Hannibaellchen und mir war schon vor Jahren klar, dass unser Kinderwunsch eines Tages über eine deutsche Klinik unter Einbezug eines anonymen Spenders erfüllt werden wird…Daneben gibt es natürlich noch weitere Varianten:

  1. Spender aus Bekannten- oder Freundeskreis
  2. Suche eines anonymen oder halbanonymen Spenders
  3.  anonyme Samenbank und Klinik im Ausland (z.B. Holland)
  4. Pflegekindschaft (kurz- oder langzeit)
  5. Adoption
  6. etc.

Warum wir uns trotzdem so wehement für die wohl teuerste Variante im Spiel entschieden haben, liegt wohl zu großen Teilen an unserem Beruf… wir sind beide Sozialpädagoginnen, haben also grundlegende Kenntnisse zum deutschen Recht und wissen um die immer vorhandenen Ausnahmen so mancher Regel. Ein Spender aus Bekannten- oder Freundeskreis kam für uns daher nicht in Frage, obwohl wir durchaus hilfsbereits männliche Freunde hätten ;). Viele lesbische Paare suchen gezielt nach einem Spender, welcher anschließend die Vaterrolle für das Kind einnimmt und präsent im Leben von diesem mitwirkt. Wird das gewünscht, macht es natürlich Sinn eine Person als Spender auszuwählen, welche einem nicht nur sympatisch ist, sondern auch eine, bei der man sich vorstellen kann, sie regelmäßig zu sehen. Da eignet sich ein Freund, oder ein Bekannter natürlich am Besten. In unserem Fall hat ein guter, schwuler Freund angeboten für uns zu spenden ohne anschließend aktiv als Vater an der Erziehung beteiligt werden zu wollen. Er hätte sich im Hintergrund gehalten und wäre dem Kind als „Freund der Familie“ vorgestellt worden. Hannibaellchen und ich möchten keine Dreiecksbeziehung um das Kind herum schaffen. Obwohl ich alle Paare bewundern, die genau an dieser Konstelation täglich nicht scheitern und es für ein Kind bestimmt toll ist drei erwachsene Bezugspersonen zu haben, hätten wir uns nicht vorstellen können wichtige Entscheidungen das Hummelchen betreffend immer mit einer dritten Person absprechen zu müssen.  Auch das Angebot unseres guten Freundes mussten wir ablehnen. Zu groß war die Angst von unserer, aber auch seiner Seite, er könne doch „Vatergefühle“ für sein gezeugtes Kind entwickeln. Wir kamen einvernehmlich zu der Entscheidung, dass unsere Freundschaft nicht durch ein solches gemeinsames Projekt gefährdet werden sollte.

Gut, nun ist klar, war für uns kein Spender aus dem Freundes- oder Bekanntenkreis in Frage kommt. Da gibt es doch aber noch die Möglichkeit einen anonymen Samenspender privat zu suchen, zum Beispiel über das Internet. Ja, die Möglichkeit gibt es und ja, sie wird von sehr vielen lesbischen Pärchen genutzt. Auch dieser Weg kann gutgehen und das tut er auch meistens, aber nun kommt unsere Sozialarbeiterinnen-Paranoia ins Spiel. Wer sagt mir 1. dass diese mir fremde Person nicht doch Ansprüche auf das Kind stellt – Theoretisch hat er ein Recht hierzu, solange er das Kind von seiner Seite nicht zur Adoption freigibt – und 2. dass diese Person wirklich sauber ist und mich und das Baby nicht mit irgendeinem Mist ansteckt – Natürlich kann man sich aktuelle Tests geben lassen, aber egal wie aktuell, bis zum Zeitpunkt der Spende vergeht trotzdem noch eine gewisse Zeit in der diese Person durchaus nochmal die Chance hat krank zu werden. und 3. dass der Mensch anschließend wirklich aus unserem Leben verschwindet und die Kenntnis bestimmter Daten von uns (wie sie in einem Vertrag über die Rechte und Pfichten niedergschrieben wären) nicht gegen uns verwendet? Gut, das sind alles Wenns und Abers. Die Wahrscheinlichkeit, dass davon etwas wirklich passiert, ist sehr gering, ABER sie ist vorhanden. Es KANN passieren und wir haben wirklich keine Lust auf einen evtl. jahrelangen Prozess um das Hummelchen…

