie wird diesem kleinen Menschen neun Monate den eigenen Körper zur Verfügung stellen, ihn anschließend eventuell stillen und vermutlich auch längere Zeit ihr Leben für dieses Kind umstellen. Natürlich bedeutet es auch für einen Mann eine Umstellung, wenn er Vater wird, wobei diese in vielen Fällen nicht annähernd so gravierend sein wird, wie die der Frauen. Eine wirkliche Auseinandersetzung darüber, ob eine Frau all dies auf sich nehmen möchte, nur um Mutter zu werden, bleibt häufig aus. Es wird viel mehr als gegeben hingenommen, dass ein Kind auf dem „natürlichen“ Weg gezeugt wird. Adoptiv- oder Pflegeelternschaft gilt als Alternative, wenn auf natürliche Weise keine Kinder bekommen werden können. Auch hier findet eine Reduzierung der Frau auf ihre Gebärfähigkeit statt. Nur, weil sie in der Lage ist ein Kind zu bekommen und auch ein Kind haben möchte, wird vorausgesetzt, dass sie dieses Kind zeugen und austragen wird. Das ist so tief in uns verwurzelt, dass viele Frauen nicht einmal auf die Idee kämen, darüber nachzudenken, ob sie schwanger sein möchten. Meine Partnerin bezeichnet sich selbst als bisexuell und könnte demnach, wenn sie nicht mit mir eine Beziehung führen würde, auch mit einem Mann zusammenleben. Das Hannibaellchen hat einen starken Kinderwunsch, aber Schwangerschaft gehört für sie nicht zu ihrem Konzept von Mutterschaft. Würde sie in einer heterosexuellen Partnerschaft leben, würde von ihr aber genau das verlangt werden. Nur durch vehemente Ablehnung ihrerseits könnte sie diesem vermeintlich natürlichen Prozess entgehen. Ihr Konzept von Mutterschaft ist somit ein anderes als beispielsweise meines, denn zu diesem gehört Schwangerschaft durchaus dazu. Nun könnte man es sich leicht machen und dem Hannibaellchen die Vaterrolle zugestehen. Diese Unterscheidung zwischen Mutter (= Mutterrolle) und Co-Mutter (= Vaterrolle) wird häufig gemacht, läst aber das Problem nicht auf. In diesem Gedankenmodell wären die so genannten Muttergefühle nach wie vor mit dem Weiblichen verbunden, auch wenn akzeptiert würde, dass nicht alle Frauen diese empfinden. Diese Debatte wurde bereits in Bezug auf transidente Personen geführt, denn diese bewegen sich häufig nach wie vor in einem binären Geschlechtssystem (männlich – weiblich), was für Außenstehende häufig besser zu verstehen ist, als wenn sich Menschen keiner (bestehenden) Geschlechtskategorie unterordnen möchten. In unserem Beispiel ist es somit für Frauen möglich, eher eine Vaterrolle einzunehmen, denn dabei wird das Konzept von Väterlichkeit und Mütterlichkeit nicht grundsätzlich in Frage gestellt. Das Hannibaellchen sieht sich jedoch nicht in der väterlichen Rolle, es sieht sich ganz allgemein in der Elterrolle. Wie es diese Rolle für sich ausschmückt, hat dabei rein garnichts mit ihrem Geschlecht zu tun. Diese Position kann das Hannibaellchen auch nur deswegen vertreten, weil sie in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft lebt und der Druck durch die Umwelt somit ein wenig kleiner ist. Wir sind eh nicht normal, da macht es auch keinen Unterschied, wenn das Hannibaellchen keine „typischen“ Muttergefühle empfindet, sondern ihre Elternposition anders definiert.  Würde sie versuchen diese Einstellung in einer gegengeschlechtlichen Partnerschaft durchzusetzen, würde ihr das vermutlich eher schwer gelingen.

Dazu kommt, dass dem Hannibaellchen und mir die biologische Komponente der Angelegenheit vollkommen egal sind. Sowohl dem Hannibaellchen als auch mir ist es nicht wichtig, dass das Hummelchen „unser eigen Fleisch und Blut“ ist. So ist für uns beide durchaus vorstellbar unseren Kindwunsch durch ein oder mehrere Pflegekinder zu erfüllen. Warum ich dennoch versuche schwanger zu werden hat nichts mit Genweitergabe zu tun, sondern einzig und allein damit, dass ich eine Schwangerschaft gut mit meinem Selbstkonzept vereinbaren kann. Ich wäre dieser Erfahrung gerne reicher, aber sollte es nicht klappen, so würde ich darauf auch verzichten. Viele gegengeschlechtliche Paare können sich jedoch genau das nicht vorstellen. Da wird auf Teufel kom raus versucht ein eigenes Kind zu bekommen bzw. von der Frau austragen zu lassen. Das scheint vor allem für die Männer in diesen Partnerschaften eine entscheidende Rolle zu spielen. Selbst wenn ihre Unfruchtbarkeit der Grund für die Kinderlosigkeit sind, werden Alternativen häufig ausgeschlagen, selbst wenn das bedeutet, dass das Paar vollständig kinderlos bleibt. Natürlich ist das eine krasse Verallgemeinerung und es gibt bestimmt viele gegengeschlechtliche Paare, welche das anders sehen mögen und dennoch lehne ich mich so weit aus dem Fenster und behaupte, dass die Variante nicht biologisch eigene Kinder zu haben, bei Frau-Mann-Pärchen kaum Beachtung findet.

In Bezug auf die Muttergefühle bedeutet das einmal wieder, dass Mutterschaft und Vaterschaft ebenso mit Verhaltenserwartungen verknüpft sind wie Weiblichkeit und Männlichkeit, wobei Frauen nach wie vor den größeren Reglementationen ausgesetzt sind. Zu Mutterschaft gehört es fast unweigerlich dazu, ein Kind auszutragen, zur Vaterschaft, es gezeugt zu haben. Bis in das 17. Jahrhundert hinein galt der männliche Samen als „formend“, dass auch die Frau einen Teil zu den Genen beisteuert, ist erst seit neuerer Zeit bekannt. Muttergefühle sind schon eine feine Sache, rechtfertigen sie doch nach wie vor eine traditionelle Familienaufteilung in der die Frau zuhause bei den Kindern bleibt und der Mann arbeiten geht. Nun gut, es mag Ausnahmen geben, karieregeile Supertussies, denen ihre Familie egal ist und die lieber sofort wieder zurück zur Arbeit gehen (also genau das, was ein Großteil der Männer macht), aber die sind die Ausnahme und werden schon sehr zweifelnd beäugt, selbst dann, wenn die Väter ihre „Muttergefühle“ entdecken und bei den Kindern zuhause bleiben. Auch ein schönes Thema… zuhause bleibende Väter: Ja, so etwas gibt es und warum auch nicht. Die reine Tatsache, dass biologische Männer keine Kinder gebären können, sagt doch noch lange nichts über ihre Gefühle gegenüber den Kindern aus. Ich habe einen Freund, der würde alles dafür tun, einmal ein Kind austragen zu dürfen, der hat Muttergefühle, aber Hallo! Tja, es bleibt ihm verwehrt, aber er hat sie trotzdem und genauso ist es

 

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