Ok, die private Suche nach einem anonymen Spender kam somit auch nicht in Frage, aber wie ist es denn mit Adoptiv- oder Pflegekindern? Eine Adoption kann gleich zu Beginn schon ausgeschlossen werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein lesbisches Paar ein Kind adoptieren kann ist genauso hoch, wie die Vorstellung eine Schnecke könnte über den Mond springen. Eine gemeinsame Adoption ist nach deutschem Recht nicht möglich. Höchstens eine von beiden Frauen könnte als „Single-Frau“ den Adoptionsvertrag stellen und die Zweite müsste das Kind, wenn es dann schon adoptiert ist in einer Stiefkindadoption ebenfalls adoptieren. Da kann man sich den Umfang des Bürokrams schon einmal bildlich vorstellen. Vor allem, weil auch Single-Personen keine Chance auf eine erfolgreiche Adoption haben. Eine größe Überlegung ist da tatsächlich die Pflegekindschaft. Pflegekinder sind Kinder die vom Jugendamt aus der Familie genommen werden mussten, weil dort eine Kindeswohlgefärdung vorlag. Trotzdem haben die leiblichen Eltern ein Recht auf ihre Kinder und können alle zwei Jahre ihre Erziehungsfähigkeit neu überprüfen lassen. Solange diese leiblichen Eltern ihre Kinder nicht freiwillig zur Adoption frei geben, können die Jugendämter nur auf Pflegefamilien zurückgreifen, damit die Kinder in einem familiären Rahmen aufwachsen können. Pflegeeltern haben die Vormundschaft für ihre Kinder, aber nicht die elterliche Sorge. Obwohl die Kinder teilweise von kurz nach der Geburt bis zum 18 Lebensjahr und länger bei den Pflegeeltern leben, haben die leiblichen Eltern und auch das Jugendamt ständig ein Mitspracherecht bei Kindeswohlentscheidungen. Das ist natürlich sehr anstrengend und beschwehrlich. Andererseits brauchen gerade diese Kinder ein liebendes und fürsorgliches Umfeld, denn genau das haben sie in ihrer Herkunftsfamilie vermutlich nicht erlebt. Aber man muss sich auch darüber bewusst sein, dass diese Kinder gezeichnet von früheren Erfahrungen sind. Ihr früheres Leben wird sie immer begleiten und es wird sich auch in der ein oder anderen Situation äußern. Hannibaellchen und ich können uns durchaus vorstellen ein oder mehrere Kinder zur Pflege zu nehmen – irgendwann. Was dabei aber fehlen würde sind genau die Erfahrungen, die wir jetzt gerade machen. Der Weg zu einer Schwangerschaft und die Schwangerschaft selbst sind interessante Zeiten mit interessanten Erfahrungen. Zumindest einmal in unserem Leben, möchten wir diese durchleben.

Letzte und häufig gewählte Alternative wäre eine anonyme Samenbank im Ausland, welche entweder den Eingriff dort durchführt, oder aber das Sperma nachhause liefert, damit dieser selbst durchgeführt werden kann. Der Grund, warum eine ausländische Samenbank mit Klinik für uns nicht in Frage kam ist erst einmal sehr banal. Wir hatten keine Lust mind. einmal im Monat viele Kilometer fahren zu müssen, nur um dann vor Ort die genauen Rechtsgrundlagen nicht zu kennen und evtl. die Ärzte bzw. die Verträge nicht zu verstehen. Die Vorstellung den Eingriff zuhause und privat machen zu können klingt dabei schon verlockender, aber auch er verliert an Kraft, wenn man erfährt, dass der Transport des Materials mittels spezieller Gewebetransporter stattfinden muss und ca. 400 Euro kostet. Rechnet man die Kosten für das Sperma und den Transport zusammen, kommt man auf den gleichen Betrag, wie wenn man den Eingriff gleich in einer deutschen Klinik durchführen lässt.

Aufgrund all dieser Überlegungen war für uns schnell klar, wie unser Weg zum Hummelchen aussehen wird… Doch wo und wann und wie.. na, das war noch eine längere Geschichte!

liebe Grüße
Noelana

 

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